Beerdigung

Angehörige trauern zwei Minuten zu lang: 175-Euro-Rechnung

Die Beisetzung auf einem Friedhof in Velbert dauerte rund 120 Sekunden länger als gedacht. Ein Mann soll dafür nun 175 Euro zahlen.

Die Kapelle des Waldfriedhofes in Velbert. Ein Mann musste nach der Beisetzung seiner Mutter tief in den Geldbeutel greifen.

Die Kapelle des Waldfriedhofes in Velbert. Ein Mann musste nach der Beisetzung seiner Mutter tief in den Geldbeutel greifen.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert. Gerd Krümmel staunte nicht schlecht, als er vor einigen Tagen seine Post öffnete. Dort fand er den Friedhofs-Gebührenbescheid für die Beisetzung seiner Mutter auf dem Waldfriedhof, die vor kurzem gestorben war. Was ihn allerdings stutzig machte, war der Tarif für Paragraf 9,1B. Dieser beträgt 175 Euro für „jede weitere angefangene Viertelstunde der Kapellenbenutzung“.

Krümmel brauchte nicht lange zu überlegen, er wusste es sogar: die „normale“ halbe Stunde, die Trauernden in Velbert erst einmal grundsätzlich zur Verfügung steht - übrigens bereits für den Preis von 350 Euro - hatte er um exakt zwei Minuten überschritten.

„Ich werde wohl nicht darum herum kommen, den Preis zu bezahlen, aber für mich ist das ein großer Witz“, erzählt der Velberter. „Soll ich da mit der Stoppuhr daneben stehen?“

175 Euro für eine Überziehung von 120 Sekunden

Sicher ist: Krümmel wusste vorher über die 30-Minuten-Regel Bescheid, weil ihn das Beerdigungsinstitut darüber aufgeklärt hat. „Die haben aber auch gesagt, dass das gut einzuhalten ist.“ Dass er nun für eine Überziehung von 120 Sekunden 175 Euro bezahlen soll, hält Krümmel – und das wiederholt und betont er ausdrücklich – für pure Abzocke.

Michael Schmidt, für die CDU-Fraktion im Rat und stellvertretender Ausschussvorsitzender des Verwaltungsrates der Technischen Betriebe Velbert (TBV), erklärt zu dem Fall auf Anfrage: „Die Bestatter kennen die Zeitlimits.“ Er verweist auf die Friedhofssatzung vom 20. Dezember 2017, übrigens für jeden öffentlich im Internet einsehbar.

Unter Paragraf 37 Absatz drei heißt es dort tatsächlich: „Die Benutzung der Friedhofskapelle wird für die erste angefangene halbe Stunde (30 Minuten) gemäß der Friedhofsgebührensatzung abgerechnet. Die weitere Benutzung der Friedhofskapelle wird je angefangene 15 Minuten gemäß der Friedhofsgebührensatzung abgerechnet. “

„Es scheint wirklich, als stünden die mit der Stoppuhr da“

Trotz dieser klar definierten Regel, erklärt Schmidt aber auch, dass er glaube, dass der Tarif „bei zwei Minuten – wenn es wirklich zwei Minuten waren – nicht so rigoros angewandt“ werde. Um da jedoch sicher zu sein, müsse man den Fall prüfen. Und das sei wohl ein Fall für den Vorstand des TBV. „Auf dem Geld bleiben die Bürger sitzen“.

Dessen Justitiar Torben Steinhauer widerspricht Schmidt umgehend: „Nein, es gibt keine Kulanzzeit. Höchstens fünf Sekunden.“ Die ganze Regel möge zwar harsch klingen, wurde aber eingeführt, um für Besserung zu sorgen.

Vorher sei nämlich die Zeit schon oft überzogen worden.„Letztendlich soll das dann auch eine Sanktion an den Bestatter sein“, erklärt Steinhauer. Dass dieser das Geld aber gar nicht zahlen müsse, sondern der Bürger, der gerade einen engen Verwandten beerdigen musste, weiß der Justitiar.

„Ja, auf dem Geld bleibt dann der Bürger sitzen.“ Für Gerd Krümmel unhaltbare Zustände: „Das kann es ja wohl nicht sein. Es scheint wirklich, als stünden die mit der Stoppuhr da.“

  • Dieser Text erschien zuerst auf www.waz.de
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