Urteil

Haftstrafe: Mutter ignoriert Darmverschluss, Sohn stirbt

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Notärzte konnten einen Fünfjährigen mit Darmverschluss nicht mehr retten  (Symbolbild).

Notärzte konnten einen Fünfjährigen mit Darmverschluss nicht mehr retten (Symbolbild).

Foto: Marcel Kusch / dpa

Ihr Sohn war tagelang nicht auf Toilette – sie rief keinen Arzt. Das Kind starb an einem Darmverschluss. Die Mutter wurde verurteilt.

Berlin. Es hätte eindeutig für sie sein müssen: Ihr Sohn brauchte einen Arzt. Doch anstatt sich einen Mediziner zu suchen, der ihrem unter einem Darmverschluss leidenden Kind half, wartete sie einfach ab. Bis der Fünfjährige starb.

Am Dienstag das Ende des Prozesses gegen die Mutter: Sie muss ins Gefängnis. Das Landgericht Aachen verurteilte sie zu vier Jahren und sechs Monaten. Die 34-jährige Angeklagte habe sich der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht, stellten die Richter des Aachener Landgerichts am Dienstag in ihrem Urteil fest. Sie ließen Revision zu.

Darmverschluss: Mutter hätte handeln müssen anstatt abzuwarten

Als ein verschriebenes Medikament gegen Verstopfung nicht half, der Bauch des Jungen am Todestag aufblähte und grün wurde, bei jeder kleinsten Berührung höchst schmerzempfindlich reagierte, spätestens dann habe die Mutter mit dem Kind zum Arzt gehen müssen, erklärte der Vorsitzende Richter Roland Klösges.

Die Anklage hatte vier Jahre und neun Monate Haft für die Mutter gefordert. Nachdem das Kind zehn Tage lang keinen Stuhlgang gehabt habe, hätte die Mutter Anfang November 2017 die bedrohliche Situation erkennen müssen, sagte Staatsanwalt Boris Petersdorf in seinem Plädoyer.

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Verteidigung hatte Freispruch gefordert – Vater wird nicht verurteilt

Die Verteidigung hatte in ihrem Plädoyer von einem „schicksalhaften Geschehen“ mit Fehlinterpretationen gesprochen und Freispruch für die Frau gefordert.

Der 35-jährige Ehemann und Kindsvater wurde wie von der Anklage im Plädoyer gefordert freigesprochen. Das Verfahren habe nicht klären können, in wieweit er über den akuten Gesundheitszustand seines Jungen informiert gewesen sei. Klösges sprach von einem „Freispruch zweiter Klasse, wenn nicht dritter Klasse“. (ses/dpa)