Musikshow

„Sing meinen Song“: Kelly-Songs bringen Rührung und Tränen

Bei „Sing meinen Song“ standen am Dienstag Lieder von Michael Patrick Kelly im Vordergrund. Der Gastgeber war dabei zu Tränen gerührt.

Michael Patrick Kelly und seine Songs ließen es bei „Sing meinen Song“ hochemotional werden.

Michael Patrick Kelly und seine Songs ließen es bei „Sing meinen Song“ hochemotional werden.

Foto: Markus Hertrich / TVNOW

Berlin. Beim Vox-Tauschkonzert „Sing meinen Song“ hat Michael Patrick Kelly Einblicke in seine depressive Zeit gegeben und zugegeben, dass er sich nicht immer vorbildlich verhalte.

Da sitzt Michael Patrick Kelly also: Berührt, ergriffen, mit den Tränen kämpfend, während Johannes Oerding ihm sein Lied „Hope“ vorsingt. Nicht auf Englisch, sondern auf Deutsch. In einer Oerding-Version eben. Eine emotional aufgeladene Stille herrscht da. Wenige Minuten zuvor hatte Kelly erzählt, wie er den Song immer als Zugabe zu seinen Konzerten spiele und welche Geschichte er damit verbinde. Nämlich die über seine Krise, genauer: über seine Suizidgedanken.

„Sing meinen Song“: Sprachlos und handlungsunfähig nach dem Auftritt

„Du bist nicht allein“ und „Da ist noch so viel Hoffnung in dir“ singt Johannes Oerding. Danach dauert es einige Sekunden, bis sich die ersten der fünf Künstler trauen, Beifall zu klatschen. Während sie nach anderen Auftritten in der Regel jubelnd aufspringen oder mitwippen, scheinen nun alle sprachlos und handlungsunfähig zu sein. Was folgt, ist eine lange, innige Umarmung zwischen Oerding und Kelly, während Jeanette Biedermann mit glasigen Augen da steht und Milow stellvertretend für alle sagt: „Das war einer der schönsten musikalischen Momente überhaupt.“

Traurig und melancholisch ist diese „Sing meinen Song“-Folge, in der Michael Patrick Kelly im Mittelpunkt steht. Der 41-Jährige ist heute als Solo-Künstler unterwegs, bekannt geworden ist er aber schon als Kind mit der „Kelly Family“. Dass sein Leben in einer berühmten Musikerfamilie auch Schattenseiten hatte, erzählt er bei „Sing meinen Song“ ganz offen. „Hope“ – von Johannes Oerding vorgetragen – ist eines der Lieder, die er 2003 geschrieben hat. „Ich war damals depressiv, habe eine innere Leere gespürt.“

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Michael Patrick Kelly: Sechs Jahre im Kloster gelebt

Obwohl er mit seiner Familie erfolgreich war, sie sogar in einem Schloss gelebt hätten, sei er unglücklich gewesen. 200 Shows pro Jahr, Erfolgsdruck, immer mit Bodyguards unterwegs, Streitereien in der Familie – das alles habe zum Burn-Out und zu Suizidgedanken geführt. „Ich habe dann aber gespürt, dass das nicht der Weg ist.“ Er habe die Kurve bekommen, wie er immer wieder betont. Danach habe er das Lied „Hope“ geschrieben, um seinen Fans zu zeigen: Es gibt immer Hoffnung!

Sechs Jahre lang lebte Kelly zurückgezogen in einem Kloster. Im Glauben habe er Stärke und Halt für das Leben gefunden, erzählt er. „Glück hängt heute nicht mehr von einer goldenen Schallplatte ab“, so Kelly. Bevor er ins Kloster gegangen sei, habe er sein gesamtes Vermögen abgegeben. Als Johannes Oerding das als beeindruckenden Schritt anerkennen will, schreitet Kelly ein.

So ein toller Typ sei er nun auch wieder nicht. „Es gibt auch ein Arschloch in mir.“ Jeanette Biedermann will genauer wissen, wie sich das denn zeigt. Erst druckst Kelly ein bisschen rum: Jeder habe schließlich seine Schwächen. Dann aber schiebt er nach: Auf der Bühne sei er „my best“. Aber: „Ich habe Menschen verletzt, mich verletzt, alle zehn Gebote hunderte Male gebrochen.“ Die anderen Künstler lassen das so stehen.

Jeanette Biedermann interpretiert Kellys Lied neu

Letztlich gehe es darum, immer wieder aufzustehen, so Kelly. Die Zeit im Kloster habe ihm auch gezeigt, dass Musik seine Berufung sei und er weitermachen müsse. Einer seiner Hits der jüngeren Vergangenheit ist „ID“, bei dem es um das Thema Identität geht. Vor zwei Jahren ist es im Rahmen von „Sing meinen Song“ entstanden. Schon damals nahm Kelly an der Show teil, allerdings noch nicht als Gastgeber.

Heute ist es Jeanette Biedermann, die sich an „ID“ herantraut und – wie Johannes Oerding auch – eine stark veränderte Version präsentiert. Ganz konzentriert schauen und hören die anderen zu, als sie nur von einer Gitarre begleitet auf der Bühne steht und singt. Auch das ist kein Lied zum Aufspringen und Tanzen. Michael Patrick Kelly sitzt da und schließt die Augen, scheint den Auftritt zu genießen. Und tatsächlich: Als puristisch und unprätentiös bezeichnet er ihn hinterher. Sie habe den „Anti-Kriegs-Song“ verstanden.

Im Laufe der Sendung lässt Kelly ein bisschen zu häufig Wörter wie „oh toll“, „cool“, „wow“, „sensationell“ oder „ich find das mega“ fallen. Trotzdem spürt man als Zuschauer, dass es ihm viel bedeutet, dass Künstler, die ihm – den Eindruck macht er jedenfalls – ans Herz gewachsen sind, für ihn wichtige Lieder seiner Karriere singen.

Alvaro Soler bringt Leichtigkeit

Milow etwa präsentiert mit „One more song“ einen Song, der schon 1997 entstanden ist. Kelly freut das und sagt in Richtung Milow: „Schön, dass wir uns kennen gelernt haben.“ Und Milow wiederum ist es, der darauf hinweist, dass jeder Song, den ein Künstler schreibt, vielleicht der letzte sein könnte. Genau in diesem Gedanken solle man ihn schreiben.

Alvaro Soler ist der Einzige, der mit „Happiness“ ein bisschen Leichtigkeit in die Runde bringt. Während seines Auftritts verteilt er Rasseln und andere Rhythmus-Instrumente an die anderen Künstler. Die stehen auf, musizieren und tanzen mit. „Er hat mich total happy gemacht“, resümiert Michael Patrick Kelly.

Wincent Weiss singt über die Liebe

Ganz am Ende geht es dann überraschenderweise gar nicht mehr so stark um Michael Patrick Kelly, sondern um Wincent Weiss. Er hat sich das Lied „Roundabouts“ ausgesucht und auf Deutsch übersetzt. Kelly ist begeistert. Er habe ihn „umgehauen“ und inhaltlich ein Song, den man „von dir erwarten würde.“ Denn darin singt Wincent Weiss über Liebe, Leid und Liebeskummer – so wie es typisch für den 26-Jährigen ist. „Ich wünschte, es wäre so leicht, dich zu vergessen.“,

„Denkst du noch manchmal an uns Zwei?“ und „Ich hätte mir gerne mehr Zeit genommen, um dir wieder etwas näher zu kommen.“ Die Melodie ist noch zu erkennen, den Text aber hat er an seine eigenen Gefühle angepasst. Denn das, was er da besingt, sei auch ihm selbst widerfahren. Für seine Freundin, mit der er lange zusammen gewesen sei, habe er nicht genug Zeit gefunden. Jetzt gingen sie getrennte Wege.

Die fünfte Folge von „Sing meinen Song“ stand im Zeichen des belgischen Pop-Stars Milow. Es ging unter anderem um ein Lied über einen verstorbenen Vater. Zuvor hatte auch Jeanette Biedermann für ihren toten Vater gesungen.