Mordfall

Tote Sophia – Freundin offenbar schneller als die Polizei

Im Mordprozess um die tote Tramperin Sophia stellt sich heraus: Eine Freundin hatte wohl vor der Polizei Kontakt zu dem Angeklagten.

Der wegen Mordes angeklagter LKW-Fahrer (2.v.r.) sitzt zu Prozessbeginn im Landgericht Bayreuth.

Der wegen Mordes angeklagter LKW-Fahrer (2.v.r.) sitzt zu Prozessbeginn im Landgericht Bayreuth.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Bayreuth.. Im Prozess um den Mord an der 28-jährigen Sophia Lösche hat sich eine Freundin des Opfers zu Wort gemeldet. Laut den Ermittler hatte die junge Frau schneller Kontakt zum angeklagten Fernfahrer als die Polizei.

Das sagte ein leitender Ermittler am Mittwoch in dem Prozess vor dem Landgericht Bayreuth. Der Fernfahrer habe auf die Freundin kooperativ gewirkt und angegeben, die Tramperin wie gewünscht in der Nähe von Nürnberg abgesetzt zu haben.

Prozess beginnt mit Geständnis

Am Landgericht Bayreuth hatte der Prozess um den Mord an Sophia am Dienstag mit dem Geständnis des LKW-Fahrers begonnen. Die Studentin war 2018 von Leipzig Richtung Nürnberg per Anhalter gefahren, um ihre Familie zu besuchen. Angekommen war sie nie.

Der angeklagte Fernfahrer gab am Dienstag zu, die 28-Jährige auf ihrem Weg von Leipzig nach Bayern mitgenommen und mit Eisenrohrschlägen getötet zu haben. Der Anklage zufolge hat der 42-jährige Marokkaner die Tramperin ermordet, um eine vorher an ihr begangene sexuelle Straftat zu verdecken.

Der Angeklagte gab als Anlass jedoch einen Streit über einen mutmaßlichen Diebstahl an. Er habe bei den Schlägen keine Tötungsabsicht gehabt.

Sophias Familie will die Wahrheit über die Tat erfahren

„Wir erwarten, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Als Angehöriger will man sie wissen, auch wenn sie noch so grausam ist“, sagte Sophias BruderAndreas Lösche vor Prozessbeginn.

Der Fall hatte deutschlandweit Schlagzeilen gemacht. Auch weil im Raum stand, dass Flüchtlinge an einem Gewaltverbrechen beteiligt gewesen sein könnten. Dies stellte sich als Gerücht heraus. Nun steht aber ein 1977 in Marokko geborener Lkw-Fahrer vor Gericht.

Zwölf Verhandlungstage mit 17 Zeugen und drei Sachverständigen sind angesetzt, um herauszufinden, was wirklich geschehen ist.

Studentin wollte Familie in Amberg besuchen

Fest steht: Die Germanistik-Studentin wollte im Juni 2018 von ihrem Studienort Leipzig aus in Richtung Nürnberg trampen. Von dort wollte sie laut ihrem Bruder Andreas per S-Bahn weiter zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Doch dort kam Sophia nie an. Ihr Bruder sagt, Sophia sei häufiger getrampt und habe noch während der Fahrt Nachrichten per Messenger-App gesendet.

An einer Tankstelle an der Autobahn 9 in Sachsen soll der Lkw-Fahrer die Tramperin mitgenommen und laut Anklage später ermordet haben - nach Gerichtsangaben mit stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Der genaue Tathergang ist unklar. Der Angeklagte gab laut Gericht an, die Studentin bei einer Auseinandersetzung getötet zu haben. Als Tatort wird Oberfranken vermutet.

Familie der Studentin kritisiert Arbeit der Ermittler

Der Lkw-Fahrer wurde in Spanien festgenommen. Dort wurde auch Sophias Leiche entdeckt, einige Tage nachdem ihre Familie sie vermisst gemeldet hatte. Nach dem Tod der Tramperin hatte Spanien sich bereit erklärt, den Verdächtigen zu überführen.

Die Eltern der Studentin und ihr Bruder treten im Prozess als Nebenkläger auf. Die Familie hat wiederholt die Arbeit der deutschen Ermittler kritisiert.

Sie hätten Sophia lange als Vermisstenfall eingestuft, obwohl von Anfang an der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen vorgelegen habe. Auch habe die Kommunikation zwischen den Bundesländern Bayern und Sachsen nicht funktioniert. „Es kann nicht sein, dass man sich drei Tage darüber streitet, wer zuständig ist“, sagt Andreas Lösche.

Rechtspopulisten instrumentalisieren Tod der Studentin

Die spanische Polizei habe hingegen „vorbildlich“ und „in Windeseile“ gearbeitet. Auch vor dem Prozess weist Lösche erneut darauf hin, dass es nicht um Gewalt von Flüchtlingen gehe, sondern um Gewalt gegen Frauen. Hintergrund ist, dass Rechtspopulisten versucht hätten, Sophias Tod zu instrumentalisieren.

Unter anderem hatten Teilnehmer einer AfD-Demo in Chemnitz, einem „Schweigemarsch“, im vergangenen Jahr das Foto der Studentin im Großformat durch die Innenstadt getragen. „Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird“, hatte die Familie danach erklärt. (dpa/msb)