Schiffsunglück

Kreuzfahrtschiff: MSC Opera mit Unfall – Proteste nehmen zu

Erneutes Schiffsunglück: In Venedig ist ein riesiger Kreuzfahrer mit einem Touristenboot zusammengestoßen. Es gab mehrere Verletzte.

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Kreuzfahrt-Trends 2019: Reporterin Johanna Rüdiger hat bei TUI Cruises und AIDA nachgefragt.

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Venedig. In Venedig tobt eine Debatte über die Zukunft von Kreuzfahrten - und Tourismus im Allgemeinen. Denn: Die kleine Lagunenstadt leidet seit Jahren unter den immer größer werdenden Touristenmassen. Zwei Trends haben der italienischen Stadt besonders zugesetzt: Die Billigflieger - und die Kreuzfahrtschiffe.

Die riesigen Boote bringen schlagartig Tausende Gäste in die schmalen Gassen - wenn sie nicht selbst den Fußwegen gefährlich nah kommen, wie am Sonntag, als das Kreuzfahrtschiff MSC Opera in Venedig am Sonntag ein anderes Boot und die Spundwand.

Ein dramatisches Ereignis - und ein weiterer Anlass für viele Einwohner, auf die Barrikaden zu gehen. So wurde etwa spontan demonstriert. Bürger protestierten gegen die riesigen „Monster“, wie sie sie nennen. Die Wut hat mittlerweile auch politische Ebenen erreicht. Zuletzt wurde etwa beschlossen, dass Venedig zukünftig ein Eintrittsgeld erhebt. Auch für jene, die per Schiff ankommen.

Venedig nach dem MSC-Opera-Unglück: Debatte um Tourismus verschärft

Dass das die reisefreudigen Gäste abhält, ist unwahrscheinlich. Sogar die Organisation Unesco warnte bereits davor, dass sie die Stadt von der Liste der gefährdeten Kulturgüter nehmen würde, wenn es keine Lösung im Kreuzfahrtschiff-Streit gibt – eine deutliche Mahnung kann es nicht geben.

Auch Italiens Innenminister Matteo Salvini schaltete sich ein – und nutzte die Gelegenheit, um gegen seinen politischen Gegner zu schießen. Bis zum Juni soll nun eine Entscheidung fallen, wie zukünftig mit den Kreuzfahrtschiffen in Venedig umgegangen werden soll. 2018 kamen mehr als 600 Kreuzfahrtschiffe und brachten mehr als 1,5 Millionen Touristen.

Italiens Verkehrsminister kündigte direkt nach dem Unfall erste Konsequenzen an: So sollen die Kreuzfahrtschiffe aus dem Kanal von Giudecca im historischen Teil der Stadt verbannt werden. „Der Unfall heute beweist, dass große Schiffe nicht mehr den Giudecca-Kanal befahren sollten. Nach etlichen Jahren, in denen nichts getan wurde, sind wir einer endgültigen Lösung zum Schutz der Lagune und des Tourismus nahe“, schrieb Danilo Toninelli auf Twitter.

Kreuzfahrtschiff MSC Opera rammte in Venedig kleineres Ausflugsboot

Hintergrund ist, dass Venedig zu den größten Häfen für Kreuzfahrten Europas gehört und unter den immer weiter wachsenden Touristenzahlen leidet. Im Hafen von Venedig herrscht so viel Betrieb, dass sich Experten wundern, dass es noch keine Tote gegeben hat.

Glaubt man den Aussagen einer Bürgerbewegung dann wird sich das bald ändern, wenn es nicht zu einer Entspannung in der Lagunenstadt kommt. Allerdings ist Venedig abhängig vom Tourismus - es ist Segen und Fluch zugleich. Viele Arbeitsplätze sind von den Kreuzfahrten abhängig. Ein Aus für Kreuzfahrten nach Venedig, wie es die Bürgerbewegung „Comitato Nograndinav“ fordert, würde die Stadt hart treffen.

Am Sonntag rammte die MSC Opera ein deutlich kleineres Ausflugsboot. Bei dem Zusammenstoß wurden vier Menschen verletzt.

Es gibt auch eine Alternativstrecke, auf der die Kreuzfahrtschiffe stattdessen entlang fahren könnten. Bisher fahren sie im Kanal von Giudecca in Sichtweite von Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz. Geplant ist nun, dass die besonders großen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Über dieses Projekt wird allerdings auch seit Jahren debattiert.

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Italiens Innenminister Matteo Salvini wetterte, dass die Freigabe für diese Route an einer Behörde scheitere, die nicht zu seiner Partei Lega Nord gehöre. Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, erklärte, das Unglück sei „der x-te“ Beweis, dass in dem Kanal keine Kreuzfahrtriesen mehr fahren könnten.

Eine andere Lösung wäre, einen anderen Kanal weiter auszubaggern – doch dann würde die Kreuzfahrtstrecke nicht mehr dort lang führen, wo es ein schönes Panorama von der Stadt für die Touristen zu sehen gibt.

Kreuzfahrtschiff auch aus Unesco-Sicht Gefahr

Die Vereinigung von Kreuzfahrtschiff-Gegnern Comitato Nograndinavi nutzte den Unfall der MSC Opera, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie organisierte eine spontane Protestaktion. „Man kann nicht darauf warten, dass diese Monster erst von Toten gestoppt werden“, hieß es auf Facebook.

Ein Facebook-Video zeigt den Zusammenprall.

Bei der Bürgerbewegung ist man sogar gänzlich dagegen, dass Kreuzfahrtschiffe direkt Venedig ansteuern. Doch dieser Wunsch wird ihnen vermutlich nicht erfüllt werden. Ein Terminal auf hoher See würd dem Vernehmen nach zu lange dauern. Zudem sind die Venezianern vom Tourismus abhängig.

Auch die Unesco hat Venedig bereits gewarnt, dass die Riesenschiffe das Welterbe gefährdeten. Umweltschützer mahnen wegen Risiken für das besondere Ökosystem der Lagune. Unternehmer sehen dagegen ihr Geschäft in Gefahr. Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, die Stadt müsse besser geschützt werden.

Kreuzfahrtschiff MSC Opera mit Unfall in Venedig

Nach dem Unfall des Kreuzfahrtschiffes hat der Zusammenstoß für das kleinere Boot größere Konsequenzen: Das Schiff, das stark beschädigt wurde, soll in eine Werft geschleppt werden, um dort repariert zu werden. Es wird wochenlang nicht zum Einsatz kommen.

Auch das Kreuzfahrtschiff muss erstmal pausieren, wie es heißt. Es handele sich dabei aber um eine Vorsichtsmaßnahme. Am 275 Meter langen Boot soll weiter nach Rissen oder anderen Beschädigungen gesucht werden. Der Schaden beschränke sich aber auf den äußeren Teil des Rumpfes. Die kommende Kreuzfahrt wurde storniert, weil kleinere Risse mit Schweißarbeiten behoben werden sollen.

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Das ist die MSC Opera:

• Die MSC Opera wurde 2004 getauft
• Das Schiff wurde im Auftrag der Reederei MSC Cruises gebaut
• Auf dem Schiff haben etwa 3000 Passagiere Platz, hinzu kommen noch zahlreiche Kabinen für Besatzung

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Nicht mal einen Monat ist es her, dass der britische Street-Art-Künstler Banksy mit einem Kunstwerk ein Schlaglicht auf die Kreuzfahrtschiffe in Venedig warf. Seine Kritik in Form mehrerer Gemälde, die sich zu einem Kreuzfahrtschiff zusammensetzen, erregte weltweit Aufsehen.

Der Unfall ereignete sich vormittags im zentralen Kanal von Giudecca an der Haltestelle San Basilio.

An Bord der River Countess sollen rund 130 Menschen gewesen sein. Einige von ihnen seien aus Angst ins Wasser gesprungen, so die Zeitung „Nuova Venezia“ unter Berufung auf Augenzeugen.

MSC Opera machte in Venedig auf Notlage aufmerksam

Mit lauten Warnzeichen machte das Schiff auf die Notlage aufmerksam, wie Augenzeugen den dramatischen Augenblick schildern. Ursache des Unglücks sei ein Motorschaden bei dem Kreuzfahrtschiff gewesen, sagte Davide Calderan, der Präsident der Schlepperfirma „Rimorchiatori Uniti Panfido“.

Der Motor der „MSC Opera“, auf der mehr als 3500 Menschen Platz haben, sei blockiert gewesen, sagte Calderan. Er habe deshalb beim Anlegen selbstständig beschleunigt anstatt abzubremsen. Die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises sprach von einem „technischen Problem“.

Auch die beiden Schlepper, die das Boot in den Hafen von Venedig begleiten sollten, konnten den Unfall nicht mehr verhindern, weil auch eine Kette dem Druck nicht standhalten konnte. Die Kreuzfahrtgesellschaft „MSC Cruises“ sprach von einem „technischen Problem“.

Eine Google-Maps-Karte zeigt, wo genau es zu dem Unglück des Kreuzfahrtschiffes in Venedig kam.

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Die Stadt leidet seit Jahren unter den Touristenmassen. Erst kürzlich hatte Venedigs Kommunalrat beschlossen, „Eintrittsgeld“ von Tagestouristen zu erheben. Und das, obwohl diese Touristensteuer heftig umstritten war.

In den vergangenen Tagen hatten zwei weitere Schiffsunglücke für Schlagzeilen gesorgt: In Budapest waren auf der Donau ein Kreuzfahrtschifff und ein Ausflugsdampfer kollidiert. Mindestens sieben Menschen starben, 21 wurden noch vermisst. Auf dem Rhein waren Ausflügler gekentert, eine Vierjährige wurde noch vermisst.

(dpa/bkö/les)