Arbeitsbedingungen

Ibiza und Formentera droht Chaos: Hotel-Bedienstete streiken

8000 Reinigungskräfte auf Ibiza und Formentera wehren sich am Wochenende gegen die schlechte Bezahlung. Was das für Urlauber bedeutet.

Kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen: die Zimmermädchen Amalia, Maria und Vicky (v. l.) mit Tochter (vorne) in Alicante.

Kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen: die Zimmermädchen Amalia, Maria und Vicky (v. l.) mit Tochter (vorne) in Alicante.

Foto: Emilio Rappold / dpa

Madrid. Amalia beteuert, dass sie nicht übertreibt. „Wir werden schlechter behandelt als Tiere. Mit uns kann man praktisch alles machen“, versichert die 52-Jährige aus Alicante. Mit „wir“ meint Amalia die rund 200 000 Zimmermädchen Spaniens, die eine „zunehmend brutale Ausbeutung“ seitens der Hotels und anderer Touristenunterkünfte beklagen.

Das Bett nicht gemacht, den Boden nicht gewienert, das Bad nicht geputzt: Zehntausende Urlauber werden am kommenden Wochenende auf den spanischen Mittelmeerinseln Ibiza und Formentera ihre Zimmer selbst in Ordnung bringen müssen.

Denn die rund 8000 Reinigungsmitarbeiterinnen in ihren Hotels fühlen sich von den Hoteliers schlecht behandelt und haben mitten in der touristischen Hochsaison einen Streik ausgerufen. Auf Mallorca und auf dem spanischen Festland soll es parallel Protestkundgebungen geben.

Geringe Löhne, harte Akkordarbeit, unbezahlte Überstunden, keine freien Tage, mangelhafte soziale Absicherung, Diskriminierung – die Liste der Klagen ist lang. So lang, dass inzwischen sogar ein dokumentarischer Kinofilm über das Leiden der spanischen Zimmermädchen entstanden ist, der den Titel „Hotel Ausbeutung“ trägt.

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Spaniens Reinigungspersonal: Protest für würdige Arbeitsbedingungen

„Wir halten den Tourismus, den wichtigsten Motor der nationalen Wirtschaft, in Gang“, klagt darin die Reinigungskraft eines Hotels, doch die Zimmermädchen würden mancherorts wie Sklaven behandelt. „Wir sind keine Maschinen, sondern Menschen“, lautet einer der Slogans, mit dem die Reinemachefrauen der Hotels auf die Barrikaden gehen.

Etliche Hoteliers bekamen in den letzten Monaten bereits die Wut der Zimmermädchen, die in Wirklichkeit gestandene Frauen sind, zu spüren. Mit Transparenten bewaffnet postierten sich die Hotelputzfrauen, die sich unter dem Namen „Las Kellys“ organisiert haben, vor Hoteltüren und skandierten: „Wir wollen würdige Arbeitsbedingungen.“

Sie müssen bis zu 30 Zimmer am Tag putzen

Dazu gehöre zum Beispiel, dass die Arbeitsbelastung verringert werde, sagt Milagros Carreño. Die 54-Jährige arbeitet seit 30 Jahren als Zimmermädchen und ist die Sprecherin der Kellys auf Ibiza. „Normalerweise müssen wir 21 oder 22 Zimmer am Tag säubern, aber manche Kolleginnen müssen bis zu 30 Zimmer herrichten.

Das ist unmenschlich“, klagte sie, als sie den Streik ankündigte. Weiterhin müssten auch noch Flure, Essenssäle und Eingangshallen gesäubert werden. „Einige Zimmermädchen haben nicht einmal Zeit, eine Essenspause zu machen.“ Die Folge dieser beschwerlichen Arbeit und Hetzjagd von Zimmer zu Zimmer seien chronische Gesundheitsschäden.

Viele Frauen würden den Arbeitstag nur mit Schmerztabletten durchhalten. Nach einer Umfrage der Gewerkschaften nehmen 70 Prozent der Zimmermädchen Tabletten ein, wegen Rückenbeschwerden oder auch wegen Depressionen. „Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo wir einfach nicht mehr können“, sagt Carreño. Deswegen fordern die Kellys auch eine Anerkennung ihrer Gesundheitsschäden als Berufskrankheiten.

200.000 Zimmermädchen in ganz Spanien

Der Aufstand lenkt den Blick auf die Schattenseiten des spanischen Tourismusbooms. Das nationale Fremdenverkehrsamt meldet zwar von Jahr zu Jahr neue Besucher- und Einnahmerekorde – 2018 kamen 83 Millionen ausländische Urlauber nach Spanien.

Aber die rund 200.000 Zimmermädchen, welche in ganz Spanien maßgeblich dafür sorgen, dass sich die Hotelgäste wohlfühlen, profitieren nicht von dem Boom. Viele Hotels vergeben inzwischen den Reinigungsservice an externe Firmen, wodurch sich die Arbeitsbedingungen für die Raumpflegerinnen verschlechtert haben.

Nicht alle Gäste geben Trinkgeld

Nach den Tarifverträgen der spanischen Hotelbranche stehen den direkt Angestellten für eine Vollzeitbeschäftigung etwa 1500 Euro brutto im Monat zu. Das klingt gar nicht so schlecht für spanische Verhältnisse, aber in der Praxis werden diese Tarife nicht durchweg eingehalten.

Zum Beispiel zahlen externe Reinigungsfirmen den Zimmermädchen selten mehr als 1000 Euro. In den touristischen Großstädten Madrid oder Barcelona seien die meisten Zimmermädchen über externe Firmen angestellt, berichtet Myriam Barros, nationale Sprecherin der Kellys.

Sie fordert, dass die Zimmermädchen der externen Firmen genauso bezahlt werden müssen wie die hoteleigenen Kräfte. „Wir sind die wahren Stars der Hotels“, steht auf manchen jener Protestplakate, mit denen die Kellys am kommenden Wochenende auf die Straße gehen wollen.

Ein Hinweis darauf, dass sie nicht nur bessere Arbeitsbedingungen wollen, sondern auch mehr Anerkennung wünschen – und sei es auch nur in Form eines kleinen Trinkgelds, das von den Gästen zurückgelassen wird.

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