Wagner-Inszenierung

Bayreuther Festspiele: Wo blieb Angela Merkels Mann?

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Politiker, Prominente und eine Maus

Politiker, Prominente und eine Maus

Am Donnerstagnachmittag starteten die Bayreuther Festspiele mit der Oper "Tannhäuser". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war dabei, allerdings ohne ihren Mann.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel war zu den Bayreuther Festspielen zunächst ohne Joachim Sauer erschienen. Der Grund war ein ganz banaler.

Bayreuth.  Angela Merkel machte zum Start der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth wieder eine gute Figur: Im für sie ungewöhnlichen Outfit – einem langen Abendkleid – zog sie die Blicke auf sich. Allerdings sorgte auch ein Detail für Aufsehen. Die Kanzlerin erschien ohne ihren Ehemann.

Statt mit Joachim Sauer schritt sie zusammen mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und dessen Frau, Karin Baumüller-Söder, über den roten Teppich. „Ich bin heute zuständig für meine Frau und für die Kanzlerin“, scherzte Söder, bevor er beide ins Festspielhaus führte.

Angela Merkel in Bayreuth: Wo war Joachim Sauer?

Prompt ging das Getuschel los: Warum reiste Merkel alleine an? Wo ist Joachim Sauer? Doch die Erklärung für den Solo-Auftritt der Kanzlerin war letztlich ziemlich banal.

Wie „Bild“ berichtet, verspätete sich Sauer schlicht und kam erst am Donnerstagabend nach Bayreuth. Im Hotel der Kanzlerin habe er noch mit seiner Gattin und dem früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und dessen Frau Ulla Hahn gesprochen.

Aber nicht nur Sauers zeitweilige Abwesenheit interessierte die Beobachter. Auch wegen der hohen Temperaturen blickten sie auf die Kanzlerin. Denn Angela Merkel hatte bei öffentlichen Veranstaltungen im Freien zuletzt mehrfach Zitteranfälle erlitten. Diese wurden im Nachhinein mit Wassermangel und starker Hitze begründet.

Doch auch ohne extreme Hitze stand die Kanzlerin in den vergangenen Jahren immer wieder im Blickpunkt: wegen ihrer Kleiderwahl. Die Kanzlerin war mit spektakulären Kleidern dabei deutlich von ihrem klassischen Look mit Hose und schlichtem Blazer abgewichen.

In diesem Jahr werden die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Festspielhaus verschärft. Es gibt einen Zaun, Taschenkontrollen und viel Polizei. Eine Sache dürfte den Gästen aber weit mehr zu schaffen gemacht haben: die Hitze. Bei tropischen Temperaturen wurde es heiß im nicht-klimatisierten Festspielhaus.

Wagner-Festspiele in Bayreuth: Regisseur bringt unterhaltsamen „Tannhäuser“

Eröffnungspremiere war in diesem Jahr Richard Wagners Oper „Tannhäuser“. Die Neuinszenierung von Tobias Kratzer mit Waleri Gergijew als Dirigent ließ die Hitze und die sommerlichen Strapazen schnell vergessen. Die ersten beiden Akte wurden begeistert gefeiert.

Regisseur Kratzer macht die Festspiele selbst samt Sommerhitze zum Thema, ebenso wie den Gegensatz zwischen Popkultur und Hochkultur. Auf der Bühne: Ein Nachbau des Festspielhauses.

Dragqueen singt Madonna-Song in der Pause

Der Chor als Wagner-begeistertes Publikum läuft den Grünen Hügel hoch und fächelt sich dabei Luft zu. Im zweiten Akt hat Festspielleiterin Katharina Wagner einen Kurzauftritt. Sie ist in einer Videosequenz zu sehen.

Ein Novum auch in der ersten Pause: An einem Teich im Park singt ein Travestiekünstler „Holiday“ von Madonna und einen Song aus dem Zeichentrickfilm „Arielle“.

Am Vortag der Eröffnung wurde zudem das gut gehütete Geheimnis gelüftet, wer im kommenden Jahr den neuen „Ring des Nibelungen“ inszeniert.

Festspiel-Chefin Wagner verkündete eine ziemliche Überraschung: Der 29 Jahre alte österreichische Regisseur Valentin Schwarz und der zehn Jahre ältere finnische Dirigent Pietari Inkinen sollen Wagners vierteiliges Opus magnum 2020 auf die Bühne bringen.

Bayreuth zieht jedes Jahr Prominenz an. Christian Lindner erschien vergangenes Jahr mit neuer Freundin. Vor zwei Jahren gab sich zum Beispiel Merkel und Schwedens Königin die Ehre. Im Jahr zuvor standen die Bayreuther Festspiele im Schatten der Axt-Attacke in Würzburg und des Amoklaufs in München.

Vor den diesjährigen Festspielen schien auch die Kunst in den Hintergrund zu rücken, weil viele Beobachter auf die Gesundheit der Kanzlerin schauten. Diese hatte nach Zitteranfällen in der Hitze zuletzt gesessen. (dpa/les)