Schauspielerin

Marleen Lohse würde alle ihre „Fehler noch mal machen“

Marleen Lohse startete ihre Karriere mit „Die Kinder vom Alstertal“. In ihrem neuen Film übernahm sie aber nicht nur die Hauptrolle.

Schauspielerin Marleen Lohse.

Schauspielerin Marleen Lohse.

Foto: Hannes Magerstaedt / Getty Images

Berlin.. Mit „Die Kinder vom Alstertal“ fängt für Marleen Lohse alles an. Auch heute wird sie vor allem als Hexe auf der Straße erkannt, wenngleich sie längst auch in anderen Projekten wie „Nord bei Nordwest“ und „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu sehen ist. In Lohses neuestem Film „Cleo“ ist die 35-Jährige nicht nur die Hauptdarstellerin, sie ist auch als Ko-Autorin verantwortlich. Im Gespräch erzählt die gebürtige Niedersächsin, wie sie mit Berlin warm wurde.

Wie kam es zu Ihrer Hauptrolle in „Cleo“?

Marleen Lohse: Ich war schon von Anfang an dabei und habe am Drehbuch mitgearbeitet. Ich kenne den Regisseur Erik Schmitt schon seit vielen Jahren. Wir haben bereits mehrere Kurzfilme zusammen gemacht. Die Kurzfilme waren eine Trilogie und einige visuelle Elemente dienten als Test für diesen Langfilm. Mit unserem Treatment zu „Cleo“ haben wir dann ein Stipendium der Wim-Wenders-Stiftung gewonnen und uns anschließend voll und ganz in die Drehbucharbeit gestürzt. Die Arbeit am Buch hat etwa drei Jahre gedauert und bis zum fertigen Film waren es fünf intensive, aufregende und tolle Jahre.

Haben Sie das Schreiben eines Drehbuchs gelernt oder war das eher ein Learning by Doing?

Lohse: Mediendramaturgie war ein kleiner Teil meiner Ausbildung an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, aber natürlich war ich anfangs völlig überfordert mit dieser großen Aufgabe. Aber Geschichtenerzählen hat mich immer interessiert und das tue ich als Schauspielerin natürlich auch. Die Begeisterung war da und so war vieles auch Learning by Doing. Vor kurzem habe ich durch Zufall ein Drehbuch gefunden, das ich 1995 geschrieben habe. Da habe ich gemerkt, dass das Schreiben eines Skripts mich schon immer begleitet und interessiert hat. Mir gefällt es, durch das Schreiben neue Figuren zu kreieren. Momentan arbeite ich an einer neuen Idee.

Hatten Sie wie Cleo schon einmal das Bedürfnis, in der Zeit zurück zu reisen, um etwas noch einmal zu erleben oder ungeschehen zu machen?

Lohse: Ich halte es wie Marlene Dietrich im Film: „Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler noch einmal machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.“

Wen aus der Vergangenheit hätten Sie dort gerne kennengelernt?

Lohse: Ich hätte gerne mit Marlene Dietrich einen Wein getrunken.

Ein Großteil von „Cleo“ spielt am Teufelsberg – der aus Kriegstrümmern aufgeschüttet wurde und auf dem die Amerikaner lange eine Abhöranlage betrieben. War Ihnen die wechselhafte Geschichte dieses Bergs vor dem Film bekannt?

Lohse: Ich kannte die Geschichte des Teufelsbergs, aber im Zuge der Recherche zum Drehbuch habe ich viel gelesen und zusammen mit Erik und dem Team mehrere Führungen unternommen. Wir waren am höchsten Punkt und im Untergrund. Wir haben auch vor Ort eine Schatzsuche unternommen und uns hierfür mit anderen Hobby-Schatzsuchern getroffen, um deren Welt kennenzulernen. Der Teufelsberg ist ein magischer und etwas Furcht einflößender Ort und er ist Dreh- und Angelpunkt unseres Films. Die Geschichte des Teufelsbergs liest sich wie ein Märchen oder ein Science-Fiction und ist doch größtenteils wahr.

Haben Sie bei der Schatzsuche den anderen offenbart, dass Sie einen Film machen wollen?

Lohse: Wir haben mit offenen Karten gespielt und die Menschen haben sich darüber gefreut, dass wir Interesse an ihrem Hobby gezeigt haben.

Als langjährige Berlinerin: Was macht für Sie Berlin neben dem Teufelsberg reizvoll?

Lohse: Berlin war für mich ein Abenteuer. Anfangs war mir die Stadt – zugegeben – ein bisschen groß. Das hat mich aber gereizt und herausgefordert und ich kam ja auch mit der Zusage, mein Studium zu beginnen. Ich hatte also eine klare Aufgabe und das war gut für mich. Berlin hat mich eingeladen, mutig zu sein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und dem ersten harten Winter sind Berlin und ich gute Freunde geworden. Wenn man mal ganz ehrlich ist, dann ist Berlin eigentlich die heimliche Hauptdarstellerin in unserem Film „Cleo“

Was war für Sie in Berlin schwierig?

Lohse: Berlin wartet nicht auf einen. Man muss eine Richtung für sich finden. Natürlich muss man das überall, aber Berlin ist keine Stadt, die einen an die Hand nimmt. Ich hatte auch schwierige Zeiten und musste erstmal meinen Platz in dieser großen Stadt für mich finden. Inzwischen fühle ich mich pudelwohl und würde Berlin leichten Herzens als meine Wahlheimat bezeichnen.

Welche Selbstzweifel haben Sie befallen oder befallen Sie noch heute?

Lohse: Ich habe zusammen mit Erik fünf Jahre an „Cleo“ gearbeitet. Das ist ein sehr persönliches Projekt. Ich würde es nicht als Selbstzweifel bezeichnen, aber ich spüre eine große kribbelnde Aufregung in mir. Ich bin gespannt, wie das Publikum auf den Film reagiert und ob sich unsere Geschichte transportiert. Das Loslassen solcher Projekte ist immer sehr spannend.

Zu Ihren prominenteren Projekten gehört „Nord bei Nordwest“. Ist dies eine Serie, die Sie noch lange weitermachen möchten?

Lohse: Das hoffe ich doch. Ich arbeite sehr gerne für „Nord bei Nordwest“. Ich mag meine Kollegen, ich mag den Norden, ich gehöre da einfach hin. Ich komme ja aus dem hohen Norden und habe zu dem Format deshalb natürlich eine sehr enge und natürliche Verbindung.

Sie drehen überwiegend in Deutschland, waren aber auch schon im Ausland unterwegs. Möchten Sie in Zukunft weiter vor allem in Ihrer Heimat arbeiten?

Lohse: Ich habe schon im Ausland gearbeitet. Dieses Jahr wurde der Dreiteiler „Bella Germania“ vom ZDF ausgestrahlt, der unter anderem in Italien gedreht wurde. „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ wurde in Wien gedreht. Natürlich bin ich offen für internationale Projekte. Immer her damit.

Haben Sie privat noch Zeit, ins Kino zu gehen und was sehen Sie sich an?

Lohse: Zum Glück schaffe ich es noch, ins Kino zu gehen! Ich gehe regelmäßig und schaue mir verschiedenste Filme an. Gerne genreübergreifend.

Was steht für Sie nach „Cleo“ an?

Lohse: Erstmal geht es auf Kinotour quer durch Deutschland. Danach drehe ich noch zwei Filme in Hamburg und arbeite an einem neuen Drehbuch. Einem Musikfilm.