Schicksale

Urne des Vaters gestohlen – „Ich will meinen Papa zurück“

Unbekannte stehlen die Urne von Wilhelm Gölzenleuchter in Herne. Seine Tochter ist verzweifelt. Sie wendet sich direkt an die Diebe.

Sandra Gölzenleuchter sucht verzweifelt nach der Urne ihres Vaters. Die wurde von einem Friedhof in Herne gestohlen.

Sandra Gölzenleuchter sucht verzweifelt nach der Urne ihres Vaters. Die wurde von einem Friedhof in Herne gestohlen.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Herne. Für ihren Vater hatten die Kinder einen Löwenkopf auf den Stein am Kolumbarium gravieren lassen. Die Urne hellblau, Papas Lieblingsfarbe. Nach einem Diebstahl auf dem Südfriedhof in der Ruhrgebiets-Stadt Herne ist der Löwenkopf-Grabstein verschwunden, das Kolumbarium von Familie Gölzenleuchter leer. Für Tochter Sandra Gölzenleuchter (44) ist das „der absolute Albtraum“.

Unbekannte hatten vor knapp einer Woche drei Urnen aus dem Kolumbarium gestohlen. Zwei tauchten wieder auf, die der Familie Gölzenleuchter bleibt bis heute verschwunden. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt wegen Störung der Totenruhe, Sachbeschädigung und Diebstahls – bisher ohne Ergebnis.

Vater stirbt kurz vor Weihnachten an Leukämie

Täglich ist Sandra Gölzenleuchter auf dem Südfriedhof, auf dem auch ihre früh verstorbene Mutter liegt. „Ich bin immer ein Papa-Kind gewesen. Meine Mama ist ja lange tot.“ Sie erinnert sich mit Tränen in den Augen an ihren sport-liebenden Vater Wilhelm. „Mein Papa hat immer gekämpft wie ein Löwe – sein Sternzeichen. „Er war immer für alle da. Ich vermisse ihn so sehr!“

Es ist kurz vor Weihnachten, Dezember 2018, als es ihrem Vater Wilhelm urplötzlich sehr schlecht geht. Tannenzweige und bunte Kugeln schmücken bereits das gemeinsame Haus in Herne, als der Vater in Krankenhaus kommt. Diagnose: akute Leukämie. Sechs Tage später ist Wilhelm Gölzenleuchter tot.

„Er wollte verbrannt werden, damit ich nicht so viel Arbeit mit dem Grab habe“, sagt seine Tochter, die seit Jahren Bandscheibenprobleme hat und deshalb auch nicht arbeiten kann.

Erst wurde nur ein Stein beschmiert, dann die Urne gestohlen

Im Juli dieses Jahres, etwa ein halbes Jahr nach der Einäscherung, beschmieren Unbekannte das Kolumbarium des Vaters mit Filzstift und pinker Farbe. Mit viel Mühe säubert die Familie den Stein, der Löwenkopf geht dabei kaputt. „Das war schon schlimm, aber danach war ja erst einmal Ruhe. Wir dachten, sowas passiert bestimmt nicht wieder.“

Dann sieht ein Bekannter eines Sonntags die Polizeiabsperrungen um das Kolumbarium. Als klar ist, dass die Urne des Vaters weg ist, bricht für Sandra Gölzenleuchter eine Welt zusammen. „Wenn sie wenigstens nur den Stein gestohlen hätten...“ Die gelernte Arzthelferin geht weiter jeden Tag auf den Südfriedhof, um den Eltern nahe zu sein. „Das ist der Ort, an dem ich meinen Eltern nahe bin – oder gewesen bin. Mit meinem Vater kann ich nun nicht mehr sprechen.“

Sandra Gölzenleuchter sucht verzweifelt nach der Urne – in sozialen Netzwerken, im Radio. Langsam, sagt sie, gehe ihr die Kraft aus. Die 44-Jährige wendet sich direkt an den Dieb: „Bitte, wenn Sie nur einen Funken Menschlichkeit haben, bringen Sie die Urne zurück. Ich will keine Strafe. Ich will nicht wissen, wer Sie sind. Nur meinen Papa, den möchte ich wieder!“

Dieser Text ist zuerst auf www.waz.de erschienen.

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