Wirbelsturm

Hurrikan „Dorian“: Mindestens 50 Tote, Hunderte Vermisste

Hurrikan „Dorian“ hat auf den Bahamas schwere Schäden angerichtet. Mindestens 50 Menschen starben, es könnten aber noch mehr werden.

Am Samstag erreichte der Sturm Kanada. Auf der Inselgruppe Bahamas stellt sich die Bevölkerung den schwierigen Aufräumarbeiten.

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Nassau. Es war der verheerendste Wirbelsturm auf den Bahamas und einer der stärksten im Atlantik seit Beginn moderner Aufzeichnungen – die Rede ist von „Dorian“. Der Hurrikan hatte Anfang September die Bahamas getroffen, enorme Schäden angerichtet. Eine Woche nach dem Hurrikan ist nun die Zahl der Todesopfer auf 50 gestiegen – es könnten aber noch deutlich mehr werden.

Am Freitag war „Dorian“ dann über einen küstennahen Teil des US-Bundesstaats North Carolina hinweggezogen und hatte dort Überschwemmungen, Schäden und Stromausfälle verursacht. Am Samstagabend (Ortszeit) erreichte er dann als posttropischer Zyklon mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 148 Kilometern pro Stunde die Ostküste Kanadas. Etwa 400.000 Kunden des Stromversorgers Nova Scotia Power waren vom Stromnetz abgeschnitten.

Während die USA und Kanada „Dorian“ glimpflich überstanden haben, ist das Ausmaß der Zerstörung auf den Bahamas noch immer nicht gänzlich zu überblicken. Als Hurrikan der kraftvollsten Kategorie fünf hatte „Dorian“ die nördlichen Inseln der Bahamas am Sonntag getroffen und war erst am Mittwoch komplett über den Karibikstaat hinweggezogen.

Nach „Dorian“: Regierung rechnet mit weiteren Todesopfern auf den Bahamas

Der Inselstaat hat noch immer mit den Folgen des schweren Wirbelsturms zu kämpfen. Hunderte Menschen – manchen Berichten zufolge sogar Tausende – gelten noch als vermisst. Deshalb rechnet die Regierung mit einem weiteren Anstieg der Todeszahlen.

Der bahamaische Gesundheitsminister Duane Sands sagte im Rundfunk, er glaube, die endgültige Zahl der Todesopfer werde „überwältigend“ sein. Angesichts der Zerstörung konnten Helfer nur nach und nach in die betroffenen Gebiete vorrücken. Einige von ihnen beschwerten sich, die Bürokratie der Behörden behindere die Einsätze.

Nach Schätzung des Roten Kreuzes wurden auf der Insel Grand Bahama und den Abaco-Inseln etwa 13.000 Wohnhäuser schwer beschädigt oder zerstört.

Tausende Bewohner der betroffenen Inseln wurden mittlerweile auf die bevölkerungsreichste Insel, New Providence, sowie auch in die USA gebracht. Am Samstag steuerte ein Kreuzfahrtschiff mit fast 1500 Menschen, die in den besonders stark getroffenen Regionen ihr Zuhause verloren haben oder verlassen mussten, Florida an, wie die US-Grenzschutzbehörde mitteilte.

Am Sonntag mussten jedoch 119 Menschen eine Fähre nach Florida wegen fehlender US-Visa in der bahamaischen Stadt Freeport wieder verlassen. Bürger der Bahamas dürfen ohne Visum in die USA einreisen, wenn sie einen Reisepass und ein polizeiliches Führungszeugnis vorzeigen. Freeport liegt nur etwa 90 Kilometer von der Küste Floridas entfernt.

US-Präsident Donald Trump sagte am Montag, jeder müsse absolut korrekte Ausweispapiere haben. Er wolle keine Personen ins Land lassen, die sich illegal auf den Bahamas aufhielten – darunter seien „sehr schlechte Menschen“.

Deutsche Marinesoldaten beteiligen sich an Hilfseinsatz

Auf den Bahamas sollen sich außerdem 70 deutsche Marinesoldaten an einem Hilfseinsatz beteiligen. Die Männer und Frauen seien auf dem niederländischen Docklandungsschiff „Johan de Witt“, das Kurs auf die Bahamas nehme, hieß es am Freitag aus dem Verteidigungsministerium in Berlin. Das Schiff, ein Hubschrauberträger, liege vor der Karibikinsel St. Martin und erhalte am Wochenende Ladung und Material. Es soll spätestens am Montag auslaufen.

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Kritik kam von der Linken. „Warum nun ausgerechnet die Bundeswehr entsendet werden muss, erschließt sich mir nicht“, sagte Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu. „Es ist die klassische Aufgabe des Technischen Hilfswerks. Das THW ist dazu bestens ausgebildet und ausgerüstet.“

Mehr als zehn Hubschrauber der US-Küstenwache fliegen in den Bahamas bereits Rettungseinsätze, auch das Militär ist bereits vor Ort und hilft. Auch die Vereinten Nationen, die EU, und andere Nationen bereiten Hilfseinsätze vor. (jei/dpa)

Ausmaß der Zerstörung wird deutlich