Unglück

Flugzeugunglück mit 41 Toten in Moskau: Das sagt ein Experte

Eine Aeroflot-Maschine geht bei einer Notlandung in Moskau in Flammen auf, Dutzende Menschen sterben. Die Ursache ist noch unklar.

Aeroflot-Maschine in Flammen: Das Flugzeug in Moskau fing bei der Notlandung Feuer.

Aeroflot-Maschine in Flammen: Das Flugzeug in Moskau fing bei der Notlandung Feuer.

Foto: dpa

Moskau.  Dramatische Szenen am Sonntag in Moskau: Ein russisches Flugzeug der Fluggesellschaft Aeroflot ist bei einer Notlandung auf dem Rollfeld des Flughafens Scheremetjewo in Brand geraten und stand kurze Zeit später in Flammen. In den sozialen Netzwerken werden erschreckende Videos und Fotos vom Feuer der Maschine verbreitet. So ist auf einem Video zu sehen, wie die Maschine bei der Landung in Flammen aufgeht.

Auf anderen Bildern und Videos, die via Twitter verbreitet wurden, ist zu sehen, wie das Flugzeug in Flammen stand und von einer schwarzen Rauchwolke bedeckt war.

41 Menschen kamen nach Angaben einer Sprecherin des Ermittlungskomitees ums Leben, zahlreiche Passagiere und Crewmitglieder erlitten Rauchvergiftungen. Zuvor war von 13 Toten die Rede gewesen. An Bord waren den Berichten zufolge 73 Menschen. Von den 37 Überlebenden seien sechs noch in einem kritischen Zustand, hieß es seitens der Behörden am Montag.

„Die Crew hat alles ihr Mögliche getan, um die Leben der Passagiere zu retten und den Betroffenen Nothilfe zu geben“; heißt es in einer Mitteilung.

Flugzeug fängt Feuer in Moskau - Flugschreiber gefunden

Inzwischen sind die Flugzeugschreiber der Maschine gefunden worden. Sie seien im Wrack entdeckt worden, hieß es am Montag aus Sicherheitskreisen der Agentur Interfax zufolge. Die Ermittler hoffen darauf, Aufzeichnungen aus dem Cockpit und andere Daten zu finden, um die Ursache für das Flugzeugunglück zu finden.

Die Flugschreiber seien allerdings stark beschädigt worden. Sie seien bei dem Brand hohen Temperaturen ausgesetzt gewesen, teilte das russische Zwischenstaatliche Luftverkehrskomitee (MAK) Interfax zufolge am Montagabend weiter mit. Das Gerät, das die Kommunikation an Bord aufzeichnet, sei in einem „zufriedenstellenden Zustand“. „Alle Fluginformationen wurden kopiert.“ Die Auswertung könne jedoch mehrere Tage dauern.

Die genaue Unfallursache war zunächst unklar. Die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot geht bisher davon aus, dass ein Technikfehler den Piloten der Maschine vom Typ Suchoi Superjet-100 auf dem Weg nach Murmansk im Norden Russlands zum Umkehren nach Moskau zwang. Ermittler wollen nun Überlebende, Augenzeugen und Flughafenmitarbeiter befragen.

Die Maschine prallte bei der Notlandung mehrmals auf dem Rollfeld des Flughafens auf. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler platzte dabei wohl der voll befüllte Treibstofftank. Das Feuer breitete sich nur wenige Sekunden später aus, der hintere Teil der Maschine stand komplett in Flammen.

Cord Schellenberg: „Unter Piloten sagt man: Harte Landungen sind sichere Landungen“

Hat die Crew im Cockpit einen Fehler gemacht? „Unter Piloten sagt man: Harte Landungen sind sichere Landungen, weil die Maschine dann auf dem Boden bleibt“, sagt Cord Schellenberg unserer Redaktion – der Hamburger ist Vize-Präsident des Luftfahrt-Presse-Clubs.

Das Feuer habe der Pilot nicht verhindern können. Er lenkt das Augenmerk auf einen anderen Aspekt: „Hat die Besatzung die Passagiere korrekt auf die bevorstehende Notlandung vorbereitet?“ Im Internet kursierende Handyvideos aus dem Flieger zeugen von Panik. Die 34-jährige Flugbegleiterin sagte nach der Evakuierung zu russischen Pressevertretern: „Es ging so schnell, ich habe die Passagiere einfach am Kragen gepackt und rausgeschubst, damit nicht zu viel Zeit verloren geht.“

Ungeheuerlich: Russische Agenturen berichten unter Berufung auf Augenzeugen, dass einige Fluggäste aus der Businessclass im vorderen Bereich nach der Notlandung ihre Aktentaschen aus den Regalen holten, statt die Maschine umgehend über die Notrutschen zu verlassen.

Dadurch hätten die Economy-Passagiere im brennenden hinteren Teil wertvolle Zeit verloren.

Den Ermittlern zufolge wurde beim Aufschlagen das Fahrwerk zerstört, Teile davon seien in den Tank geflogen und hätten so den Brand ausgelöst. Auch Cord Schellenberg hält diese Variante für denkbar.

Notlandung in Moskau

Der Suchoi Superjet ist das erste Verkehrsflugzeug, das Russland seit dem Fall der Sowjetunion entwickelt hat.

Im Online-Dienst zu Nachverfolgung von Flugbewegungen Flightradar24 war zu sehen, wie die Maschine zweimal über Moskau kreiste, bevor sie nach 45 Minuten zur Notlandung ansetzte.

Regierungschef Dmitri Medwedew und Präsident Wladimir Putin ordneten noch am Sonntagabend an, dass eine Sonderkommission den Vorfall untersuchen und den Opfern alle notwendige Hilfe zukommen lassen werde. Zunächst wurden einige Maschinen auf andere Moskauer Flughäfen umgeleitet.

Am Montag hieß es aus dem russischen Verkehrsministerium, dass Maschinen des Typs Sukhoi Superjet 100 weiter eingesetzt werden. Es liege zur Zeit kein Grund vor, das im Inland produzierte Modell am Boden zu lassen, teilte der Verkehrsminister mit. (Joe/les/sdo/dpa)

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