Feuersbrunst

Ausnahmezustand: Dramatische Waldbrände wüten in Sibirien

Auf einer Fläche von rund drei Millionen Hektar wüten Waldbrände in Sibirien. Menschen leiden unter den gefährlichen Rauchschwaden.

Auf zweieinhalb Millionen Hektar beziffert das russische Forstamt die Ausdehnung der Feuer in Sibirien, Greenpeace spricht sogar von 4,3 Millionen Hektar - größer als die Fläche der Schweiz.

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Moskau. Sie ist für das Klima der Erde wichtig – und sie steht teilweise Flammen: Riesige Waldbrände wüten seit Wochen in der sibirischen Taiga. Eine Fläche von der Größe Nordrhein-Westfalens ist bereits abgebrannt – mehr als 30.000 Quadratkilometer – und die Feuer breiten sich im Nordosten Russlands weiter aus.

Die Waldbrände haben sich in der Zwischenzeit auf eine Fläche von etwa 3,1 Millionen Hektar – etwa die Größe Belgiens – ausgedehnt. Die Region umfasst abgelegene, unbewohnte Wälder in Krasnojarsk, Jakutien und Irkutsk. Umweltschützer sprechen von einer ökologischen Katastrophe.

Tausende Einsatzkräfte kämpfen gegen Feuersbrunst

Im Kampf gegen die verheerenden Brände in dem riesigen Waldgürtel wollen die Einsatzkräfte bei den Löscharbeiten jetzt mehr Flugzeuge und Hubschrauber einsetzen. Bis zu 43 weitere Maschinen seien von lokalen Fluggesellschaften geordert worden, teilte die Forstverwaltung am Donnerstag mit. Tausende Einsatzkräfte und auch das Militär kämpfen rund um die Uhr gegen die Feuersbrunst.

Aktuell gebe es rund 200 Waldbrände, die auf einer Fläche von rund 180.000 Hektar wüteten. Zu den am meisten betroffenen Regionen gehören Irkutsk und Krasnojarsk. Nach Angaben der Umweltschützer von Greenpeace sind seit Jahresbeginn rund 13,4 Millionen Hektar Wald vernichtet worden. Das sei eine Fläche größer als Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zusammen. Für die Erhebung wertete die Organisation Satellitenbilder aus.

Waldbrände in Sibirien: Gefährliche Rauchschwaden ziehen hunderte Kilometer

Die Behörden in Russland berichten immer wieder von Erfolgen bei den Löscharbeiten in den mitunter schwer zugänglichen Gebieten. Dörfer und Siedlungen seien nicht direkt von den Flammen bedroht. Viele Menschen leiden aber unter den gefährlichen Rauchschwaden, die hunderte Kilometer weit ziehen, und klagen etwa über Atemnot und Übelkeit. Umweltschützer gehen davon aus, dass es noch Monate dauern könnte, bis sich die Situation normalisiert.

Die Waldbrände zwingen die russischen Ölfirmen zu Produktionsunterbrechungen. Brancheninsidern zufolge mussten die Konzerne bereits Mitarbeiter evakuieren und Bohrungen aussetzen. An mehreren Standorten seien die Bohrungen in der vergangenen Woche über mehrere Tage komplett gestoppt worden. Rauch habe Hubschrauber behindert, die Mitarbeiter befördert hätten, sagte ein Insider bei einem Öl-Dienstleister in Kuyumba, eine Lagerstätte im Osten Sibiriens, die von Rosneft betrieben wird.

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US-Präsident Trump bot Putin Hilfe bei Brandbekämpfung an

Die US-Raumfahrtbehörde NASA veröffentlichte diese Woche Satellitenbilder, die zeigten, dass der Rauch aus Sibirien bis hin nach Alaska und Kanadas Westküste geweht ist. US-Präsident Donald Trump bot dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem seltenen Anruf Hilfe bei der Bekämpfung der Brände an. Putin erklärte, das Angebot bei Bedarf anzunehmen.

Jedes Jahr kommt es zu Wald- und Steppenbränden in Sibirien. Doch dieses Mal, darüber berichten russische Medien breit, haben die Behörden die Feuer zu lange sich überlassen – in der Hoffnung, dass sie von selbst erlöschen. Inzwischen mussten sie den Ausnahmezustand ausrufen etwa im Irkutsker und Krasnojarsker Gebiet, in mehreren Regionen der Teilrepubliken Burjatien und Jakutien.

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Sibirische Waldbrände: Bestand erholt sich erst in Jahrzehnten

Besonders in den entlegenen Regionen der Taiga und Tundra im dünn besiedelten Norden Sibiriens hatten die Behörden schon aus Kostengründen auf die nicht billigen Einsätze verzichtet. Die Folgen sind verheerend. „Die Fläche der Brände hat sich so erhöht, weil es eine lange Dürreperiode gab und zugleich die aktiven Maßnahmen ausblieben, die meisten Brände zu löschen, darunter auch die in entlegenen Gebieten“, sagte der Experte Sergej Abanin im russischen Zivilschutzministerium.

Diese Regeln gelten bei Waldbrandgefahr

100 Jahre dauert es nach Meinung von Forstexperten, bis sich der Waldbestand erholt. Sie kritisieren aber den späten Löscheinsatz auch deshalb, weil sich das Feuer bisweilen tief in den Torfboden frisst und dort über Monate weiter kokelt. Die russische Forstverwaltung warnte in einer Prognose, dass sich die Lage weiter verschlimmern könne. (dpa/rtr/moi)