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Sexsymbol Brigitte Bardot wird 85 – Ein Leben voller Extreme

Filmikone, Sexsymbol, militante Tierschützerin und auch Verfechterin der „Gelbwesten“-Bewegung: Jetzt wird Brigitte Bardot schon 85.

Brigitte Bardot im Jahr 1960.

Brigitte Bardot im Jahr 1960.

Foto: Bettmann / Bettmann Archive

Paris. Mehr als 45 Bücher: Über Brigitte Bardot wurde so viel geschrieben wie kaum über einen anderen französischen Star. Mittlerweile ist die Liste der Biografien über das Sex-Symbol der 60er-Jahre fast ebenso lang wie die der Filme. Allein seit Anfang des Jahres sind vier Titel über die Leinwandikone erschienen. Einer davon heißt „Das Rätsel Brigitte Bardot“. Zu Recht.

Kaum eine andere Filmlegende wirft so viele Fragen auf wie Bardot, die am heutigen Samstag 85 Jahre alt wird. Denn ihr Leben ist eine Geschichte voller Extreme. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms hat die einst blonde Schönheit nach über 45 Filmen und 80 Liedern ihre Karriere abgebrochen. Die Begründung: In dieser Zeit sei ihr Leben sinnlos und oberflächlich gewesen, wie sie in ihrer im Jahr 2018 veröffentlichten Biografie „Tränen des Kampfes“ schrieb.

Brigitte Bardot wurde 1956 zu einem Weltstar

Ihre Auftritte hatten zu Hysterie und Massenaufläufen geführt. Denn BB, wie die 1934 geborene Französin aus erzkonservativem Pariser Elternhaus auch genannt wird, gehörte damals zu den schönsten, begehrtesten und erotischsten Filmstars. Nur 95 Minuten hatten gereicht, um 1956 aus ihr einen Weltstar zu machen. In dem Film „Und immer lockt das Weib“ spielt sie eine laszive junge Frau, die nach Abenteuern mit Männern sucht.

In dem Drama räkelt sie sich im Evakostüm im Sand von St. Tropez. In einem Frankreich, in dem schon barfüßig zu tanzen ein mittlerer Skandal war, brach die verführerische Schmollmund-Blondine alle Tabus. Sie schockierte eine ganze Nation.

„Die Wahrheit“, „Die Verachtung“ und „Viva Maria“: Filme, mit denen BB nicht nur in die Geschichte des Kinos eingegangen ist. Sie schuf ein neues Frauenbild, das sexy und selbstbewusst sein durfte. Aus ihren Affären machte sie kein Geheimnis. Während ihr Ehemann Roger Vadim mit ihr „Und immer lockt das Weib“ drehte, begann sie mit Filmpartner Jean-Louis Trintignant eine Beziehung. Sie war viermal verheiratet und hat einen Sohn, dessen Erziehung sie weitgehend dem Vater, Schauspieler Jacques Charrier, überließ.

Bardots Abschied war radikal und endgültig

Von einem Extrem ins andere fiel sie 1973 mit ihrer Entscheidung, sich vor dem Rummel und den Beschimpfungen in ihre Villa „La Madrague“ in St. Tropez zu flüchten und sich dort zurückzuziehen. Damals war Bardot noch keine Vierzig. Ihr Abschied war radikal und endgültig. Mit derselben Kompromisslosigkeit, die ihre Karriere prägte, widmete sie sich dem Kampf gegen Robbenjagd, Tierversuche und grausame Schlachtmethoden. Sie verkaufte einen Teil ihres Hab und Guts und gründete 1986 die Tierschutzorganisation Fondation Brigitte Bardot mit Sitz in Paris.

Seit über 40 Jahren lebt BB zurückgezogen in ihrem Haus am Strand von St. Tropez zusammen mit ihren Vierbeinern, die sie aus Tierheimen und Zirkussen holt. Dass ihr Leben für und mit den Tieren auf viel Häme und Sarkasmus stößt, stört sie wenig. Sie weiß um ihr Bild in der Öffentlichkeit. „Früher lag mir die Welt zu Füßen, weil ich schön, berühmt und begehrt war, und heute störe ich nur noch“, erklärt sie in „Tränen des Kampfes“.

Ihre Radikalität und Kompromisslosigkeit haben ihr oft geschadet. Wegen umstrittener Äußerungen, sei es zu Einwanderern oder zum rituellen Schächten von Schafen, wurde sie mehrmals verurteilt. Im Jahr 2012 rief sie zur Wahl der Rechtspopulistin Marine Le Pen auf. Das sei eine bewundernswerte Frau, die als einzige den Skandal um das Halalfleisch angeprangert habe, erklärte sie.

Solidarität mit den Gelbwesten

Sie sei in ihren politischen Anschauungen immer sehr unstet gewesen, räumte Bardot in ihrer Biografie ein. Sie habe immer für die gestimmt, die ihre Sache vertreten haben. Dazu sollen der konservative Valéry Giscard d’Estaing gehört haben, der Sozialist Lionel Jospin und der linke Jean-Luc Mélenchon.

Anfang des Jahres ließ sich Bardot in einer gelben Warnweste ablichten – als Zeichen ihrer Solidarität mit den „Gelbwesten“. Seit mehreren Monaten protestiert die Bewegung gegen die Sozial- und Wirtschaftspolitik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Seit mehr als einem Jahr macht Bardot verstärkt gegen die Luxus-Strand-Restaurants in St. Tropez mobil. Man esse jetzt nicht mehr auf einfachen Holztischen, sondern auf weißen Tischdecken, ereiferte sie sich im Juli in der Wochenzeitung „Marianne“. Man reiße die alten Hütten voller Charme und Poesie ab, das sei ein Skandal. Das Geld habe alles zerstört, so wie bereits den Ortskern, wohin sie deshalb nicht mehr gehe, kritisierte sie in dem Magazin. „Ich werde mein ganzes Leben lang sagen, was ich denke, ob das gefällt oder nicht“, lautet ihr Motto. Und daran hält BB nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert fest. (dpa)