Ballett-Film

„Harry-Potter“-Star Ralph Fiennes: Angst vor Schauspielerei

Ralph Fiennes spielt in „The White Crow“ einen Balletttänzer. Talent zum Tanz hat er aber nicht, sagt er selbst. Wie es trotzdem ging.

Ralph Fiennes ist einer der großen britischen Schauspieler seiner Zeit und machte sich als Voldemort bei einem jungen Publikum unsterblich.

Ralph Fiennes ist einer der großen britischen Schauspieler seiner Zeit und machte sich als Voldemort bei einem jungen Publikum unsterblich.

Foto: Dave J Hogan / Dave J Hogan/Getty Images for Studio Canal

Berlin.  Ralph Fiennes ist einer der wichtigsten Charakterköpfe des britischen Kinos. Seine Filme werden vom Publikum und von Kritikern geliebt, viele kennen ihn aus dem „Englischen Patient“, „Harry Potter“ (Er war Voldemort) und „Grand Budapest Hotel“.

Nach außen hin strahlt der 56-jährige Coolness aus – als Resultat eines gesunden Selbstbewusstseins. Doch es gibt Dinge, die ihm gar nicht behagen.

In „The White Crow“ porträtieren Sie den berühmten Balletttänzer Rudolf Nurejew, der ein ziemlicher Egomane war. Muss man als großer Künstler so sein?

Ralph Fiennes: Du musst dich deshalb nicht mit anderen Menschen anlegen. Aber wenn du dich anderen Menschen präsentieren willst – Nacktszenen inklusive – musst du schon ein gewisses Ego mitbringen. Auf der Theaterhochschule sagte mir mein Lehrer „Wenn du Schauspieler werden wirst, sagst du automatisch: Andere Leute sollen 20 Pfund zahlen, damit sie mich sehen dürfen.“ Das ist bezeichnend.

Warum sollen wir 20 Pfund zahlen, um Sie zu sehen?

Fiennes: Weil ich gut bin.

Sind Sie sich sicher?

Fiennes: Ja. Das ist einfach ein Grundverständnis. Ich habe jetzt nicht die Gewissheit, dass ich immer gut bin. Ich war auch diverse Male schlecht. Und ich weiß, wie schnell es gehen kann, dass du das Publikum nicht mehr erreichst. Aber ich habe den Glauben, dass ich gut sein kann. Wenn ich der Auffassung wäre, dass ich als Schauspieler Scheiße wäre, sollte ich diesen Beruf nicht machen.

Verlangt es Ihr Ego auch, dass Sie sich auf sozialen Medien feiern?

Fiennes: Twitter, Instagram – das nutze ich alles nicht. Ich hasse das, kann es nicht ertragen.

Zu Ihren Spezialitäten als Schauspieler gehören ja auch Bösewichte.

Fiennes: Streng genommen habe ich von denen genug. Nach einiger Zeit sage ich meinen Agenten: „Schickt mir keine solchen Drehbücher mehr, egal wie viel man mir als Gage bietet.“

Trotzdem haben Sie dann den Voldemort in den „Harry Potter“-Filmen gespielt.

Fiennes: Den wollte ich eigentlich auch ablehnen. Ich hatte den ersten „Potter“-Film gesehen, und ich fühlte mich nicht davon angesprochen. Dann rief mich meine Schwester an und wusch mir den Kopf: „Weißt du denn nicht, was es bedeutet, Voldemort zu spielen?“ Ihre Kinder lasen damals gerade die Bücher, und dann wurde ich mir plötzlich bewusst, was das bedeutete. Es hatte auch finanzielle Vorteile für mich. Denn ich musste Geld in mein Regiedebüt „Coriolanus“ stecken, und dafür konnte ich die Gage gut gebrauchen. Nach Voldemort ist aber jetzt mit den Bösewichten Schluss.

Und jetzt hatte eine ganze Generation von Kindern Angst vor Ihnen?

Fiennes: Sie sagen es.

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Wovor haben Sie Angst?

Fiennes: Der Schauspielerei. Wenn du einen Film drehst, dann siehst du die Kamera vor dir und denkst dir: „Oh Gott, jetzt muss ich etwas bieten.“ Und diese Vorstellung ist furchteinflößend. Bei jedem Film habe ich Nervenflattern. Ja, mir ist klar, dass ich schon viele Rollen gespielt habe, aber wer weiß, ob das diesmal gut geht?

Inzwischen gehören Sie auch zum Universum der James Bond-Filme. Wie stark ist der Stress da?

Fiennes: Klar gibt es da Druck. Es war auch ein bisschen frustrierend, dass wir beim aktuellen Bond immer wieder Pausen einlegen mussten. Unser Drehbuch ist gut, aber man bastelt immer noch daran rum. Und dann kamen auch Verletzungen dazu. Aber der wirkliche Druck lastet auf den Schultern von Daniel Craig.

Was halten Sie von ihm als Bond?

Fiennes: Früher war Sean Connery immer für mich der ideale Bond. Aber Daniel hat etwas, was früher nie bei Bond zu sehen war. Er bringt seine eigene Psyche in diese Rolle ein. Und er will unbedingt, dass die Filme glaubhaft wirken – im Rahmen dessen, was möglich ist. Da ist er voller Leidenschaft dahinter.

Und was ist Ihre große Leidenschaft – abgesehen vom Film?

Fiennes: Eine große Passion von mir ist Russland – was man ja auch an „White Crow“ sieht. Ich liebe russische Kultur schon, seit ich in meiner Jugend „Doktor Schiwago“ gesehen habe. Inzwischen war ich viele Male dort, habe Freunde, spreche auch etwas Russisch. – Ein absolut faszinierendes Land.

Sie bekamen die serbische Staatsbürgerschaft, weil Sie ein paarmal dort drehten. Was wäre, wenn Putin Ihnen einen russischen Pass geben würde?

Fiennes: Darauf kann ich gerne verzichten. Ich unterscheide sehr wohl zwischen der politischen Situation und den Menschen dort. Ich bezeichne mich lieber als Freund Russlands – so wie ich mich als Brite bezeichne, obwohl ich mit der Konservativen Partei nichts am Hut habe.

Haben Sie durch diese russische Geschichte auch die Liebe zum Tanzen gelernt?

Fiennes: Ich finde Tanzen toll, jeder sollte das machen. Doch wenn Sie mich fragen, ob ich Talent dazu habe – ganz sicher nicht.

• Fiennes arbeitete auch mit „Dark“-Star Louis Hofmann. Im Interview berichtet Hofmann: „Mit dem Druck komme ich nicht klar“.