Schauspielerin

Iris Berben über sinkende Lebenszeit und das Tabuthema Tod

Im TV-Drama „Hanne“ spielt Iris Berben eine Frau mit Angst vor einer Krebsdiagnose. Wir haben mit ihr übers Älterwerden gesprochen.

Iris Berben im Februar in Berlin.

Iris Berben im Februar in Berlin.

Foto: Reto Klar / Funke Foto Services

Berlin. In Dominik Grafs Frauenporträt „Hanne“ erfährt eine frisch pensionierte Chefsekretärin am Freitagnachmittag, dass sie vielleicht Blutkrebs hat. Die Labor-Ergebnisse kommen jedoch erst am Montag … Alexander Nebe sprach mit Hauptdarstellerin Iris Berben über schwindende Lebenszeit und das Tabuthema Tod.

Hauptfigur Hanne muss ein Wochenende in großer Angst und Unsicherheit verbringen. Wann haben Sie persönlich solche Momente zuletzt erlebt?

Iris Berben: Die Angst ist ein immer wiederkehrender Begleiter in meinem Leben. Sie klopft immer wieder mal an. Aber was nützt es? Wir alle müssen das Leben in allen Facetten zulassen und manchmal auch aushalten. Nach überstandener Leidensphase habe ich mich immer gefragt, ob ich aus dem Erlebten etwas lernen sollte. Ob das nicht ein Zeichen war, in mich zu gehen und neue Wege einzuschlagen.

Wie melancholisch werden Sie bei dem Gedanken, dass in Ihrem Leben mehr Jahre hinter als vor Ihnen liegen?

Berben: Bei dieser Vorstellung muss ich ganz schön schlucken. Im kommenden Jahr feiere ich meinen 70. Geburtstag. Es ist eine Zahl, die mich ehrlich gesagt leicht überfordert – zumal ich wie wohl jeder mit ihr einen ganz normalen biologischen Vorgang verbinde. Im Alter von 30 denken wir vielleicht ab und zu über die Möglichkeit nach, dass unser Leben jederzeit zu Ende sein könnte. Doch da sind es noch eher hypothetische Fragen, während in meinem Alter nun mal die Wahrscheinlichkeit wächst, schwer zu erkranken oder gar zu sterben. Das Leben wird noch fragiler, als es ohnehin schon ist.

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Was geht dann in Ihnen vor?

Berben: Meine Gefühle und Gedanken sind je nach Tagesform unterschiedlich: Es gibt Momente voller Melancholie, aber auch Augenblicke, wo ich das alles mit einer gewissen Abgeklärtheit betrachte. Manchmal bin ich regelrecht froh, dass ich bislang schon so viel unglaublich sattes Leben erleben durfte.

Fragen Sie sich manchmal, wie viel Lebenszeit Ihnen noch bleibt?

Berben: Aber sicher! Das ist zum Beispiel eine meiner Ängste: Wie lange bin ich noch Herr meiner Sinne? Was wäre, wenn ich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen wäre oder sterbenskrank werde und wie gehe ich dann mit so einer Situation um? Jeder Mensch, der bewusst und wach lebt, weiß ganz genau, dass das Momente sein können, die in unserem Leben ihren Platz finden wollen – und werden. Und deshalb ist es wichtig und gut, darüber nachzudenken.

Zumal solche Themen noch oft tabubehaftet sind und verdrängt werden…

Berben: Ich verdränge sicher nichts – möchte aber auch nicht, dass diese Fragen einen zu großen Platz in meinem Leben einnehmen. Man soll sich damit auseinandersetzen. Aber es sollte nicht zu einem Leitfaden werden – nur deshalb, weil ich mich in einem bestimmten Alter befinde. Es gibt Menschen, die sich irgendwann nur noch mit diesen Fragen beschäftigen. Das möchte ich sicher nicht.

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Denken Sie zuweilen auch über den Tod nach?

Berben: Auch wenn es Kraft kostet, ist das ein Thema, mit dem ich mich immer wieder auseinandersetze. Zum Beispiel in Zeiten, wo ich selbst Verluste verarbeiten musste. Ganz egal, ob das nun meine Eltern oder enge Freunde waren, die ich verloren habe. Dann rede ich mit mir sehr nahestehenden Menschen über den Tod. Das ist sehr gut und auch wichtig, denn der Tod ist nun mal ein Teil unseres Lebens.

Wie erklären Sie es sich, dass gerade in unserer Gesellschaft das Thema Tod meist verdrängt wird?

Berben: Gegenfrage: Denken sie gerne über den drohenden Verlust lieber Menschen und die eigene Vergänglichkeit nach?

Eher nicht…

Berben: Da haben Sie eine Antwort?! Aber es liegt sicher auch an unserer verkrampften Art zu trauern: In anderen Kulturen der Welt wird der Tod eines geliebten Menschen beweint, aber auch gefeiert. Ich werde nie vergessen, was ich zum Beispiel in Südamerika an beeindruckenden Szenen erlebt habe: Wo Menschen an den Gräbern ihrer jüngst verstorbenen Lieben picknicken; sie dabei singen, lachen, weinen und feiern. Ich bin viel eher dafür, dass wir das gelebte Leben des Verstorbenen feiern, als nur seinen Verlust zu betrauern. Dass man an all das Schöne, an seine tollen, wunderbaren und lustigen Seiten erinnert. Warum es nicht auch zu einem freudigen Tag machen, ohne dass man den Verlust dadurch in irgendeiner Weise schmälert?

Wie stehen Sie zum Thema Sterbehilfe?

Berben: Ein sehr schwieriges Terrain, bei dem die Emotionen schnell hochkochen. Noch immer ist es ein Kampf und noch immer gibt es viele moralische Bedenken – und trotzdem gibt es in meinen Augen eine ganz banale Antwort: Wir sind schon nicht gefragt worden, ob wir auf diese Welt kommen wollen – dann sollen wir doch zumindest diejenigen sein, die für sich selbst bestimmen können, wie lange ein Leben zu ertragen ist.

• Mittwoch, 18. September, 20.15 Uhr, Das Erste: „Hanne“