Hollywood-Star

Wie Gwyneth Paltrow Millionen mit Heilsversprechen macht

Schauspielerin Gwyneth Paltrow hat mit Lifestyle-Produkten ein Imperium geschaffen. Jetzt greift die 46-Jährige nach der Politik.

„So entspannt“: Gwyneth Paltrow bei einem Seminar Mitte Mai in Los Angeles.

„So entspannt“: Gwyneth Paltrow bei einem Seminar Mitte Mai in Los Angeles.

Foto: Phillip Faraone / Getty Images for Goop

Berlin. Wie kann man ein angenehmes Leben noch angenehmer machen? Gwyneth Paltrow (46), eigentlich Hollywoodstar und gerade in einer Nebenrolle in „Avengers. Endgame“ im Kino, weiß es. Und sie ist bereit, ihr Wissen zu teilen.

Am 21. Juni ist es wieder so weit, erstmals in Europa, in London. Die elfenblonde Gründerin des Lifestyle-Unternehmens Goop lädt zum Wellness-Workshop. „Emotional und spirituell“ soll es zugehen, verspricht sie.

Zusammen mit Gästen wie der Schriftstellerin Elizabeth Gilbert („Eat, Pray, Love“) werden Themen behandelt wie Intimität, Geschlechterrollen, Burn-out, Krise und Heilung. Es wird meditiert und Yoga praktiziert, angeblich gesundes Superfood wie Tapiokakuchen mit Koksnuss-Extrakt ausprobiert, Vitamininfusionen stehen bereit.

Gwyneth Paltrow schart ihre „Goopies“ um sich

In den Workshops, an denen regelmäßig etwa 600 Frauen und eine Handvoll Männer teilnehmen, vermittelt sie Weisheiten wie: „Organisiere dir den Tag. Ernähre dich gesund. Nimm dein Handy nicht mit ins Bett.“ Die Selbstoptimierungs-Gipfeltreffen für die „Goopies“ genannten Anhänger sind also eine zum Seminar gewordene Frauenzeitschrift.

Unterschied: Eine Zeitschrift gibt es für zwei Pfund. Ein Tagespass für das Seminar kostet 1000 Pfund (rund 1140 Euro), ein Wochenende inklusive Hotel 4500 Dollar. Doch das scheint es wert: „Sie ist wie eine Freundin“, notieren die Goopies im Netz über ihre Meisterin.

Gwyneth Paltrows Unternehmen soll 250 Millionen Dollar wert sein

Manches liest sich wie im Vitaminrausch geschrieben: „Sie versucht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ Oder, ganz schlicht: „Sie ist so entspannt.“ Paltrow hat allen Grund, entspannt zu sein. Ihr Unternehmen, das von dem Kult um ihre Person lebt, soll 250 Millionen Dollar wert sein. Und es macht die Schauspielerin unabhängig vom jugendversessenen Filmgeschäft.

Nicht, dass Paltrow je arm gewesen wäre. Nach ihrem Oscar für „Shakespeare in Love“ 1998 konnte der Spross einer Hollywood-Dynastie bis zu 25 Millionen Dollar pro Film verlangen. 2008 begann die Schauspielerin mit einem Blog und wurde eine der ersten sogenannten Influencerinnen.

Paltrows Zielgruppe: Mittdreißiger mit hohem Einkommen

Zunächst gewährte sie Einblick in Küche und Kleiderschrank, gab Tipps zu Wellness, Fitness, Gesundheit. Bald verscherbelte sie die entsprechenden Produkte dazu. Inzwischen tummeln sich 1,8 Millionen aktive Nutzer auf ihrer Webseite.

Die Durchschnittsleserin ist 34 und verfügt über ein Jahreshaushaltseinkommen von mehr als 100.000 Dollar – eine Zielgruppe also, um die alle buhlen. Denn an diese Klientel wird man selbst eine schadstofffreie Duftkerze „Orchidee“ für 79 Euro los oder Puder für innere Schönheit für 78 Euro.

Paltrow musste Strafe für Sexspielzeug zahlen

Unverkrampft holt Paltrow auch Sexspielzeug aus der Schmuddelecke. Doch gerade ein sogenanntes Vaginalei handelte ihr Ärger ein – sie versprach, es könne auch Depressionen heilen. Die Organisation Truth in Advertising legte Beschwerde ein, ein Gericht verdonnerte Paltrow 2018 zu 145.000 Dollar Strafe.

Im Gespräch mit dem Sender CNN spülte sie die Vorwürfe sanft weg, als nutze sie dafür ihr eigenes Mondwasser: „Wir wussten gar nicht, dass wir bestimmte Behauptungen nicht machen dürfen.“ Man habe zu Beginn auch nichts von Betriebswirtschaft verstanden: „Wir dachten, wir schreiben einfach einen Blog. Das Ganze ist eine wichtige Lektion, durch die wir unsere Bedeutung und unsere Verantwortung besser begreifen.“

Damit gab Paltrow eine klare Botschaft an ihre Jüngerinnen: Ihr müsst keine Profis sein, wenn ihr Unternehmerinnen werden wollt. Auch wir machen Fehler und wir sind erfolgreich.

Kritik an Gwyneth Paltrows politischem Engagement

Jetzt geht die zweifache Mutter noch einen Schritt weiter und will Einfluss in der Politik gewinnen: Anfang Mai gaben sie und ihr zweiter Ehemann, Regisseur Brad Falchuk, in ihrer Hollywood-Villa für 100 Gäste eine Spendenparty für den demokratischen Politiker Pete Buttigieg, der nächster Präsident werden will.

Timothy Caulfield, Experte für Gesundheitsrecht an der Universität Alberta und Buchautor („When Celebrity Culture and Science Clash“), sieht das mit Sorge: „Gwyneth Paltrow hat erfolgreich eine Marke auf Pseudowissenschaft aufgebaut. Fakten bedeuten ihr nicht viel. Das Letzte, was wir brauchen, ist ein Politiker, der diese Haltung toleriert. Wir brauchen Führer, die für Wissenschaft, Beweisführung und kritisches Denken stehen.“