Belästigungs-Vorwürfe

Plácido Domingo verlässt nach New York auch Oper in LA

| Lesedauer: 5 Minuten
Placido Domingo im August bei einem Konzert in Ungarn.

Placido Domingo im August bei einem Konzert in Ungarn.

Foto: LASZLO BALOGH / dpa

Wegen Vorwürfen sexueller Belästigung verlässt Plácido Domingo die Oper in LA. Zuvor hatte er sich bereits in New York verabschiedet.

New York.  Sein Engagement bei der New Yorker Metropolitan Oper hatte der 78-Jähriger erst vor knapp zwei Wochen beendet. Nun verlässt Plácido Domingo auch die Oper in Los Angeles. Der Grund sind die schweren Vorwürfe gegen ihn. Im August hatten ihm mehrere Frauen sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Er trete von seinem Posten als Leiter der Oper zurück und sage geplante Auftritte ab, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des Spaniers, die unter anderem der „Los Angeles Times“ und der „New York Times“ vorlagen. Er tue dies mit „schwerem Herzen“, aber angesichts der jüngsten Anschuldigungen gegen ihn sei dieser Schritt „im besten Interesse“ für das Opernhaus.

In New York hätte der Spaniefür die Oper „Macbeth“ auf der Bühne stehen. „Plácido Domingo hat zugestimmt, sich von allen künftigen Aufführungen an der Met zurückzuziehen“, teilte das Opernhaus mit. Vor 50 Jahren feierte Domingo sein Debüt an der renommiertesten Oper der Vereinigten Staaten.

Domingo bestreitet Vorwürfe weiterhin

Sein Rückzug ist nicht als Eingeständnis der Anschuldigungen zu verstehen. Domingo weist die Vorwürfe, die teilweise bis in die 70er-Jahre zurückreichen, zurück. Er wolle aber nicht, dass der Streit um seine Person die „harte Arbeit“ seiner Kollegen auf und hinter der Bühne überschatte.

Zugleich betonte er, sich Sorgen zu machen „um ein Klima, in dem Menschen ohne angemessene Untersuchungen verurteilt werden, schrieb Domingo an die „New York Times“. Deswegen habe er um Entbindung von seinen vertraglichen Pflichten gebeten. „Und ich danke der Führung der Met, dass sie meine Bitte freundlicherweise akzeptiert haben.“

Domingo verlässt New Yorker Metropolitan Oper
Domingo verlässt New Yorker Metropolitan Oper

Musiker stand mit 27 Jahren erstmals auf der Met-Bühne

Domingo deutete an, nicht mehr an die Met zurückkehren zu wollen. Die jüngste Kostümprobe zu „Macbeth“ sehe er als seinen „letzten Auftritt auf der Bühne der Met“ an, wo er mit 27 zum ersten Mal gestanden habe.

Schon im Vorfeld hatte es deswegen hinter den Kulissen viel Wirbel gegeben um den ehemaligen Tenor, der heute Bariton singt.

Es ist nicht die erste Konsequenz, die nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gezogen wurde. Einige Opern und Orchester hatten bereits Auftritte Domingos abgesagt, etwa die Häuser in Philadelphia und San Francisco.

Juristen der Oper von Los Angeles hat Untersuchung eingeleitet

Domingo ist auch seit 2003 Generaldirektor der Oper von Los Angeles. Dort untersucht ein Team von Juristen die Vorwürfe; der Musiker wurde derweil beurlaubt. Die New Yorker Met-Oper hatte zunächst erklärt, dass sie die Untersuchung abwarten wolle, bevor über eine weiteres Engagement entschieden würde.

Anders als geplant wird Domingo dieses Jahr auch nicht den Europäischen Kulturpreis erhalten. Die Auszeichnung, die in Bonn verliehne werden soll, wurde auf den 3. Oktober 2020 verschoben.

Andere halten jedoch weiter an dem Sänger fest. Bei seinem ersten Auftritt nach Bekanntwerden der Vorwürfe war der Künstler vom Publikum der Salzburger Festspiele demonstrativ gefeiert worden.

Acht Frauen berichten von sexueller Belästigung

Mehrere Frauen, acht Sängerinnen und eine Tänzerin, werfen Domingo vor, seine Macht als einer der weltweit angesehensten Opernmusiker ausgenutzt zu haben, um sie zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Nur eine der Frauen gab sich zu erkennen, die anderen berichteten der Nachrichtenagentur Associated Press anonym.

Eine Frau beschrieb, dass der Sänger seine Hand unter ihren Rock geschoben habe, während drei andere berichteten, er habe ihnen Küsse aufgezwungen. Einige der Frauen waren der Ansicht, Domingo habe ihren Karrieren geschadet, nachdem er sie zurückgewiesen habe.

„Ich glaubte, dass all meine Beziehungen immer willkommen und einvernehmlich waren“, hatte der 78-Jährige nach Bekanntwerden der Vorwürfe erklärt. Er erkenne aber an, „dass die Regeln und Standards, an denen wir heute gemessen werden und das auch sollten, sich sehr von denen in der Vergangenheit unterscheiden“.

4000 Auftritte, 14 Grammys

Damit spielte er auf die im Oktober 2017 entstandene #MeToo-Bewegung an: Mehrere Schauspielerinnen hatten Hollywood-Produzent Harvey Weinstein sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung vorgeworfen. Es entstand eine Debatte um Machtmissbrauch, Sexismus und Übergriffe.

Placido Domingos Karriere dauert bereits mehr als 50 Jahre an. Er kommt auf mehr als 4000 Auftritte, nahm mehr als hundert Alben auf und wurde mit 14 Grammys ausgezeichnet. Weltberühmt wurde er durch seine Auftritte mit Luciano Pavarotti und José Carreras als „Die drei Tenöre“.

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos