Gesellschaft

Wie ich für meinen Chef aus meinem Kind ein Auto machte

Mütter im Job: Warum es einfacher ist, dem Chef zu sagen, man muss ein Auto aus der Reparatur abholen als das Kind aus der Kita.

Karriere mit Kindern: Alles möglich, Mütter müssen nur ein bisschen erfinderisch sein.

Karriere mit Kindern: Alles möglich, Mütter müssen nur ein bisschen erfinderisch sein.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Berlin. Was war das doch für ein familienpolitischer Fortschritt, als am 1. Januar 2007 Elternzeit und Elterngeld eingeführt wurden. Seitdem können Mütter und/oder Väter nach der Geburt ihres Kindes zu Hause bleiben und bekommen dafür eine Lohnersatzleistung.

Meine Zwillinge waren damals acht Jahre alt, unsere Jüngste 3. Die Gelegenheit, mich einfach so eine Weile ums Kind kümmern zu können und dafür auch noch Geld zu bekommen, hatte ich also knapp verpasst. Dumm gelaufen.

Elternzeit, aber nur ganz kurz. Das mögen Personaler gar nicht

Oder vielleicht im Gegenteil? Denn in einer neuen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin ist es negativ für den Frauen-Lebenslauf, wenn dort die Dauer der Elternzeit angegeben wird. Vor allem, wenn die Elternzeit kurz war. Den Frauen wird dann nachgesagt, kaltherzig zu sein. Und wenn sie lang war, na ja, dann war sie halt auch lange nicht im Job.

Bei denen mit der langen Elternzeit befürchten Personaler obendrein Teilzeit-Wünsche. Wer soll denn sonst am Nachmittag das Kind aus der Kita holen? Und zum Kinderarzt rennen?

Dass ich jeweils schnell, ein paar Monate nach der Geburt, wieder in den Job einstieg, war – also zum Glück – damals ganz allein die Angelegenheit meiner Familie und meines Arbeitgebers. Es passte.

Nach der Zwillingsgeburt hatten wir eine Kinderfrau, die den größten Teil meines Teilzeitgehalts auffraß (wobei es Blödsinn ist, diese Kosten mit dem Gehalt der Frau aufzurechnen. Die Kinderfrau hielt ja auch meinem Mann den Rücken frei), nach der zweiten Geburt sprang die Oma ein, und dann auch ein Au pair.

Der Stress beginnt mit der Kita und dem starren Programm

In die Kita gingen die Kinder jeweils erst mit drei Jahren. Es kam ohnehin einem Lottogewinn gleich, einen der wenigen Krippenplätze zu bekommen.

Dieses Modell gibt es kaum noch. Das Kind wird nun so gut wie immer ein Jahr lang von der Mutter betreut, der Vater macht auch ein wenig mit, dann kommt die Kita. Und damit der Stress mit starren Öffnungszeiten, starrem Programm und dem Problem, wer das Kind betreut, wenn es krank ist (und das sind Kleinkinder ständig).

Ich weiß gar nicht, ob ich mich unter diesen Bedingungen überhaupt auf den Job hätte konzentrieren können.

Es ist, wie es war: Frau kann es nur falsch machen

Bei Männern übrigens wirkt sich Elternzeit gar nicht auf die Karrierechancen aus – egal, wie lange sie war. (Dabei nehmen Männer, das ist wieder eine andere Studie, meist nur die zwei Vätermonate, weil sie tatsächlich Karrierenachteile befürchten). Ihnen werden weder Teilzeitwünsche noch Abhängigkeiten von Kita-Öffnungszeiten unterstellt. Dass Väter tatsächlich viel stärker als früher in die Familienarbeit eingebunden sind, dass sie viel mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen (wollen), spielt – noch – überhaupt keine Rolle.

Frau kann es nur falsch machen – das ist wohl das Fazit der Studie. Sie steckt nach wie vor in den Schubladen: Heimchen am Herd oder eiskalte Karrieristin.

Aus dem Kind in der Kita wurde ein Auto in der Werkstatt

Fazit: Am besten ist, gar nicht über die Elternzeit zu reden. Sie lässt sich doch bestimmt im Lebenslauf verstecken. So wie ich früher aus meinem Kind in der Kita ein Auto in der Werkstatt machte, das dringend abgeholt werden müsse. Das verstehen Chefs leichter – und macht auch Personalern weniger Angst. Pflege am Menschen bringt nichts, so ist das in Deutschland. Wer an Maschinen arbeitet, verdient ja auch mehr, als derjenige, der sich um Kinder und alte Leute kümmert.

Warum fragt eigentlich keiner in Einstellungsgesprächen, wie alt – und reparaturanfällig – das Auto ist?

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