Festnahme

Rassismus-Skandal: US-Polizei führt Schwarzen an Strick ab

Berittene Polizisten haben in den USA einen Verdächtigen an einem Strick abgeführt. Die Polizei bittet nun um Entschuldigung dafür.

Galveston. Es ist ein Bild, das verstört: Ein afroamerikanischer Mann hat die Hände hinter dem Rücken zusammengebunden, ein Polizist auf einem Pferd zu seiner Rechten hält einen Strick in der Hand, der mit den nicht sichtbaren Handschellen verbunden ist. Flankiert wird der Mann von einem weiteren Polizisten auf der linken Seite.

Die Aufnahme des abgeführten Verdächtigen aus dem Ort Galveston im US-Bundesstaat Texas, offenbar aus einem Auto heraus fotografiert, sorgt weltweit für Empörung. Das Vorgehen wurde als rassistisch und als makaberes Echo der früheren Sklaverei in den USA kritisiert.

Schwarzer in USA an Strick abgeführt: Empörung ist groß

Der abgeführte 43-Jährige war von den Beamten der örtlichen Polizei zufolge am Samstag wegen Verdachts auf Hausfriedensbruch festgenommen worden. Die Polizisten legten ihm daraufhin Handschellen an, banden einen Strick daran und führten ihn ab.

„Es ist schwer zu verstehen, warum diese Polizisten das Gefühl hatten, dieser junge Mann brauche eine Leine, da er in Handschellen zwischen zwei berittenen Polizisten ging“, schrieb die demokratische Politikerin Adrienne Bell auf Twitter. „Es ist eine Szene, die Ärger, Ekel und Fragen der Öffentlichkeit ausgelöst hat.“

„Völlige Respektlosigkeit gegenüber einem anderen Menschen“

Auch zahlreiche Twitter-Nutzer sprachen von Rassismus. Einzelne Nutzer forderten, die Polizisten sollten gefeuert werden. Ein weiterer Twitter-Nutzer erklärte, er hoffe, der Verdächtige werde die Polizei auf Schadenersatz verklagen.

„Wenn ich mir das Bild anschaue, sehe ich völlige Respektlosigkeit gegenüber einem anderen Menschen“, sagt James Douglas von der Menschenrechtsorganisation Houston NAACP zum Fernsehsender CBS. „Das Erste, was mir durch den Kopf schoss, war: Dies ist doch das Jahr 2019, nicht das Jahr 1819.“

Foto erinnert an berittene Sklavenbesitzer in den Südstaaten

Das Verstörende an dem Bild sei, dass es an die dunklen Zeiten der Südstaaten vor dem Bürgerkrieg (1861 bis 1865) erinnere. „Damals war es üblich, dass berittene Sklavenbesitzer schwarze Menschen zwangen, neben ihnen durch die Straßen zu laufen.“

Auch während der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre hätten berittene Einsatzkräfte oftmals für Angst unter friedlichen Demonstranten gesorgt. Er fasst zusammen: „Wäre dieser Verdächtige weiß gewesen, wäre das so niemals passiert.“ Viele Nutzer auf Twitter teilen seine Auffassung.

Polizei bestreitet „böse Absicht“

Die örtliche Polizei schrieb auf Facebook, die beiden Beamten hätten sich beim Abführen des Verdächtigen nicht optimal verhalten und hätten auf ein Transportfahrzeug warten sollen. Die Polizei bitte den Verdächtigen wegen der „unnötigen Peinlichkeit“ um Entschuldigung, teilte Polizeichef Vernon Hale mit.

Die Polizisten hätten keine böse Absicht gehabt, schrieb er weiter. Die Praxis, jemanden neben dem Pferd laufend am Strick abzuführen, würde zwar trainiert und sei in einigen Szenarien adäquat, aber sie sei nun vorerst nicht mehr erlaubt und würde geprüft, so Hale.

Es gebe ganz sicher keine Regel, die es erlaube, jemanden auf einem Pferd sitzend am Strick die Straße runter zu führen, sagte dagegen Leon Phillips von der „Koalition für Gerechtigkeit“ zur „New York Times“.

Polizeigewalt und Rassismus durch Polizisten immer wieder Thema

Auch die Anwältin der Familie des Festgenommenen, Melissa Morris, will die Entschuldigung nicht gelten lassen: „Ich bin entsetzt“, sagte sie. „Ich finde, die Art, wie sie mit ihm umgegangen sind, war widerlich.“ Die Familie fühle sich beleidigt. Die Art der Festnahme sei einfach entwürdigend gewesen.

In den USA wird immer wieder über Polizeigewalt und Rassismus durch Polizisten diskutiert. Für Aufsehen sorgte etwa im Februar folgender Fall: Sechs US-Polizisten erschossen einen schlafenden Rapper im Auto.

Aber auch in Deutschland ist Polizeigewalt ein aktuelles Thema. So wurde Ende Juli über 12.000 Fälle im Jahr berichtet – Damit gab es Polizeigewalt häufiger als vermutet. (mit dpa/ac)

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