Belästigungsvorwürfe

Vorwürfe gegen Plácido Domingo: Konzert soll stattfinden

Mehrere Frauen werfen Opernstar Plácido Domingo sexuelle Belästigung vor. In den USA ziehen jetzt erste Konzerthäuser Konsequenzen.

Plácido Domingo wird vorgeworfen, Frauen sexuell belästigt zu haben. Nun sagen Opernhäuser Auftritte des spanischen Sängers ab.

Plácido Domingo wird vorgeworfen, Frauen sexuell belästigt zu haben. Nun sagen Opernhäuser Auftritte des spanischen Sängers ab.

Foto: Hennadii Minchenko / imago/Ukrinform

New York.. Nach Vorwürfen, er habe mehrere Frauen sexuell belästigt, hatten amerikanische Konzerthäuser Einladungen zurückgezogen und Veranstaltungen abgesagt. Die Hamburger Elbphilharmonie hält nach den Vorwürfen gegen Opernstar Plácido Domingo (78) an dem Konzert im November dagegen zunächst fest.

„Vorbehaltlich weiterer Entwicklungen“ werde Domingo am 27. November auftreten, teilte die Elbphilharmonie mit. Domingo hatte die Vorwürfe zurückgewiesen, heißt es von der Elbphilharmonie. Die Veranstaltung ist weitestgehend ausverkauft.

Missbrauchsvorwürfe gegen Plácido Domingo: Konzerte abgesagt

Die von mehreren Frauen erhobenen Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Opernstar hatten bereits erste Konsequenzen für die Karriere des 78-Jährigen. Die Oper in San Francisco sagte ein für den 6. Oktober geplantes Konzert mit Domingo ab. Das Philadelphia Orchestra zog die Einladung zum Eröffnungskonzert am 18. September zurück.

In einem Bericht der Nachrichtenagentur AP werfen acht Sängerinnen und eine Tänzerin Domingo sexuelle Übergriffe vor. Die Frauen berichten von Umarmungen, von Küssen auf den Mund, von nächtlichen Telefonanrufen und davon, dass Domingo auf private Treffen gedrängt und versucht habe, sie durch Job-Angebote in sexuelle Beziehungen zu drängen.

Plácido Domingos eigenes Haus kündigt Ermittlungen an

Die San Francisco Opera verwies auf ihre strenge Richtlinie zur Bekämpfung sexueller Belästigung. Das Haus lege großen Wert darauf, „ein sicheres und geschütztes Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder auf seine Arbeit und Kunst konzentrieren kann und in dem Kollegen mit Respekt, Würde und Kollegialität behandelt werden“, heißt es in einer Mitteilung auf der Hompage des Hauses.

Ähnlich äußerte sich das von dem kanadischen Dirigenten Yannick Nézét-Séguin geleitete Philadelphia Orchestra. Die Oper in Los Angeles, deren Generaldirektor Plácido Domingo ist, hat eigene Ermittlungen angekündigt. Der Spanier ist damit ein weiterer prominenter Mann, dessen Karriere im Zuge der #MeToo-Debatte auf dem Spiel steht.

Sängerin: Plácido Domingo hat mir in Garderobe nachgestellt

Nur eine der Frauen erscheint in dem AP-Bericht mit Namen, die heute 61 Jahre alte Sängerin Patricia Wulf. Sie gibt an, 1998 von Domingo belästigt worden zu sein. So habe er ihr in der Garderobe nachgestellt. Aus Angst vor beruflichen Konsequenzen habe sie ihn nicht angezeigt: „In meinem Geschäft ist er fast wie Gott.“

Sieben der neun Frauen, darunter auch Wulf, sagten, sie glaubten, berufliche Nachteile erlitten zu haben, nachdem sie Domingos Annäherungsversuche abgewehrt hätten. So seien versprochene Rollen nie zustande gekommen. Beinahe drei Dutzend weitere Personen aus Opernkreisen berichteten, sie hätten unangemessenes, sexuell gefärbtes Verhalten von Domingo beobachtet.

Hintergrund: Ein Jahr #metoo: Diese Folgen hatte die Bewegung weltweit

Vorwürfe gegen Domingo: Fälle reichen bis in die 80er-Jahre zurück

Domingo weist die Vorwürfe zurück: „Die Anschuldigungen dieser ungenannten Personen, die bis zu dreißig Jahre zurückliegen, sind zutiefst beunruhigend und – so wie sie dargestellt werden – unzutreffend“, erklärte er. „Trotzdem ist es schmerzhaft zu hören, dass ich jemanden verärgert haben könnte oder sich meinetwegen jemand unwohl gefühlt haben könnte – egal, wie lange es her ist, und trotz meiner besten Absichten.“

Er habe geglaubt, dass alle seine Handlungen und Beziehungen immer im gegenseitigen Einverständnis gewesen wären. Dann fügt er hinzu: „Ich erkenne allerdings, dass die Regeln und Standards, an denen wir heute gemessen werden – und auch gemessen werden sollten – ganz andere sind als in der Vergangenheit.“

Mit den neuen Standards kann Domingo, der seit 1962 mit der Opernsängerin Marta Domingo verheiratet ist, nur das veränderte gesellschaftliche Klima durch die #MeToo-Debatte meinen. Ins Rollen gebracht wurde die Bewegung im Herbst 2017, als mehrere Schauspielerinnen dem Filmproduzenten Harvey Weinstein Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung vorwarfen.

Auch Kevin Spacey wurde im Zuge der #MeToo-Debatte beschuldigt

Später gab es ähnliche Anschuldigungen gegen Schauspieler wie Kevin Spacey oder Regisseure wie John Lasseter. Unabhängig von ihrem juristischen Ausgang veränderten die Fälle weltweit und über das Showbusiness hinaus die Sensibilität für sexuelle Belästigung, Machtmissbrauch und Ausbeutung.

Auch Domingo soll laut den Vorwürfen der Frauen wiederholt seine Macht ausgenutzt haben, um beruflich untergebenen Frauen nachzustellen und diese unsittlich zu berühren. Beweise legten sie nicht vor. Ob es diese gibt und ob eine gerichtliche Aufarbeitung der von ihnen behaupteten Vorfälle erfolgen wird, ist noch nicht bekannt.

Sängerin will wegen Domingo „vor Furcht gelähmt“ gewesen sein

So berichtet eine Sängerin, die Mitte der Nullerjahre an der von Domingo geleiteten Los Angeles Opera arbeitete, der Tenor habe sie darum gebeten, ihn nach Hause zu bringen. Schon im Auto habe er die Hand auf ihr Knie gelegt, später habe er versucht, sie zu küssen.

Unter der Vorgabe, mit ihr eine Arie proben zu wollen, sei sie ihm in die Wohnung gefolgt. Dort habe er ihr dann unter den Rock gefasst. Sie sei geflohen. Domingo sei hinter ihr hergelaufen und habe sie gebeten zu bleiben. Seit dem Vorfall habe sie sich kaum mehr zur Arbeit getraut: „Ich war vor Furcht gelähmt“, erzählte sie AP.

Sängerin Wulf sagte in ihrem Gespräch mit der Nachrichtenagentur, sie sei erleichtert, ihre Erlebnisse endlich öffentlich gemacht zu haben. Sie wolle damit anderen Frauen helfen, „stark genug zu sein, Nein zu Männern in Machtpositionen zu sagen“.