Mordprozess

Mord an Maria: Lebenslänglich und Einweisung in Psychiatrie

Für den Mord an der schwangeren Maria auf Usedom sind beide Angeklagten verurteilt worden. Der Haupttäter muss in eine Psychiatrie.

Mord an Maria: Lebenslänglich und Einweisung in Psychiatrie
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Stralsund. Der Prozess war für viele Beteiligte nur schwer zu ertragen. Zwei junge Männer, die offenbar aus purer Mordlust handelten, heimtückisch – und zumindest im Fall des 19 Jahre alten Haupttäters völlig ohne Reue. Wegen ihnen musste die 18 Jahre alte schwangere Maria aus Zinnowitz sterben. Die Tat schockierte genauso wie viele Szenen im Gerichtssaal. Nun hat das Landgericht Stralsund das Strafmaß für die beiden Angeklagten verkündet.

Der 19 Jahre alte Hauptangeklagte, Nicolas K., muss zwölf Jahre in Jugendhaft, es wurde eine Unterbringung im Maßregelvollzug in einer Psychiatrie angeordnet. Sein Mittäter, der 21 Jahre alte Niko G., erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Bei ihm stellte das Gericht am Freitag auch die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung ist damit so gut wie ausgeschlossen.

Laut Anklage wollten die beiden einen Menschen sterben sehen. Sie suchten sich dafür die im dritten Monat schwangere Maria, mit der sie befreundet waren. Sie wohnte alleine. Es sei einfacher gewesen, das Mordvorhaben umzusetzen, als bei einem anderen jungen Mann aus ihrer Clique, der ebenfalls in ihrem Visier stand, hatte der 19-Jährige im Prozess gesagt.

Maria wurde von hinten angegriffen

Nicolas K., der Maria von hinten angegriffen und Dutzende Male auf sie eingestochen hatte, hatte schon am ersten Prozesstag ein Geständnis abgelegt und in den darauf folgenden Tagen im Gerichtssaal oft wie ein unbeteiligter Zuschauer gewirkt. Seine mit einer Rose verzierten Hände lagen meist ruhig auf dem Tisch. Interessiert hörte er zu, als die Rechtsmedizinerin die Ergebnisse des DNA-Tests verkündete. Sie bestätigten, dass es das Blut von Maria ist, das an der schwarzen Jacke und der hellblauen Jeans von Nicolas K. gefunden wurde.

Maria habe „Aua“ und „Hör auf“ gerufen. Dann habe er sich auf die am Boden liegende Frau gesetzt und ihr zahlreiche weitere Stiche am Kopf und Hals zugefügt, während der Mittäter ihre Beine festgehalten habe, erzählte Nicolas K. Zu Prozessbeginn zeigte er einer Frau den Stinkefinger und drohte einer Frau im Publikum, sie als nächstes umzubringen. Schwer zu ertragen für die Zuschauer, für viele Menschen in ganz Deutschland.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem jungen Mann eine extrem hohe Gefährlichkeit attestiert. Bei ihm sei ein völliger Mangel an Empathie festzustellen, sagte der Psychiater. Er sei extrem aggressiv und impulsiv. „Das sind Leute, um die man sich Sorgen machen muss.“ Er empfahl die Unterbringung im Maßregelvollzug, wie sie nun auch im Urteil angeordnet wurde. In diesem Vollzug werden Therapieversuche unternommen.

Haupttäter wollte einfach nur töten

Der Psychiater zählte auf: Bereits früh fällt Nikolas K. durch sein aggressives und impulsives Verhalten auf. Schon als Jugendlicher kommt er in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zu helfen schien es ihm nie. Denn Nicolas K. soll bereits seit der Jugend Mordgelüste haben, teilweise auch gegen sich selbst. Dazu kommt sein Lebenswandel mit Drogen, Alkohol und häufig wechselnden Sexualpartnern.

Ein festes Elternhaus hatte der Angeklagte nie und er habe sich nach eigenen Aussagen in der Patchworkfamilie mit Stiefvater und Halbgeschwistern „außen vor“ gefühlt. Die einzigen Personen, für die er etwas empfinde, seien seine eigene Tochter und seine zwölfjährige Halbschwester.

Einen Angeklagten wie den 19-Jährigen habe er in seiner 22-jährigen Gutachtertätigkeit noch nicht erlebt, sagte der Psychiater. Er begründete dies unter anderem mit K.s Aussage, dass er ein solches Verbrechen wieder begehen würde. „Das Motiv des Töten-Wollens findet man extrem selten.“

Der mutmaßliche Mörder von Usedom will seinem Opfer ein Tattoo widmen

Seinem Opfer wollte Nicolas K. nun auch eines seiner Tattoos widmen. Drei Tattoos schmücken sein Gesicht. Das eine ist eine Eule am Hals, deren Flügel sich bis zu den Kieferknochen erstrecken. Die Eule wache für ihn über sein soziales Umfeld, wie der 19-Jährige dem Gutachter erzählt. Ein Indiz für seine paranoide Störung, erklärte der Mediziner.

Über seinem rechten Auge trägt K. den Namen seiner zwei Jahre alten Tochter. Auffälliger ist jedoch das Kreuz auf der linken Wange. Zunächst für ihn ein Symbol, das für seine antichristliche Haltung stehe. Jetzt möchte er es verlängern und seiner besten Freundin widmen, sagte er. Auf Nachfrage, wer diese Freundin sei, habe er dem Gutachter geantwortet: „Maria“. Durch den Saal ging ein Raunen.

Die Mutter der getöteten Maria hält es nicht mehr aus

Marias Mutter, die als Nebenklägerin teilnahm, brach während des Prozesses im Gerichtssaal zusammen. „Ich halte das nicht mehr aus. Das ist abartig.“ Sie verließ den Gerichtssaal, weinte.

Mittäter Niko G. wurde laut Gutachten keine Verhaltensstörung attestiert. Der 21-Jährige polnischer Herkunft wuchs bei Zinnowitz auf Usedom auf. Wie Nicolas K. hat auch er keine Ausbildung. Beide kennen sich aus dem Jugendclub und von Treffen im Park. Durch ihre gemeinsamen Mordfantasien seien sie näher aneinandergerückt. Allerdings zeigte Niko G. zumindest Reue.

Eine Rechtsmedizinerin bestätigte, dass im unteren Bereich der Hose Marias auch DNA-Spuren des älteren Angeklagten gefunden worden seien. Es handele sich dabei um eine Spur von mehreren Menschen, eine sogenannte Mischspur, hieß es. Der Staatsanwalt wertete die DNA als „schweres Indiz“ dafür, dass der Ältere Maria während der Tat an den Beinen festgehalten haben könnte. (mit dpa/ba)

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