Trickdiebstahl

Bei Probefahrt gestohlen – Polizei findet Ferrari in Garage

Ein angeblicher Interessent hat bei einer Probefahrt einen teuren Ferrari-Oldtimer gestohlen. Der Wagen ist nun immerhin wieder da.

Diesen Ferrari 288 GTO hat der Unbekannte am Montag gestohlen.

Diesen Ferrari 288 GTO hat der Unbekannte am Montag gestohlen.

Foto: --- / dpa

Düsseldorf/Neuss. Der Ferrari ist wieder da, der Dieb weiter auf der Flucht: In einer Garage in Grevenbroich am Niederrhein hat die Polizei einen mehr als zwei Millionen Euro teuren Oldtimer gefunden, den ein dreister „Interessent“ am Montag bei einer Probefahrt gestohlen hatte. Ein Zeuge lieferte den entscheidenden Hinweis.

Das Fahrzeug sei sichergestellt worden und werde nun auf Spuren des Diebes untersucht, sagte ein Polizeisprecher in Düsseldorf. Außerdem werde ermittelt, wer Zugriff auf die Garage hat. Mit diesem Foto sucht die Polizei nach dem Verdächtigen:

Die Beamten hatten den ungewöhnlichen Diebstahl am Dienstag publik gemacht: Der Täter kam demnach mit dem Taxi zur Classic Remise in Düsseldorf. Sein Objekt der Begierde: Ein Ferrari 288 GTO, 42.532 Kilometer auf dem Tacho, Erstzulassung im Januar 1985, 400 PS.

Bei mobile.de stand das Schätzchen zum Verkauf – für 2.350.000 Euro. Am Montagnachmittag wurde der Wagen gestohlen – auf dreiste Weise: „Ein Trickdiebstahl“, sagt Bernhard Kerkloh, Geschäftsführer des Händlers „Movendi. The spirit of classic cars“.

Ein ähnlichen Vorfall wie diesen hatte er noch nie. Der Unbekannte habe sich seit zwei oder drei Wochen für den Ferrari interessiert, sagt Kerkloh, er habe angerufen und E-Mails geschrieben. Am Montag gegen 12.30 Uhr kam es zu dem vorab vereinbarten Termin zwischen Händler und „Interessent“ in der Remise.

„Das war keine Zufallsnummer“

„Ruhig und entspannt“ habe der Englisch sprechende Mann noch im Büro gewirkt. Eine Probefahrt auf dem Gelände reichte ihm nicht. Mit einem Verkäufer ging es noch auf die Straße, bis an die Auffahrt zur A 46 an der B 9 in Neuss-Uedesheim.

Als ein Movendi-Mitarbeiter ausstieg, um den Wagen wieder zu übernehmen, nutzte der Unbekannte den Moment und brauste über die Bundesstraße davon. Die Fahndung blieb zunächst erfolglos, trotz eines eingesetzten Hubschraubers. Nach Angaben von Polizeisprecher Andreas Czogalla ist von „einer gezielten Tat“ auszugehen: „Das war keine Zufallsnummer.“

Wagen gehört Diamantenhändler und Eddie Irvine

Der Ferrari in Originalzustand ist laut Anzeige in den 80er Jahren an einen Diamantenhändler in Antwerpen erstausgeliefert worden. Ex-Formel-1-Rennfahrer und -Teambesitzer Eddie Irvine gehörte zu den Vorbesitzern.

Fraglich ist, was der Dieb oder die Hintermänner mit dem Ferrari anfangen wollten. „Regulär verkauft werden kann der nicht“, sagt Polizeisprecher Czogalla. „Sie können das Auto nicht in den Markt bringen“, sagt auch Händler Kerkloh, „der Wagen ist viel zu auffällig.“

Insider wüssten sofort, dass der Ferrari aus einer Straftat stamme: „Den können Sie nur in die Garage stellen und nie irgendwelchen Leuten zeigen. Die wenigen Modelle, die gebaut worden sind, sind alle bekannt.“

Probefahrten bei Liebhaberstücken sind unüblich

Kerkloh hätte stutzig werden können, dass der Interessent überhaupt auf einer Probefahrt bestand. „Das ist sehr unüblich. Die meisten, die Klassiker kaufen, machen das nicht.“ Der Anteil an Probefahrten für solche Liebhaberstücke liege vielleicht bei zehn Prozent.

Kerkloh ist noch zuversichtlich, dass der Dieb gefasst wird – nicht nur wegen des Fotos. Auch Fingerabdrücke habe der Unbekannte hinterlassen. Zeugen können sich unter der Rufnummer 0211/8700 melden.