Homophobie

Erst London, nun Berlin: Brutale Attacke auf lesbisches Paar

Nach der brutalen Attacke auf ein lesbisches Paar in London hat es einen ähnlichen Fall in Berlin gegeben. Die Opfer sind 18 und 21.

Attacke auf lesbisches Paar in Berlin-Tempelhof: Der Staatsschutz ermittelt. (Symbolfoto)

Attacke auf lesbisches Paar in Berlin-Tempelhof: Der Staatsschutz ermittelt. (Symbolfoto)

Foto: Friso Gentsch / dpa

Berlin/London. Ein homophober Angriff auf zwei Frauen in einem Bus in London hat über Großbritannien hinaus Entsetzen ausgelöst, nun berichtet die Berliner Polizei von einem ähnlichen Vorfall im Stadteil Tempelhof: Dort soll ein Mann ein lesbisches Pärchen an einem Imbiss attackiert haben.

Die 18 und 21 Jahre alten Frauen hätten sich am Sonntagmorgen gestritten, woraufhin der 53-Jährige gefragt habe, was los sei, heißt es von der Polizei. Als er mitbekommen habe, dass die beiden Frauen ein Paar waren, habe er sie homosexuellenfeindlich beschimpft und die 21-Jährige gestoßen. Als die 18-Jährige dazwischen ging, soll der Mann ihr ins Gesicht geschlagen haben.

Lesbisches Pärchen in London angegriffen

Daraufhin versuchte die 21-Jährige, ihrer Freundin zu helfen. Der Mann schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Als die zwei Frauen ankündigten, die Polizei zu rufen, ging der Mann zum Imbiss zurück. Den Beamten sagte er, er habe sich nur verteidigt und deutete auf Kratzer an seinem Kopf. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Bei dem Angriff in London wurden Melania Geymonat (28) und ihre Partnerin Chris (29) von einer Gruppe junger Männer erst zum Küssen aufgefordert, homophob beleidigt und brutal zusammengeschlagen. In dem Fall nahm Scotland Yard bis Samstag fünf Verdächtige zwischen 15 und 18 Jahren fest, die gegen Kaution alle vorläufig wieder freigekommen sind.

Sie müssen sich Anfang Juli zu einem Termin melden, wie Scotland Yard am Samstagabend mitteilte. Nach weiteren Verdächtigen werde derzeit nicht gefahndet. Die Verdächtigen im Alter von 15 bis 18 Jahren Der Angriff in der britischen Metropole ereignete sich bereits am 30. Mai im oberen Stockwerk eines Nachtbusses.

Das Opfer Melania Geymonat postete nach dem Angriff bei Facebook ein Foto, das die beiden schwer verletzten Frauen zeigt. Das Bild wurde mittlerweile tausendfach geteilt und kommentiert. Mehrere Politiker äußerten ihr Entsetzen über den Vorfall und verurteilten die Tat aufs Schwerste. Unter anderem Londons Bürgermeister Sadiq Khan:

Lesbisches Paar in London angegriffen: vier junge Männer festgenommen

Den Festgenommenen wird neben Körperverletzung auch Raub vorgeworfen. Bevor sie aus dem Bus flohen, hatten sie den wehrlosen Frauen noch ein Smartphone und eine Handtasche gestohlen.

Laut Geymonat, eine Flugbegleiterin aus Uruguay, die den Vorfall bei Facebook auf Englisch und Spanisch beschrieb, seien die Männer im Bus in der Nähe von Camden Town auf sie und ihre Partnerin aufmerksam geworden, nachdem sie bemerkt hatten, dass sie ein Paar sind.

„Sie fingen an, sich wie Hooligans zu benehmen, forderten uns zum Küssen auf, damit sie Spaß beim Zugucken haben können, nannten uns Lesben und machten sexuelle Gesten.“ „Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass Chris in der Mitte des Busses war und mit den Männer gekämpft hat“, so Geymonat. „Danach wurde auch ich geschlagen. Ich weiß nicht mehr, ob ich ohnmächtig war. Plötzlich hielt der Bus, und die Polizei war da.“

Immer mehr homophobe Angriffe in London

Im Gespräch mit „The Guardian“ machte Greymonat auch der Erstarken von Rechtspopulisten in Großbritannien für den Vorfall verantwortlich. „Viele Rechte und die grundlegende Sicherheit von Menschen sind gefährdet. Ich möchte, dass die Menschen sich ermutigt fühlen, sich gegen diejenigen zu behaupten, die sich durch den Rechtspopulismus ermutigt fühlen, der meiner Meinung nach für die vermehrten Hassverbrechen verantwortlich ist.“

Unter Berufung auf die Metropolitan Police berichtet die Zeitung weiter, dass die Zahl der registrierten homophoben Angriffe in London zwischen 2014 und 2018 deutlich angestiegen sei – von 1488 auf 2308. (dpa/küp)