Leichenfund

Vermisstenfall nach 22 Jahren durch Google Earth gelöst

In den USA hat ein Immobiliengutachter einen Vermisstenfall aufgeklärt. Und das nur, weil er sich ein Satellitenbild genau anschaute.

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Moon Bay Circle. Jahrzehntelang wurd gerätselt – wahrscheinlich hatte kaum jemand ehrlich daran geglaubt, dass sich dieser Vermisstenfall noch auflösen würde. Aber: Nach 22 Jahren ist ein verschwundener Mann gefunden worden – und zwar dank Google Earth. Keine 50 Meter von diversen Wohnhäusern entfernt.

Der Vorgang wirft auch ein Licht darauf, wie Behörden und Privatpersonen in Vermisstenfällen und bei Mordermittlungen vorgehen. Dass Verbrechen durch digitale Hilfsmittel aufgeklärt werden, ist längst keine Seltenheit mehr. Und in mehreren diese Fälle spielen auch Tools des Suchmaschinenkonzerns Google eine Rolle. So wie auch aktuell in Florida.

Der Fall wurde durch einen fast unglaublichen Zufall gelöst: Das Auto von William Earl Moldt, seit dem 8. November 1997 vermisst, ist in Florida nach einer Suche bei Googles Kartendienst gefunden worden. Darüber berichtet unter anderem die US-Zeitung Newsweek. Das Fahrzeug ist auf dem Satellitenbild gut sichtbar in einem Regenwasserrückhaltebecken zu sehen – nur knapp unter der Wasseroberfläche nah am Rand.

Vermisster auf „Google Earth“: Skelett liegt im versunkenen Auto

Ein Immobiliengutachter hatte sich die Gegend bei dem Kartendienst genauer angesehen – und das mysteriöse Objekt entdeckt. Weil er sicher war, dass es sich um ein Auto handelt, was da im Wasser lag, meldete er sich bei der Polizei von Palm Beach County (Florida). Seine Vermutung stimmte – es handelte sich um ein Fahrzeug – das des Vermissten.

Es lag stark verrostet knapp unter der Wasseroberfläche in einem Rückhaltebecken nahe einer Häuserreihe. Die Behörden ließen das Autowrack heben – und fanden menschliche Knochen darin. „Das Fahrzeug war stark verkalkt und offensichtlich seit einer signifikanten Zeit im Wasser“, heißt es in einem Bericht der Polizei auf Twitter. Im Inneren sei dann das Skelett gefunden worden.

„Erstaunlicherweise war das Auto seit 2007 zu sehen“

Nach einer Genanalyse war klar, dass es sich um die Überreste von William Earl Moldt handelte. Moldt war am Abend des 7. November 1997 in einem Nachclub feiern. Kurz bevor er das Lokal verließ, rief er noch seine Freundin an, kam aber nie zu Hause an. Wie genau Moldt zu Tode kam ist unklar. Die Siedlung mit dem Rückhaltebecken, in dem er jetzt gefunden wurde, war laut „Newsweek“ damals noch eine Baustelle.

Auch beim Kartendienst Google Maps ist auf aktuellen Aufnahmen noch das Auto in dem Regenrückhaltebecken hinter einem der Häuser in dem Ort Wellington in Florida zu sehen:

„Erstaunlicherweise war das Auto auf dem Satellitenbild seit 2007 zu sehen, aber offensichtlich hat es bislang niemand bemerkt“, heißt es auf der Internetseite der Vermissten-Organisation „The Charley Project“. Nach Angaben des Vermisstenregisters werden in den USA jedes Jahr 600.000 Menschen als vermisst gemeldet und etwa 4400 nicht identifizierbare Leichen gefunden.

Wie die Polizei in den USA Google Maps und andere Dienste nutzt

In den USA ist seit längerem zu beobachten, wie private, gemeinnützige und staatliche Organisationen auch auf Hilfe von Google setzen. Wie die „New York Times“ im April berichtete, spielen dabei vor allem der Kartendienst Google Maps sowie daran angelehnte Dienste eine wichtige Rolle.

Für Ermittler bei der Polizei oder für die Staatsanwaltschaft scheint dabei die Historie, die in den Karten- und Standortdiensten gesammelt wird, besonders interessant zu sein. So berichtete die Zeitung konkret über einen Fall aus Phoenix, bei dem ein Mörder anhand von gesammelten Standortdaten gefasst werden konnte – der Fall zeige aber auch, dass die digitale Suche nach Verbrechern und Vermissten Grenzen haben kann.

Ermittler hatten in Phoenix nach einem Täter gesucht, der sein Opfer längere Zeit mit dem Auto verfolgt und schließlich getötet hatte. Die Polizisten hatten von Google Daten angefordert, die zeigten, welche Smartphones sich zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes befunden hatten. Als ein verdächtiges Handy gefunden war, konnte durch das darauf verknüpfte Profil nachverfolgt werden, wo sich der Besitzer aufgehalten hatte. Und im konkreten Fall war zu sehen, dass der Besitzer dem Opfer wohl in einem Auto gefolgt war.

Das Problem bei der Ermittlung war jedoch, dass eben nicht der Besitzer des Autos der Täter war, sondern der ehemalige Freund der Mutter des Autobesitzers. Der Ex-Freund der Mutter hatte sich immer wieder Auto und Elektronikgeräte geliehen. Sein Schwiegersohn in spe hatte eine Woche unschuldig in Untersuchungshaft gesessen. In der „New York Times“ kommen Sicherheitsexperten und ehemalige Google-Entwickler zu Wort, die an der Treffsicherheit der Google-Dienste Zweifel äußern. Zwar können sie ein Hilfsmittel sein, doch seien sie schlichtweg nicht für die Polizeiarbeit konzipiert worden. (küp/ac)