Indonesien

Metropole Jakarta versinkt im Meer – und bedroht Orang-Utans

Jakarta geht langsam unter. Deshalb plant Indonesien eine neue Hauptstadt auf Borneo. Der Plan gefährdet die bedrohten Orang-Utans.

Die Letzten ihrer Art: Orang-Utans sind die einzigen überlebenden Großen Menschenaffen Asiens.

Die Letzten ihrer Art: Orang-Utans sind die einzigen überlebenden Großen Menschenaffen Asiens.

Foto: Katesalin Pagkaihang / Shutterstock

Jakarta. Weil Indonesiens Hauptstadt Jakarta dem Untergang geweiht ist, entsteht tief im Regenwald eine neue Metropole. Was der südostasiatische Inselstaat plant, ist nicht weniger als ein Wahnsinnsprojekt – allerdings eines mit schwer kalkulierbaren Folgen.

Während Präsident Joko Widodo 1200 Kilometer nordöstlich von Jakarta im Dschungel von Borneo in nur wenigen Jahren eine Reißbrettstadt aus dem Boden stampfen lässt, verschwindet gleichzeitig der wichtigste Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans . Tierschützer weltweit sind besorgt und alarmiert.

Borneo ist ein Rückzugsort für bedrohte Tierarten

Schon 2024 sollen die ersten Bewohner übersiedeln. „Der Umzug wird sich massiv auf die Umwelt auswirken“, prophezeit Jasmine Puteri, leitende Forstkämpferin von Greenpeace. Denn für die neue Weltstadt im Wald hat Widodos Regierung 180.000 Hektar Land eingeplant – insgesamt ist Borneo mit 750.000 Quadratkilometern mehr als doppelt so groß wie Deutschland.

Die drittgrößte Insel der Erde ist einer der letzten Rückzugsorte vieler bedrohter Tierarten, Sonnenbären und Langnasenaffen etwa, vor allem aber von Orang-Utans. Einst bevölkerten die Menschenaffen einen Großteil Asiens, doch längst sind ihre Bestände stark zurückgegangen. Heute leben die Tiere nur noch auf den indonesischen Inseln Sumatra und Borneo.

Selbst dort gingen nach Berechnungen der Umweltorganisation WWF zwischen 1973 und 2010 rund 40 Prozent ihres Lebensraumes durch Abholzung verloren. Die Holz-, Papier- und Palmölindustrie setzen die Orang-Utans unter Druck. Umweltschützer warnen, dass der Umzug die Zerstörung der Regenwälder auf der Insel beschleunigen wird.

Naturkatastrophen bedrohen Jakarta

Präsident Widodo hält dagegen, sein Land habe keine andere Wahl. Tatsächlich versinkt der Zehn-Millionen-Einwohner-Moloch Jakarta in rasantem Tempo im Meer: Manche Gebäude sacken dort um 25 Zentimeter im Jahr ab. Mehr als die Hälfte der Stadt liegt schon heute unterhalb des Meeresspiegels, bis 2030 sollen es 80 Prozent sein.

Zudem wird die bisherige Hauptstadt von häufigen Naturkatastrophen geplagt. Probleme, die nur ein Umzug an einen geopolitisch günstigen Standort lösen kann, glaubt Widodo: „Das Risiko von Überflutungen, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen ist minimal“, sagt der 58-jährige frühere Gouverneur von Jakarta über das Ausweichquartier.

Jakarta wird schon bald im Meer versinken

Dass Jakarta vor den Augen seiner Bewohner untergeht, hat mehrere Gründe. Einer der wichtigsten: Nur ein Viertel der Bürger hat Zugang zu Leitungswasser, was bedeutet, dass viele von ihnen selbst nach Wasser graben. Die übermäßige Grundwasserförderung führt dazu, dass Jakarta stetig sinkt, während der Meeresspiegel wegen des Klimawandels ansteigt. Setzt der Monsunregen ein, stehen schon jetzt ganze Stadtviertel unter Wasser. Eine der schlimmsten Überschwemmungen erlebte Jakarta im Jahr 2007, als 70.000 Häuser überflutet wurden und 80 Menschen starben. Selbst eine gigantische Schutzmauer, die die Stadt seit fünf Jahren baut, wird nicht verhindern, dass manche Wohngebiete permanent überschwemmt werden.

In der neuen, noch namenlosen Hauptstadt wären die Menschen sicher. Durch die Nähe zu den Städten Balikpapan und Samarinda existiert dort zudem eine relativ gute Infrastruktur. Von einer „strategischen Lage im Zentrum Indonesiens, in der Nähe wachsender städtischer Gebiete“ schwärmt der Präsident.

Die 32 Milliarden Dollar teuren Bauarbeiten sollen in zwei Jahren beginnen. Falls 2024 die ersten Indonesier umziehen, hätte sich Widodo ein Denkmal gesetzt: Dann endet seine Amtszeit. Umweltschützer werden bis dahin noch häufig vor den Gefahren für die Orang-Utan-Population warnen.

Was sie trösten könnte: In Indonesien ist schon so manches Megainfrastrukturprojekt still und leise im Sumpf von Korruption und Bürokratie versunken.