Musikerin

Kim Wilde: „Ich möchte das Leben feiern, und zwar jetzt“

Am Freitag erscheint Kim Wildes neues Album „Aliens Live“. Im Interview spricht sie über Familie, Zufriedenheit und ihre Zukunftspläne.

Kim Wilde im Oktober 2018 in der Berliner Columbiahalle

Kim Wilde im Oktober 2018 in der Berliner Columbiahalle

Foto: Jan Huebner/Lakomskivia www.imago-images.de / imago images / Jan Huebner

Berlin. „Kids in America“ war Kim Wildes erster Hit, Inzwischen hat die 58-Jährige Britin selber Nachwuchs. Claudia Böhm sprach mit der Musikerin über die Pubertät ihrer Kinder, ihr privates Glück mit ihrem Mann Hal und welche Pläne sie aktuell schmiedet.

Ihre Kinder sind längst erwachsen. Wollen Sie jetzt nochmal so richtig durchstarten?

Kim Wilde: Es ist ein Privileg, Kinder großziehen zu dürfen und sie werden auch immer einen Platz in meinem Leben haben. Aber es ist auch schön zu sehen, dass sie jetzt ihre eigenen Wege gehen und ich dadurch wieder mehr Zeit für mich habe. Es ist wichtig, Kinder irgendwann auch loszulassen.

Manchen Eltern fällt gerade das besonders schwer. Sie haben damit also kein Problem?

Wilde: Nein, überhaupt nicht. Ich bin zwar vielleicht ein bisschen aufgeregt bei der Vorstellung, dass sie beide demnächst endgültig aus dem Haus sind. Aber sie wissen ja, dass sie jederzeit zurückkommen können.

Haben Sie die letzten Jahre viel Zeit mit Ihren Kindern verbracht?

Wilde: Ja, als die Kinder gerade mitten in der Pubertät steckten, brauchten sie mich natürlich noch viel stärker als heute. Da waren andere Sachen wichtig.

Haben Sie als Mutter Angst, dass Ihre Kinder mit Drogen in Berührung kommen könnten?

Wilde: Als Mutter muss ich sowieso akzeptieren, dass es eine Menge Dinge gibt, die sich meiner Kontrolle entziehen, besonders jetzt, wo die Kinder langsam älter werden und ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich kann sie nur lieben und versuchen zu begleiten, bei allem was sie tun. Und beten, dass ihnen nichts passiert. Aber es gibt natürlich keine Garantien. Manchmal ist es wirklich Schicksal, wenn Dinge passieren, die man sich vorher nicht mal im Traum hätte vorstellen können.

Jetzt, wo Ihre Kinder auf eigenen Füßen stehen, haben Sie und Ihr Mann sicher wieder mehr Zeit für sich. Was tun Sie in Ihrer neu gewonnenen Freizeit?

Wilde: Wir lieben es beide einfach zu Hause zu sein, oder draußen in unserem Garten zu werkeln. Wir haben auch eine Hündin, eine 3 Jahre alte Airdale Terrier Dame namens „Beau“ mit der wir gerne spazieren gehen. Inzwischen haben wir aber sogar schon zwei Hunde, da wir noch einen kleinen Welpen namens „Raine“ dazu bekommen haben, damit wir immer „RaineBeau“ rufen können. (lacht) Wir lieben es draußen in der Natur zu sein, besonders im Lake District im Norden von England.

Ihr Mann Hal ist sieben Jahre jünger als Sie. War das jemals ein Thema zwischen Ihnen? In den meisten Ehen ist es ja genau umgekehrt.

Wilde: Ich hatte schon immer ein Faible für jüngere Männer. Ich wollte nie diesen typischen älteren, vermögenden Mann. Darum habe ich auch meinen „Toyboy“ geheiratet. (lacht)

Wo haben Sie Ihren Mann kennengelernt?

Wilde: Im Westend Theater in London. Ich war damals gerade 36 Jahre alt und spielte die Rolle der Mrs. Walker im Musical „Tommy“. Dort sind wir uns über den Weg gelaufen und haben uns Hals über Kopf verliebt. Wir haben dann sehr schnell geheiratet und eine Familie gegründet. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich Hal damals getroffen habe.

Was glauben Sie, mag Ihr Mann an Ihnen besonders?

Wilde: Ich glaube, er mag es, dass ich das Leben nicht allzu ernst nehme. Er hat sich in mich verliebt, weil ich immer nur das Positive sehe, egal was passiert. Darum passen wir auch so gut zusammen. Wir haben wirklich eine große Übereinstimmung in Vielem, auch wenn manchmal die Fetzen fliegen. (lacht)

Was ist Ihnen heute wichtig, wenn Sie es mit früher vergleichen?

Wilde: Ich kann den Augenblick heute mehr genießen. Früher, als ich noch jünger war, habe ich immer gedacht, dass es vielleicht doch noch etwas Besseres gibt. Ich war nie wirklich zufrieden mit dem, was ich hatte. Ich dachte immer morgen wird’s besser, oder der nächste Auftritt wird besser, statt den Moment zu genießen und damit zufrieden zu sein, was ich erreicht hatte. Heute bin ich viel glücklicher und zufriedener mit meinem Leben. Es ist mir nicht mehr so wichtig, was morgen oder in einem Jahr sein könnte. Das ist der Unterschied. Aber es hat lange gedauert diese eigentlich simple Lektion zu lernen.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie heute anspruchsvoller sind als früher?

Wilde: Nein, ich war noch nie besonders anspruchsvoll. Das einzige, was sich geändert hat ist, dass ich heute viel entspannter bin als früher. Auch wenn ich hart arbeite. Es macht mir auch nichts aus Überstunden zu machen. Aber ich kann heute sehr viel besser zuhören und für andere da sein als früher.

Und was ist das Geheimnis Ihrer inneren Zufriedenheit?

Wilde: Ich bin sehr glücklich, dass ich jemanden getroffen habe, mit dem ich mein Leben verbringen will. Einen großen Anteil daran hat sicher auch die Tatsache, dass ich Kinder habe. Es ist nicht immer leicht, aber trotzdem wunderschön. Durch das Muttersein habe so viel über das Leben gelernt. Es ist toll Teil einer Familie zu sein, auch wenn es manchmal eine Herausforderung ist. Wenn vier Personen unter einem Dach leben, ist das ein ständiges Auf und Ab. Trotzdem habe ich durch das Zusammenleben mit meiner Tochter, meinem Sohn und meinem Ehemann sehr viel gelernt.

Sie sind inzwischen 58 Jahre alt. Macht es Ihnen Sorgen, dass die Zukunft immer kürzer wird?

Wilde: Ja, darum will ich mein Leben auch noch mehr genießen und viel intensiver leben. Noch wilder, noch lauter, noch bunter. Ich möchte auf Tour gehen mit meiner tollen Band, auf die Bühne gehen und einfach Spaß haben. Ich möchte das Leben feiern, und zwar jetzt. Ich will nicht warten, bis es irgendwann zu spät dafür ist.