Todesfall

Artur Brauner ist tot: Film-Legende mit 100 Jahren gestorben

Film-Produzent Artur „Atze“ Brauner ist in Berlin gestorben. Die Kino-Legende wurde 100 Jahre alt. Er produzierte mehr als 300 Filme.

Der Filmproduzent Artur „Atze“ Brauner ist im Alter von 100 Jahren in Berlin gestorben.

Der Filmproduzent Artur „Atze“ Brauner ist im Alter von 100 Jahren in Berlin gestorben.

Foto: Reto Klar

Berlin. Film-Produzent Artur Brauner ist tot. Er sei im Alter von 100 Jahren in Berlin friedlich eingeschlafen, wie seine Familie mitteilte. Zuerst hatte „Bild“ berichtet.

Brauner hat das deutsche Kino geprägt wie kaum ein anderer, er war einer der erfolgreichsten Filmproduzenten im Nachkriegsdeutschland. Romy Schneider, Heinz Rühmann, Curd Jürgens, O.W. Fischer, Peter Alexander und Caterina Valente – sie standen alle in den Berliner Filmstudios von Artur Brauner vor der Kamera. Er produzierte die Kassenknüller „Dr. Mabuse“, „Mädchen in Uniform“ und „Der Tiger von Eschnapur“.

Doch Stars und Glamour waren immer nur die eine Seite im Leben des eleganten Filmmoguls mit dem gepflegten Menjou-Bärtchen. Mit Filmen wie „Morituri“ (1948), „Die Weiße Rose“ (1982) „Hitlerjunge Salomon“ (1990) und „Wunderkinder“ (2011) hielt Brauner seit sieben Jahrzehnten die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wach.

Artur Brauner verlor im Holocaust 49 Verwandte

Am 1. August wäre Brauner 101 Jahre alt geworden. 1918 war er im polnischen Lodz als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geboren. Im Holocaust verlor er 49 Verwandte, Brauner selbst überlebte die Verfolgung durch die Nazis versteckt in der Sowjetunion. „In jungen Jahren haben meine Eltern, Geschwister und ich die Gräueltaten der Nazis erlebt und dem Tod in die Augen geschaut. Das bleibt für immer unvergesslich und schrecklich“, erzählte Brauner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er ausgerechnet in das Land der Täter, lebte seitdem in Berlin. Auf seiner Flucht sah er in der Ukraine ein Massengrab mit ermordeten Juden. „Ich komme näher und da liegt ein zehn- oder zwölfjähriger toter Junge mit offenen Augen. Ich hatte das Gefühl, er schaut mich an und redet mit mir: ,Was suchst du hier? Wir sind alle tot. Hilf’ uns leben. Ihr sollt uns nicht vergessen!’“ Da habe er ein Gelübde abgelegt. So lange er leben werde, werde er dies nicht vergessen – und nur durch Filme könnten Schicksale wie das des Jungen nicht vergessen werden.

Die Berliner nannten Brauner liebevoll „Atze“

Von den Berlinern liebevoll „Atze“ genannt, schuf Brauner 1946 mit der Central Cinema Company (CCC) praktisch aus dem Nichts ein florierendes Unternehmen für erfolgreiche Unterhaltungsfilme. Er war alles in einem: Produzent, Autor, Atelierchef, Dramaturg, Besetzungsboss und Buchhalter. Die CCC-Studios in Berlin-Spandau waren ein kleines Hollywood in Deutschland. Weit mehr als 700 Filme entstanden in den CCC-Studios bislang.

71 Jahre war Brauner mit seiner Frau Maria verheiratet, sie waren die Eltern von zwei Söhnen und zwei Töchtern. Die ehemalige polnische Zwangsarbeiterin starb 2017. „Sie hat mich jeden Moment meines Lebens glücklich gemacht!“, sagte Brauner im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Ihr Tod habe ihn über alle Maßen getroffen. Das Ehepaar Brauner fehlte über Jahrzehnte bei kaum einem gesellschaftlichen Ereignis in Berlin und war von den roten Teppichen nicht wegzudenken. (dpa/moi)