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TV-Beiträge manipuliert – RTL trennt sich von Mitarbeiter

Er arbeitete für „Punkt 12“ und das „Nachtjournal“. RTL hat sich von einem Mitarbeiter getrennt, der Beiträge offenbar gefälscht hat.

Bei RTL-Nord hat ein Mitarbeiter offenbar mehrere TV-Beiträge manipuliert. Der Sender ist damit an die Öffentlichkeit gegangen und hat den Mitarbeiter entlassen.

Bei RTL-Nord hat ein Mitarbeiter offenbar mehrere TV-Beiträge manipuliert. Der Sender ist damit an die Öffentlichkeit gegangen und hat den Mitarbeiter entlassen.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Hamburg. Bei der Hamburger RTL-Tochter RTL Nord soll ein Redakteur mindestens sieben Beiträge manipuliert haben. Dies geht aus einer Pressemitteilung des Senders hervor. Von dem Mann, der vorwiegend für das bundesweit ausgestrahlte Mittagsmagazin „Punkt 12“ arbeitete, hat sich der Sender inzwischen getrennt. Er selbst ist sich nach Angaben eines RTL-Sprechers aber keiner Schuld bewusst.

Nach Senderangaben kam erstmals bei einem Beitrag des Redakteurs über Codein-Missbrauch, der am 6. Mai bei „Punkt 12“ und im „RTL Nachtjournal“ lief, der Verdacht auf, es könne sich um eine Manipulation handeln. Einer Mitarbeiterin von RTL Nord waren Ungereimtheiten aufgefallen, weshalb sie sich am 15. Mai an die Geschäftsführung der RTL-Tochter wendete.

RTL-Mitarbeiter manipulierte Beiträge – Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Redakteur von RTL soll mindestens sieben Beiträge gefälscht haben
  • Er arbeitete unter anderem bundesweit für „Punkt 12“
  • Er selbst hält sich für nicht schuldig

Gefälschter RTL-Beitrag über Codein-Missbrauch?

In dem Beitrag räumt eine verdeckt gezeigte Frau Codein-Missbrauch ein. Bei ihr soll es sich um eine zweifache Mutter handeln, die aber deutlich jünger aussehe, als im Beitrag angegeben. Äußerungen der Frau im nicht verwendeten Rohmaterial legten zudem den Schluss nahe, dass sie noch nie Codein genommen habe.

Laut RTL gab der Redakteur nach zweimaliger Aufforderung die Kontaktdaten aller Protagonisten des Beitrags heraus und beteuerte, sie seien real. Diese Behauptung habe sich aber „als unwahr“ erwiesen. So habe eine „intensive Sichtung“ des Filmmaterials ergeben, dass die Frau nicht identisch mit der von dem Redakteur genannten Protagonistin sei.

Ein an dem Dreh beteiligter Kameramann habe bestätigt, dass es sich bei der für den Beitrag aufgenommenen jungen Frau und der von dem Redakteur genannten Protagonistin um zwei verschiedene Personen handele.

Interview mit Lionel Richie hat so nicht stattgefunden

RTL nennt noch zwei weitere konkrete Manipulationen: So habe der Redakteur in einem Beitrag, der am 17. April 2015 bei „Punkt 12“ und am 10. September 2015 bei RTL Nord lief, suggeriert, er habe den Sänger Lionel Richie interviewt. Tatsächlich habe er ein Pressevideo des Künstlers verwendet und durch Gegenschussaufnahmen den Eindruck erweckt, er habe mit ihm gesprochen.

Schließlich soll der 39-Jährige, Bilder mit der Musikerin Melanie C. für einen Film über Desinfektionsmittel verwendet haben. Darin stelle er die Behauptung auf, bei einem Interview bemerkt zu haben, dass auch Melanie C. sich die Hände desinfiziere. Tatsächlich, so der Sender, creme sie „die Hände und Unterarme nur mit Feuchtigkeitscreme ein und sagt dies auch selbst so“.

Auch Beitrag mit Melanie C. offenbar manipuliert

Die Reporterin, die die Bilder mit Melanie C. gedreht habe, bestätige dies. Der Desinfektions-Beitrag lief dreimal bei „Punkt 12“, zuletzt am 6. Dezember 2018, am 10. Dezember 2018 bei „Guten Morgen, Deutschland“ und am 14. Januar 2019 bei RTL Nord.

Laut eines Sendersprechers hatte der Reporter nach derzeitigem Stand keine Mitwisser. Man spreche aber mit allen Kameraleuten und Cuttern, die mit ihm zusammengearbeitet haben. Zudem würden alle seine Beiträge „aus den vergangenen zwölf Jahren“ überprüft.

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Der Geschäftsführer von RTL Nord, Michael Pohl, sagt, die „geprüften Beiträge waren im Gesamtkontext zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich sehr geschickt dahingehend manipuliert, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergab“. RTL-Chefredakteur Michael Wulff will nun „den gesamten Prüfungsprozess rund um TV-Beiträge vor der Ausstrahlung noch weiter … verbessern“.

Der Name des mutmaßlichen Fälschers, den RTL geheim hält, ist unserer Redaktion bekannt. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.