Ehrentag

Muttertag-Kommerz? Wer wirklich hinter dem Festtag steckt

Am Sonntag ist Muttertag. Die Erfinderin bereute ihren Eifer. Denn: Es ging schnell nur noch ums Geld. Alles, was man wissen muss.

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Berlin. Die einen finden ihn klasse, weil er Frauen mit Kindern würdigt. Die anderen halten ihn für eine durchkommerzialisierte Veranstaltung, die keinerlei tieferen Sinn hat. Unabhängig der eigenen Überzeugung ist er im Kalender der Ehrentage unabdingbar – der Muttertag.

Alles Wissenswerte zu dem Jubeltag für Mama und Floristen.

Wann ist überhaupt Muttertag?

Immer am zweiten Sonntag im Mai. Das ist 2019 der 12. Mai. So geht es weiter:

2020: 10. Mai
2021: 9. Mai
2022: 8. Mai

Wer hat den Muttertag erfunden?

Die Ursprünge reichen bis in das antike Griechenland und das alte Rom. Dabei ging es aber eher um götterverehrende Rituale und kultische Verehrung als um die eigene Mutter. Als verantwortlich für den Muttertag in seiner heutigen Form kann man Ann Maria Jarvis, US-Amerikanerin, bezeichnen.

Ihre Mutter veranstaltete „Mothers Day Meetings“, bei denen sich zu Mütterthemen ausgetauscht werden konnte. Bereits 1865 hatte diese auch eine Bewegung namens „Mothers Friendships Day“ ersonnen. Nachdem sie 1905 gestorben war, kämpfte die Tochter für einen Festtag zu Ehren aller Frauen, die Kinder haben.

Der erste offizielle Muttertag wurde 1908, am dritten Todestag von Ann Jarvis, in ihrer Gemeinde begangen. Die Tochter engagierte sich weiter für eine umfassende Wahrnehmung. Erfolgreich: 1914 machte US-Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag landesweit zu ihrem Ehrentag.

Ironie des Schicksals: Jarvis’ Feiertag wurde Opfer seines eigenen Erfolges – und immer kommerzieller. Weshalb sie nach der Einführung für die Abschaffung kämpfte. Erfolglos. Inzwischen ist es das Konsum-Fest Nummer 2 – nach Weihnachten.

Wie kam der Muttertag nach Deutschland ?

Marketing, schlichtes Marketing. Ab 1922 ließ der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber Plakate mit „Ehret die Mutter“ an die Filialen nageln, leimen, hängen. Hat funktioniert – es ist der Anlass, zu dem am meisten Blumen gekauft werden. Noch vor dem Valentinstag. In der DDR wurde stattdessen Internationaler Frauentag gefeiert. Politisch oder religiös verankert ist der Muttertag in keinster Weise.

Wie viel Geld geben die Deutschen für Muttertagsgeschenke aus?

Laut einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) wollen sie 2019 stolze 851 Millionen Euro ausgeben.

Was hat der Muttertag mit den Nazis zu tun?

Die Nazis sahen Mütter als „„Gebärerinnen erbgesunder, arischer Volksgenossen“ – wer viele Kinder bekam, bekam das Mutterkreuz verliehen. Zumindest, insofern der Lebenswandel synchron mit den Wertvorstellungen des NS-Regimes war.

Das Kreuz in Bronze, Silber oder Gold gab es, richtig, am Muttertag. Entsprechend hatte das Datum für die Nazis durchaus einen hohen Stellenwert. Zumal es in der extrem patriarchalischen Nazi-Zeit vorgestrige Rollenbilder zusätzlich zementieren konnte.

Kolumne: Warum Mütterrollen im Fernsehen erheblichen Schaden anrichten

Wie viele Mütter gibt es in Deutschland?

Im Jahr 2017 lebten in Deutschland rund acht Millionen Mütter mit mindestens einem minderjährigen Kind im gemeinsamen Haushalt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Muttertag am 12. Mai nach Ergebnissen des Mikrozensus weiter mitteilt, waren darunter etwa fünf Millionen Mütter mit mindestens einem Kind unter zehn Jahren.

Rund 740.000 Mütter lebten mit einem Kind im Säuglingsalter von unter einem Jahr zusammen. Das heißt, diese Haushalte bestanden mindestens aus der Mutter und einem Kind. Dazu können weitere Personen kommen, etwa ein weiterer Elternteil und Geschwisterkinder.

Rekordverdächtig viele Kinder hat übrigens eine 38-Jährige aus Uganda – sie ist Mutter von 38 Kindern.

Welche Geschenke sind zum Muttertag eine gute Wahl?

Wer denn schenken will: Die meisten Menschen freuen sich am meisten über Zeit mit ihren Liebsten. Beliebt seien zudem Lebensmittel, Parfüm und Kosmetikprodukte. „Der Muttertag bringt wichtige Umsatzimpulse für viele Handelsunternehmen“, erklärt Stefan Genth, Chef des Handelsverbandes Deutschland.

Generell ist anzunehmen, dass sich viele Frauen statt über Geschenke über Gleichberechtigung freuen würden. Tampons, Gehalt, Elternzeit – wo Frauen benachteiligt werden.

Und Papa – wann hat der seinen Vatertag?

Ja, das ist so eine Sache. Im Patriarchat ist ja ohnehin jeden Tag Männertag, was ja auch die Väter mit einschließt. Weil die Ansicht aber nicht durchweg Konsens ist, haben die Männer eben Himmelfahrt für sich vereinnahmt. Ob man es nun Herrentag, wie in den ostdeutschen Bundesländern üblich, Männer- oder Vatertag nennt: Für viele ist es ein Grund, sich den ganzen Tag zu betrinken.

Das Statistische Bundesamt hat dazu übrigens ermittelt, dass an keinem Tag so viele alkoholbedingte Unfälle stattfinden wie an Himmelfahrt. Auch in Sachen Schlägereien ist Himmelfahrt ganz vorne mit dabei – in Polizeistatistiken. Dabei könnten die meisten ihre Zeit auch mal nutzen, um zu helfen. Denn Studien zeigen: Männer machen noch immer zu wenig im Haushalt.

Also, ist Muttertag nun gut oder schlecht?

Das muss jeder selbst entscheiden. Unsere Redakteurin Brigitta Stauber nervt der Muttertag: „Warum ich auf meinen Ehrentag pfeife.“ Kolumnistin Caro Rosales hat einen anderen Blick: „Mit der Abschaffung des Muttertags ist niemandem geholfen“, erklärt die „Single Mom“.