Stuntman

Stuntman: Lee Huang das Double für die gefährliche Szenen

Stuntman Lee Huang muss topfit sein und braucht Respekt vor der Gefahr. Wie hat er gelernt Autocrashs und Treppenstürze zu überstehen?

Lee Huang in Aktion. Um seine Präzision weiter zu steigern, nimmt er an Workshops teil - hier zum Beispiel zum Thema „Fallen, Stürzen, Springen für Stuntleute“.

Lee Huang in Aktion. Um seine Präzision weiter zu steigern, nimmt er an Workshops teil - hier zum Beispiel zum Thema „Fallen, Stürzen, Springen für Stuntleute“.

Foto: Matthias Schendel

Berlin.  Lee Huang steht auf dem Dach, vor seinen Augen zehn Meter Abgrund. Er springt, wird von einem Luftkissen aufgefangen. Nein, Angst habe er nicht bei dieser Übung, sagt er. Aber Respekt vor dem Sprung. Denn Respekt vor der Gefahr, die hinter jeder waghalsigen Aktion steht, ist das oberste Gebot für Stuntleute.

Denn in Gefahr begeben sie sich ständig: Stuntmen und Stuntwomen sind schließlich diejenigen, die die Rolle eines Schauspielers oder einer Schauspielerin übernehmen, wenn es um die Darstellung von brisanten Szenen geht: Verfolgungsjagden mit dem Auto, einen Carcrash oder den Sprung über eine Hochhausschlucht.

Keine Ausbildung für Stuntleute


An diesem Sonntag im April nimmt Lee Huang an dem Workshop „Fallen, Stürzen, Springen – Wirework für Stuntleute“ teil. Einer von vielen Workshops, die der 25-Jährige regelmäßig besucht.

Da Stuntman kein geschützter Beruf ist, gibt es auch keine Ausbildung für die Frauen und Männer, die eine Tätigkeit mit hohem künstlerischen und sportlichen Anspruch ausüben. „Das müssen wir uns alles selber beibringen“, sagt Huang.

Jobs über Netzwerke und Beziehungen


Lee Huang wusste schon früh, dass er Stuntman werden möchte, sein älterer Bruder war ihm Vorbild. „Mit Martial Arts bin ich aufgewachsen“, erzählt er.

Auch heute noch trainiert er regelmäßig Kung Fu, Schwertkampf, Fechten.

Mit 19 Jahren hatte er bereits seinen ersten Job als Stuntman. „Jobs bekommt man über Netzwerke und Beziehungen“, sagt er.

Sportstudium hat der Stuntman abgebrochen


Gleichzeitig studierte er an der Universität in Erlangen Sport auf Lehramt, das Studium brach er im siebten Semester ab. „Ich bin sehr ehrgeizig und will alles hundertprozentig machen“, sagt Huang.

Eine Karriere beim Film und das Sportstudium konnte er nicht unter einen Hut bringen. Er entschied sich für den Film, jedoch nicht für die Schauspielerei in der ersten Reihe, sondern im Hintergrund als Stuntman.

Casting entscheidet über Auftrag


Der 25-Jährige arbeitet freiberuflich, oft erhält er seine Aufträge von großen Stuntfirmen, mit denen er die Konditionen verhandelt. Bekommt Huang eine Anfrage, geht er zum Casting, wo entschieden wird, ob sein Talent und seine Fertigkeiten den Erwartungen entsprechen.

Zu seinem Repertoire gehören: einen Schauspieler doubeln, ein Auto in einer Verfolgungsjagd durch die Serpentinen lenken, Vollgas geben, hart abbremsen, schleudern, eine Treppe runterstürzen, einen Carcrash überleben, einen Autounfall simulieren.

Hochkonzentriert und gefahrenbewusst müssen Stuntleute sein


„Wir suchen die Gefahr nicht, wir setzen uns so damit ausei­nander, dass wir das Risiko so gut es geht eliminieren“, sagt er. „Hinter jedem Stunt steckt so viel Vorbereitung, die man auf der Leinwand nicht sieht.“ Die große Herausforderung sei, hochkonzentriert und gefahrenbewusst zu arbeiten.

Lee Huang setzt sich inhaltlich mit dem Film auseinander, studiert den kulturellen und historischen Hintergrund, vor dem die Handlung spielt. „Ich muss bei einem bewaffneten Kampf wissen, welche Waffen zu dieser Zeit genutzt wurden.“

Kampfszenen entwickelt er selbst


Der Stuntman muss die Rolle des Schauspielers, den er doubelt, interpretieren können und Körpersprache, Mimik sowie Gestik kennen, um die Rolle glaubhaft darstellen zu können. Er erhalte lediglich den Auftrag: „Kampfszene, fünf Minuten“, die er mit Inhalt füllen muss.

Das A und O in seinem Job ist es, sich körperlich fit zu halten. Zu seinem täglichen Trainingsplan gehören Krafttraining, Kampf- und Ausdauersport, Reiten, Schwimmen, Akrobatik.

Workshops kosten mehrere tausend Euro


Alles, was Lee Huang in seinen Stunts zeigt, bringt er sich selber bei. Techniken lernt er in diversen Workshops und Seminaren. „So ein Workshop kostet an die 2500 Euro“, sagt Huang. „Wir müssen sehr viel Geld in unseren Beruf stecken.“

Dazu gehört nicht nur die Finanzierung der Workshops.

Stuntleute bringen zu den Drehs ihr eigenes Equipment mit: Arm-und Knieschoner, Schutzweste, Boxhandschuhe, Schwerter sowie Seile, Karabiner und Harness, Elemente der Seiltechnik für sichere Flugszenen.

Bei den Honorarverhandlungen orientiert er sich an den vom Bundesverband deutscher Stuntleute empfohlenen Honorarsätzen, die bei mindestens 900 Euro pro Tag liegen.

Wünscht sich mehr Anerkennung für den Beruf


Lee Huang reist viel, war schon in China, um mit dem Schauspieler Jackie Chan im Film „Project X-Traction“ zusammenzuarbeiten. Alles gut also? Nicht alles, antwortet er.

Der 25-Jährige wünscht sich mehr Anerkennung für seinen Beruf. Die Würdigung bei der jährlichen Oscarverleihung sei überfällig, findet er. (Dagmar Trüpschuch)

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