Rechtsrockfestival

Ostritzer kaufen rechten Festivalbesuchern Biervorräte weg

Ein nüchternes Wochenende feiern Nazis in Sachsen. Ihr Festival ist alkoholfrei. Die Biervorräte des Supermarkts kauften die Anwohner.

Eine Frau und zwei Männer laden Bierkästen in der Nähe eines örtlichen Supermarktes auf einen Anhänger. Das ganze Bier des Supermarktes wurde in einer Aktion von Bürgern und des IBZ (Internationalen Begegnungszentrum des Kloster Sankt Marienthal) aufgekauft.

Eine Frau und zwei Männer laden Bierkästen in der Nähe eines örtlichen Supermarktes auf einen Anhänger. Das ganze Bier des Supermarktes wurde in einer Aktion von Bürgern und des IBZ (Internationalen Begegnungszentrum des Kloster Sankt Marienthal) aufgekauft.

Foto: Daniel Schäfer / dpa

Ostritz.  Das rechtsextreme Schild und Schwert Festival im ostsächsischen Ostritz fand an diesem Wochenende zwar statt, die Rechten mussten jedoch auf dem Trockenen feiern. Am Freitag konfiszierte die Polizei sämtliche Biervorräte auf dem Gelände. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Dresden ein Alkoholverbot als Auflage des Landkreises Görlitz für das Festival bestätigt.

Damit sich die Rechtsradikalen nicht außerhalb des Festivalgeländes betanken können, schritten die Ostritzer in einer Gemeinschaftsaktion mit dem Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal (IBZ) zur Tat: Sie kaufen die gesamten Biervorräte des heimischen Supermarktes auf, um die 100 Kästen, um sie zu Hause und in der Begegnungsstätte zu lagern.

Gefahrenpotenzial steigt gleichzeitig mit dem Pegel

„Wir sind froh, dass wir damit ein Zeichen setzen konnten für Bürgerengagement“, sagte der Vorstandsvorsitzende der IBZ-Stiftung, Michael Schlitt, am Sonntag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Man habe damit klar gemacht, dass man in Ostritz keine Neonazis wolle.

Nach der gerichtlichen Bestätigung des Alkoholverbots für das Rechtsrock-Konzert auf dem Gelände eines früheren Hotels hatte die Polizei 4200 Liter Bier dort beschlagnahmt.

Bei Kontrollen der rund 700 Anreisenden wurden noch einmal rund 200 Liter Bier konfisziert. Es waren rund ein Drittel weniger Gäste als im Vorjahr.

Die Verwaltungsrichter sahen im Ausschank alkoholischer Getränke ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. „Vor dem Hintergrund der weiteren Veranstaltungen und der damit einhergehenden Begegnung der verschiedenen politischen Lager sowie des offensichtlich kämpferisch-aggressiven Charakters der Veranstaltung würde ein Alkoholkonsum unzweifelhaft die Gefahr von gewaltsamen Auseinandersetzungen weiter erhöhen “, heißt es in dem Beschluss.

Polizei zieht positive Bilanz


Am Sonntag zog die Polizei eine positive Bilanz: Alle Versammlungen und Veranstaltungen, auch jene der Demonstranten gegen das Festival, seien friedlich verlaufen, sagte der Leitende Polizeidirektor Holger Löwe. Insgesamt sind von Freitag bis Sonntag 32 Straftaten und 5 Ordnungswidrigkeiten festgestellt worden. Schwerpunkte bei den Straftaten waren 16 Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie 10 Fälle des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

An den Protesten gegen das Festival beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 2000 Menschen – beim Friedensfest, dem 100-jährigen Jubiläum des örtlichen Fußballvereins und zwei Demonstrationen. Die Polizei war mit rund 1400 Beamten im Einsatz. Die Kräfte aus Sachsen wurden unterstützt von Hundertschaften aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin sowie der Bundespolizei und Kollegen aus Polen.

Nach Abschluss des Rechtsrock-Konzertes wurden dem Versammlungsleiter wieder die 4200 Liter Bier übergeben, die die Polizei am Freitag wegen eines Alkoholverbots auf dem Gelände beschlagnahmt hatte. Die Polizei reagierte auch auf ein Video, das auf Twitter verbreitet wurde. Darin ist zu sehen, dass Polizeibeamte bei einem Mann eine Armbinde richten, über dem ein Tattoo mit einem verbotenen Totenkopf zu sehen ist. Der Staatsschutz habe gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet, teilte die Polizei mit.

Fest für die engagierten Helfer

Auch Michael Schlitt von der IBZ-Stiftung ist zufrieden: „Ich denke, dass wir mit unserer Aktion geholfen haben, das Alkoholverbot umzusetzen“, sagte Schlitt. Die Biervorräte seien nun erstmal eingelagert und sollten dann in absehbarer Zeit mit den engagierten Helfern getrunken werden. „Wir werden in Kürze ein schönes Fest feiern und die Leute zu einem kleinen Umtrunk einladen“, kündigte er an.

Für die unliebsamen Besucher des Festivals jedenfalls dürfte das Wochenende ernüchternd gewesen sein. (dpa/aba)