TV-Premiere

„Die Elternschule“: Caritas kritisiert umstrittene ARD-Doku

Ein Caritasdirektor kritisiert die geplante TV-Premiere von „Die Elternschule“. Er fordert eine Einordnung des umstrittenen Films.

Eine Szene aus dem Film „Elternschule“. Die Dokumentation wird am 3. Juli im Ersten ausgestrahlt.

Eine Szene aus dem Film „Elternschule“. Die Dokumentation wird am 3. Juli im Ersten ausgestrahlt.

Foto: Jörg Adolph / dpa

Essen/Berlin. Die Caritas beklagt, dass die ARD den Film „Die Elternschule­“ an diesem Mittwoch, 3. Juli, um 22.45 Uhr ausstrahlt, ohne ihn mit einem Begleitprogramm einzuordnen. Der Dokumentarfilm zeigt Familien in ihrer Zeit in der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik und sorgte schon bei der Kino-Premiere im vergangenen Jahr für heftige Diskussionen.

Die Kinder, die schwere Verhaltensauffälligkeiten, Aggressionen, Schlaf- oder Essstörungen zeigen, werden mit Therapien und Verhaltenstraining behandelt. Wie das im Film gezeigt wird, kam bei Publikum und Kritik sehr unterschiedlich an.

Während die einen das Erziehungsprogramm als hilfreich lobten, sahen andere repressive Pädagogik oder sprachen sogar von Folter- und Nazimethoden. „So einen Film, kann die ARD nicht einfach so ‘raushauen’“, sagt der Direktor des Essener Caritasverbandes, Björn Enno Hermans „Ich hätte eine anschließende Diskussion oder eine andere Form der Einordnung und Kommentierung erwartet.“ Hermans ist promovierter Psychologe und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF).

Hermans: „Es wird wenig Liebevolles gezeigt“

Ohne einen solchen Rahmen könne die TV-Premiere im Ersten Programm so missverstanden werden, als liefere der Film Handlungsempfehlungen für alle Eltern. „Schon der Titel ,Die Elternschule’ erweckt diesen Eindruck.“ Dabei seien die „teils sehr harten, rabiaten Maßnahmen“ keineswegs nachahmenswert.

Nachdem der Film im Kino gezeigt wurde, habe er die Klinik in Gelsenkirchen besucht. Er habe dort damals gute Gespräche geführt, bei denen die Verantwortlichen auch betont hätten, dass es sich bei vielen im Film gezeigten Kindern um Extremfälle handele: „Da können andere Familien nichts für sich ableiten.“

Abgesehen von diesen Einwänden beurteilt Hermans die Methoden der Klinik auch für ihre besondere Zielgruppe als kritisch: Wenn Erziehung hart und zugleich liebevoll sein solle, sei hier nur wenig Liebevolles zu sehen. „Ich finde, man muss Kinder begrenzen, aber nicht so.“ Familien in derart schwierigen Lebenssituationen brauchten „systemübergreifende Hilfen“.

„Die Elternschule“ bietet Anlass zu Diskussionen

In dem Dokumentarfilm würden die Kinder dagegen nicht als hilfebedürftig dargestellt, „sondern als strategisch ausgefeilte Täter“. Er wundere sich auch, dass Eltern zugestimmt hätten, ihre Kinder so vorzuführen, sagt Hermans; etwa wenn sie in der Ecke kauernd gezeigt würden oder schreiend im Gitterbett. „Das gibt es auf DVD – und kann die Kinder ein Leben lang verfolgen.“ Kurzum: Anlass zu Diskussionen biete „Die Elternschule“ zuhauf, umso sträflicher sei es von der ARD, dafür keinen Raum zu bieten.

Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.