Polizeieinsatz

Polizei erschießt 20-Jährigen - Ermittlungen gegen Beamte

Ein 20-Jähriger attackierte Beamte und reagierte nicht auf Pfefferspray. Ein Polizist zog die Waffe. Die Staatsanwaltschaft prüft.

Stade: Ein Polizist hat einen Asylbewerber aus Afghanistan erschossen. Der Mann hatte den Beamten angegriffen.

Stade: Ein Polizist hat einen Asylbewerber aus Afghanistan erschossen. Der Mann hatte den Beamten angegriffen.

Foto: Christian Horz / Getty Images/iStockphoto

Stade/Hamburg. In Stade hat die Polizei einen einen 20-jährigen Asylbewerber erschossen. Der junge Mann habe die Beamten mit einer Hantelstange aus Eisen attackiert, teilte die Staatsanwaltschaft Stade am Sonntag mit. Sie leitete routinemäßig ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags ein.

„Wir werden ein besonderes Augenmerk darauf richten, ob der Polizeibeamte in Notwehr gehandelt hat“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade. Die Beamten hätten zunächst Pfefferspray eingesetzt. Dies habe aber keine Wirkung gezeigt, hieß es. Daher habe ein Polizist auf den Angreifer geschossen. Der 20-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt und starb trotz Notarzt-Einsatzes wenig später.

Die Polizeiinspektion Cuxhaven hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Die Ermittler versiegelten den Tatort und sicherten Spuren. Die fünf anderen Bewohner des Hauses wurden in anderen Unterkünften untergebracht.

Asylbewerber von Polizei erschossen – Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach einem Schuss der Polizei ist ein Asylbewerber in Stade gestorben
  • Es wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten eingeleitet
  • Der Flüchtling hatte die Beamten offenbar mit einer Stange attackiert

Asylbewerber war polizeibekannt

Wie kam es zu dem Vorfall? Die Polizei war laut der Mitteilung am Samstagabend gerufen worden, weil sich zwei Menschen in einer Flüchtlingsunterkunft stritten.

Da es sich bei dem mutmaßlichen Verursacher des Streits um einen der Polizei bereits von anderen Vorfällen bekannten, Anfang 20-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan handelte, wurden vorsorglich zwei Streifenwagen zum Tatort entsandt. Als die ersten Polizisten an der Erdgeschosswohnung des Mannes ankamen und ihn durch ein offenes Fenster ansprachen, reagierte der 20-Jährige nicht.

Angriff mit einer Hantelstange

Kurze Zeit später traf die zweite Streifenwagenbesatzung ein. Die Beamten betraten die Wohnung. Der junge Asylbewerber, so schildert es die Polizei, habe dann eine Hantelstange aus Eisen ergriffen und sei auf die Beamten losgegangen.

Die nach dem Schuss sofort eingesetzte Notärztin und eine Rettungswagenbesatzung konnten ihm nicht mehr helfen, er erlag kurze Zeit später seinen Schussverletzungen. Das 1. Fachkommissariat der Polizeiinspektion Cuxhaven hat die Ermittlungen in diesem Fall übernommen. Die anderen fünf Bewohner des Hauses kamen in andere Unterkünfte.

Flüchtling tötet Baby und wird erschossen

Dass Asylbewerber von der Polizei erschossen werden, ist immer wieder auch Teil von innerpolizeilichen Ermittlungen: Nachdem in Fulda im April 2018 ein Flüchtling von der Polizei erschossen wurde, wurde Kritik am Vorgehen des Beamten laut. Für Aufsehen sorgte auch ein Fall von 2017 in Bayern: Erst tötete ein Asylbewerber ein Baby, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

(jel/HA)