Fernbusreise

Flixbus lässt wieder Fahrgäste stehen – ist das rechtens?

Ein Flixbus-Fahrer hat eine Oma und ihre Enkel beim Umsteigen nachts in Prag stehengelassen. In Slowenien blieben fünf Personen stehen.

Flixbus: Schnell sein lohnt sich – in Slowenien blieben fünf Personen stehen. Auch eine Oma mit Enkel konnte nicht mehr mit, allerdings in Prag.

Flixbus: Schnell sein lohnt sich – in Slowenien blieben fünf Personen stehen. Auch eine Oma mit Enkel konnte nicht mehr mit, allerdings in Prag.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin. Gerade erst wurde bekannt, dass eine Oma mit Enkeln von Flixbus in Prag nicht mehr mitgenommen wurde, nachdem diese Opfer eines Verbrechens geworden war. Erst wenige Tage zuvor hatte eine andere Rentnerin nur noch die Rücklichter ihres Busses sehen können – sie blieb mit vier anderen Gästen in Slowenien hängen. Gemeinsam pilgerte das Quintett zur Landesgrenze, um irgendwie wegzukommen. Flixbus erklärt: Pausenzeiten werden eingehalten.

Bei dem Fall in Prag beruft sich das Unternehmen auf geltendes Recht: Die Seniorin hatte keinen Pass, durfte somit nicht mit. Allerdings: Die Frau war zuvor Opfer eines Verbrechens – ihr Pass gestohlen worden. Deshalb endete der Ausflug mit zwei Enkelkindern aus Freising bei München nach Warschau am Sonntag nachts in Prag, ohne Geld und Papiere.

Flixbus-Gäste enttäuscht: Bus fährt ohne sie weg – Seniorin: Waren in Sichtweite

Von dem anderen Fall, in dem die Mitreisenden nicht dort ankamen, wo sie hinwollten, berichtet die „Kronen“-Zeitung: So habe ein Flixbus auf der Fahr von Kroatien nach Wien in Slowenien eine kurze Pause eingelegt. Ansage laut Fahrgästen: Fünf Minuten Zeit, bitte in der Nähe bleiben, dann geht es weiter.

Fünf Fahrgäste seien noch draußen gewesen, als sich der Bus plötzlich in Bewegung setzte. „Alle hielten sich in Sichtweite auf“, erzählt eine 75-Jährige – es habe sich nur um einen winzigen Parkplatz kurz hinter der Grenze gehandelt. „Mein Koffer, Geld, Pass, Handy, alles war im Fahrzeug“, sagt die Seniorin der „Kronen“-Zeitung. Sie marschierten zur Grenze – und hatten Glück. Ein anderer Bus nahm sie – sogar kostenlos – mit. Auf das Gepäck wartet sie noch immer.

Auf der Website erklärt Flixbus ganz genau, die Pausen ausgestaltet sind. Dazu heißt es:

  • Rauchen kann man in unseren Bussen nicht. Auch keine E-Zigaretten.
  • Allerdings kannst Du an den planmäßigen Haltestellen sowie während der planmäßigen Pausen „für eine Zigarettenlänge“ aussteigen wenn an der Haltestelle das Rauchen erlaubt ist.
  • Bitte sprich das aber vorher mit Deinem Busfahrer ab und entferne Dich während der Fahrtpausen nicht zu weit vom Bus, um zu vermeiden, dass er ohne Dich weiterfährt!
  • Wie lange der Bus an der Haltestelle wartet, erfährst Du von Deinem Busfahrer

Grundsätzlich ist ein Busfahrer nicht dafür verantwortlich, dass alle Gäste zurückkehren – das gilt nicht nur bei Flixbus. Denn es gibt Fahrpläne und konkrete Pausenzeiten, die angesagt werden. Auch die Bahn wartet nicht darauf, ob jemand noch eine Brezel und einen Kaffee kauft.

Flixbus erklärt, Pausenzeiten werden eingehalten, wer nicht zum Bus zurückkehrt, hat Pech. Es steht Aussage gegen Aussage, denn: Die Seniorin sagt, sie seien nah am Bus gewesen, dieser einfach losgefahren.

Für Flixbus läuft es nicht rund. Zwar trägt das Unternehmen oft gar nicht die Schuld daran, dass es immer neue Hiobsbotschaften gibt. Image-tauglich ist vieles aber nicht.

  • Mehrere Unfälle machten zuletzt Schlagzeilen
  • In Leipzig hatte sich ein Bus sogar überschlagen
  • Ein im Bus onanierender Mann wurde fotografiert
  • Die Konkurrenz schläft nicht: BlaBlaBus kommt mit Billigtickets auf den Markt
  • In Slowenien bleiben fünf Gäste stehen, auch eine 75-Jährige.
  • Jetzt die stehengelassene Oma
  • In Niedersachsen kam es zu einem neuen Unfall – mit sieben Verletzten

Schon wieder Unfall: Flixbus verunglückt auf A1 - sieben Fahrgäste leicht verletzt

Flixbus. Gruppe in Slowenien stehen gelassen – genau wie bestohlene Oma in Prag

Die in Prag stehengelassene Seniorin hatte noch mehr Pech: Ihr Pass war gestohlen worden. Wie der „Münchner Merkur“ berichtet, hatte die 72-Jährige mit ihren 11- und 12-jährigen Enkeln die über tausend Kilometer lange Rückreise von Polen nach München mit dem Flixbus angetreten, im tschechischen Prag mussten sie umsteigen. Während des Zwischenstopps bemerkte die Frau, dass ihr der Pass geklaut worden war.

Hier auf dieser Google-Karte ist zu sehen, wo die Reisegäste in Slowenien gestrandet sind.

Der „Krone“ erklärt das Unternehmen im Fall der fünf Gäste:. „Um den regulären Fahrplan einzuhalten und Verspätungen zu vermeiden, kann leider nicht immer auf Fahrgäste gewartet werden, die nicht rechtzeitig zum Fahrzeug zurückkehren - auch aus Respekt den anderen Reisenden gegenüber. Die Verantwortung wieder pünktlich zur Weiterfahrt am Bus zu sein, liegt bei den Fahrgästen selbst.“

Flixbus-Fahrer lässt Oma mit Enkeln am Busbahnhof stehen

Die in Prag gestrandete und bestohlene Seniorin wollte in Prag umsteigen. Dabei weigerte sich der zweite Flixbus-Fahrer dann, die Familie mitzunehmen. „Das Ticket hatte ich ausgedruckt dabei, aber ich konnte mich leider nicht mehr ausweisen“, sagte die Betroffene gegenüber dem „Münchner Merkur“. Auch die Ausweise der Kinder genügten nicht.

Der Fahrer soll die drei am Busbahnhof sitzengelassen haben und ohne sie losgefahren sein. In ihrer Verzweiflung soll die Seniorin ihre Tochter angerufen haben, die sich wiederum an Flixbus wandte. „Doch die Beschwerde wurde von Flixbus einfach ignoriert“, erzählte sie dem „Merkur“.

Hintergrund: Neue Flixbus-Route in der Ukraine – Wie sicher ist sie?

Seniorin erlitt Kreislaufzusammenbruch

Für die ältere Frau schien das alles zu viel: Sie erlitt einen Kreislaufzusammenbruch und kam ins Krankenhaus. Die hinzugerufene Polizei half schließlich weiter und forderte Ersatzdokumente vom Konsulat an. Die Beamten ließen die drei auf der Wache übernachten. Ohne Pass hätten die drei kein Hotel buchen können.

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Am Montagmittag konnte die Familie ihre Reise dann fortsetzen – im Zug. Am späten Abend sollen sie in München angekommen sein. „Wir sind enttäuscht, aber vor allem erschrocken über den Mangel an Kundenservice“, sagte die Tochter und Mutter dem „Merkur“. „Flixbus hätte sich um die Sicherheit meiner Familie kümmern müssen. Aber sie haben auf ganzer Linie versagt.“

Flixbus-Sprecher: „Ohne Ausweisdokument nicht über Ländergrenzen“

„Wir bedauern sehr, dass der Verlust des Ausweises für die Reisenden solch unangenehme Folgen hatte“, erklärte ein Flixbus-Sprecher dem Internetportal reisereporter.de. „Dennoch kann Flixbus Fahrgäste ohne Ausweisdokument nicht über Ländergrenzen hinweg befördern.“ Das stehe auch klar in den allgemeinen Beförderungsbedingungen des Unternehmens. Auch eine Kopie des Ausweises reiche nicht aus. „Grundsätzlich sind Ausweisdokumente im Original mitzuführen“, sagte der Sprecher gegenüber dem Portal.

„Um die anschließende Unterstützung der Familie zu gewährleisten, hätte der Fahrer die Reisenden allerdings mit der Nummer unseres Kundenservices versorgen müssen, welcher rund um die Uhr erreichbar ist“, so der Sprecher weiter. Mit dem Busfahrer werde das Unternehmen Kontakt aufnehmen und ihn für die Zukunft dahingehend sensibilisieren, dass er in solchen Fällen die Betriebssteuerung kontaktieren werde.

In jüngster Vergangenheit ist es zu verschiedenen zum Teil schweren Zwischenfällen bei dem Fernbusunternehmen gekommen: Bei Görlitz mussten Flixbus-Passagiere stundenlang in der Hitze auf einen Ersatzbus warten . Auf der Fahrt nach München hatte ein Mann in einem der grünen Busse onaniert , auf der Strecke nach Leipzig hatte sich ein Flixbus überschlagen. Zu den Vorfällen äußerten sich bereits Politik und Verbände . Konkurrenz droht dem Unternehmen auch durch einen neuen Anbieter: BlaBlaBus . (vem)