Todesfall

Ex-Volkswagen-Chef Piëch: Laut Obduktion natürlicher Tod

Der frühere Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Der langjährige Chef der Volkswagen AG starb im Alter von 82 Jahren.

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Berlin. Es sollte ein Abendessen in der Nähe des Chiemsees werden. Ferdinand Piëch war mit seiner Frau Ursula in einem Lamborghini-Geländewagen nach Aschau gefahren, um im Restaurant von Starkoch Heinz Winkler etwas zu essen. Das Ehepaar hatte gerade zur Speisekarte gegriffen, als Piëch zusammenbrach – so erzählte es Winkler einer Lokalzeitung.

Ein Rettungswagen brachte den 82-Jährigen ins Krankenhaus nach Rosenheim, wo Piëch um 21.45 Uhr verstarb.

Jetzt hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Die Zweigstelle Rosenheim der Staatsanwaltschaft Traunstein hat wegen des Todes von Ferdinand Piëch ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er sagte auch: „Das ist ein Automatismus, und die Untersuchung hat bisher überhaupt nichts ergeben“.

Piëchs Leichnam sei obduziert worden, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft. „Die Obduktion geht von einer natürlichen Todesursache aus“, sagte er. Der Leichnam sei danach für die Bestattung freigegeben worden. Bei einem solchen sogenannten Todesermittlungsverfahren würden neben der Obduktion auch Angehörige befragt sowie Menschen, die vor Ort waren. Es werde vermutlich – auch das sei völlig normal – erst in einigen Monaten abgeschlossen.

Ferdinand Piëch hinterlässt eine große Familie

Die VW-Werke haben die Fahnen auf halbmast gesetzt. Was bleibt von einem der größten Industrie-Manager, Ingenieure und Autoliebhaber der jüngeren Geschichte?

Ganz persönlich hinterlässt Ferdinand Piëch eine weit verzweigte Familie und ein riesiges Vermögen. Mit seiner letzten Frau Ursula (63) – es war seine vierte – hat er drei Kinder. In einem Interview hatte er einmal mehr oder weniger scherzhaft gesagt, er habe „etwa ein Dutzend“ Kinder: „So genau weiß man das nicht.“

Später versicherte Piëch im Verlauf eines Rechtsstreits eidesstattlich, es seien zwölf. Nun teilte seine Frau mit: „Er hinterlässt eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so vielen Enkelkindern.“ Das Vermögen des Ehepaars wird auf fast eine Milliarde Euro geschätzt. Piëch hatte sich vor zwei Jahren von seinen Anteilen am VW-Konzern getrennt und sie an die Verwandtschaft verkauft. Ursula Piëch darf nun das in Stiftungen geparkte Geld verwalten – angeblich unter der Bedingung, dass sie nicht neu heiratet. Sie dürfte auch die Samurai-Schwerter erben, die ihr Mann sammelte.

Ferdinand Piëch ist tot – Das Wichtigste zum Ex-VW-Chef in Kürze:

  • Der langjährige Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch ist gestorben
  • Er wurde 82 Jahre alt
  • Tragisch: Er starb nach einem Restaurantbesuch - seine Frau war dabei

Ehefrau Ursula wurde Zeugin des Unglücks und war dabei, als ihr Mann in einem Restaurant kollabierte. In einer Erklärung, die sie über den Anwalt Christian Schertz verbreitete, schreibt die Witwe über den Tod ihres Mannes.

Ursula Piëch erinnert in Brief an Mann

„Er hinterlässt eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so vielen Enkelkindern“, beginnt sie ihre Worte. Als Enkel von Ferdinand Porsche habe er zunächst bei Porsche gearbeitet, dann bei Audi und zuletzt bei Volkswagen, schreibt sie. „Im Frühjahr 2015 zog sich Ferdinand Piëch aus den Aufsichtsratsgremien des Volkswagen-Konzerns zurück und widmete seine Zeit Familie und Freunden.“

In einer Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend vom Anwalt der Familie, Christian Schertz, zugeschickt wurde, schrieb Ursula Piëch, ihr Mann sei „plötzlich und unerwartet verstorben“.

„Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer“, hieß es weiter. Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt. Weiter heißt es: „Wir bitten die Privatsphäre der Familie zu respektieren und von direkten Anfragen abzusehen“

Das ist Ferdinand Piëch

  • Bereits 1963 hatte Piëch ein Maschinenbaustudium begonnen und bei Porsche angefangen. Relativ zeitnah zog er in die Führungsebene ein, wurde Leiter der Entwicklungsabteilung
  • Es folgte ein Wechsel zu Audi
  • 1988 wurde er zum Vorstandschef des Unternehmens
  • Nach nur fünf Jahren ging es bei Volkswagen weiter, ebenfalls als Chef

In Piëchs Zeit bei Audi und Volkswagen wurden Innovationen gefeiert

Piëch war vor allem ein genialer Ingenieur, der technische Neuerungen entweder selbst vorantrieb oder seine Mitarbeiter dazu anhielt. Auf sein Konto – vor allem als Technikchef bei Audi – gingen Errungenschaften wie der erste Benzinmotor mit fünf Zylindern, der erste permanente Allrad-Antrieb („quattro“) eines deutschen Herstellers, die vollverzinkte Karosserie und die Limousine mit dem damals geringsten Windwiderstand weltweit (Audi 100). Bei Audi und VW trieb Piëch die Diesel-Technologie (TDI) mit immer sparsameren Motoren voran.

Später ließ er 200 Exemplare des ersten Ein-Liter-Autos XL1 bauen, aber auch den Bugatti Veyron mit 1001 PS, von dem es 450 Stück gab. Auch deshalb sehen viele Piëch heute in einer Reihe mit großen Automobilisten wie Gottlieb Daimler oder Henry Ford.

Ohne Piëch wäre Volkswagen nicht das, was der Konzern heute ist. Neun Jahre lang war er Vorstandschef (1993 bis 2002) und weitere 13 Jahre Vorsitzender des Aufsichtsrats. In dieser Zeit formte Piëch einen Weltkonzern. Er legte die Basis dafür, dass VW heute kein Produzent von unscheinbarer Massenware ist, sondern der größte Autohersteller der Welt.

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Wie Piëch Volkswagen umkrempelte

Der Konzern bietet vom Motorrad (Ducati) bis zum Lastwagen (Scania, MAN) alle Fahrzeuge an. Piëch wertete VW auf, indem er die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini dazukaufte. Er senkte drastisch die Produktionskosten, in dem er als einer der ersten die „Plattformstrategie“ einführte: wenige gleiche Bauteile als Basis für viele verschiedene Modelle. Heute ist das der Standard in allen Autokonzernen.

Piëch galt als detailversessen, ehrgeizig, machtbewusst und autoritär. Er verlangte Höchstleistungen von sich und seinen Mitarbeitern. Manager konnten schnell in Ungnade fallen, wenn sie widersprachen und nicht das passierte, was Piëch wollte.

Diese Form des Umgangs prägte ganz offenbar weite Teile des VW-Konzerns und dauerte unter Piëchs Zögling Martin Winterkorn an. Diese Kultur gilt heute als Erklärung dafür, dass VW-Ingenieure lieber Abgaswerte manipulierten, als einzugestehen, dass sie die Vorgaben der Konzernführung nicht einhalten konnten. Gegenwärtig bemüht sich VW darum, dieses dunkle Erbe aus der Ära Piëch zu überwinden.

Unter Piëch gab es bei Volkswagen auch einen Korruptionsskandal

Als Piëch 1993 bei VW Vorstandschef wurde, litt das Unternehmen unter einer Absatzkrise. Zehntausende Arbeitsplätze waren in Gefahr. Mit der Gewerkschaft IG Metall vereinbarte Piëch ein innovatives Arbeitszeitmodell, die Vier-Tage-Woche. Die Belegschaft arbeitete 20 Prozent weniger, verdiente zwölf Prozent weniger und behielt ihren Job. VW wurde zum Vorbild für andere Unternehmen.

Seit 2006 wird wieder normal gearbeitet, aber der Tarifvertrag gilt noch. Ebenfalls in Piëchs Zeit fiel die Korruptionsaffäre, die erst 2005 bekannt wurde und einen Tiefpunkt in der deutschen Sozialpartnerschaft markiert. Das VW-Management hatte dem Betriebsrat Vergnügungsreisen spendiert und dem Betriebsratschef heimlich Geld gezahlt. Piëch wusste davon angeblich nichts.

Ferdinand Piëch von Martin Winterkorn gelobt

„Die gemeinsame Arbeit mit Ferdinand Piëch war stets freundschaftlich und inspirierend. Für seine Unterstützung war und bin ich ihm sehr dankbar“, sagte Winterkorn. Die Worte Winterkorns überraschen: Im Jahr 2015 hatte Piëch als Aufsichtsratschef mit der Äußerung für Aufsehen gesorgt, er sei „auf Distanz“ zum damaligen Vorstandschef Winterkorn - Piëch verlor schließlich den Machtkampf und warf im Zorn hin

Volkswagen hat den verstorbenen früheren Konzernchef Ferdinand Piech als großen Visionär gewürdigt. Der langjährige Firmenpatriarch habe Automobilgeschichte geschrieben – als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer, erklärte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Dienstag in Wolfsburg.

VW-Visionär Ferdinand Piëch ist tot – „ein Titan der Autowelt“

Der ehemalige VW-Chef hatte sich aufgrund einer Veranstaltung in Oberbayern aufgehalten und in Rosenheim gegessen. Bei Twitter sprachen der Familie viele Menschen ihr Beileid aus. Auch Kollegen posteten Worte an die Automobillegende. „Er war ein Titan der Autowelt“, schrieb etwa Andy Palmer, Chef von Aston Martin, bei dem Kurznachrichtendienst.

Piëch galt als letzter Patron – der VW-Patriach. 2017 hatte er über seinen Ausstieg bei VW verhandelt. (mit ses/dpa)