Schauspieler

Für Claus Theo Gärtner ist „Matula“ die Rolle seines Lebens

Claus Theo Gärtner kehrt an Karfreitag als „Matula“ ins ZDF-Programm zurück. Wir haben mit ihm über diese so prägende Rolle gesprochen.

Claus Theo Gärtner in seiner Wahl-Heimat Berlin.

Claus Theo Gärtner in seiner Wahl-Heimat Berlin.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Matula ist knallhart, aber der Mann hinter der kultisch verehrten Figur ist noch härter. Beweis gefällig? Einen Eindruck vermittelt die Eröffnungsszene des neuen Matula-Solos: Da überführt der Privatdetektiv im Unruhestand eine Yacht nach Mallorca – und entdeckt einen leblosen Mann im Hafenbecken.

Also springt Matula wie ein Actionheld in T-Shirt und kurzer Hose ins Wasser. Was nicht nur deswegen eine reife Leistung ist, weil Claus Theo Gärtner am Freitag seinen 76. Geburtstag feiert. Sondern auch, weil es bei den Dreharbeiten im vergangenen Oktober bitterkalt war, wie sich der Schauspieler fröstelnd erinnert. Der Film spielt im Sommer, weshalb Gärtner zähneklappernd sonnige Ferienstimmung simulieren musste.

Dieser Matula, der seit 1981 Millionen Fernsehzuschauer mit seiner zur Schau gestellten Männlichkeit in den Bann zieht, ist einer der Letzten seiner Art. Als Gärtner vor sechs Jahren Schluss machte mit „Ein Fall für zwei“, bescheinigten manche Zeitungen ihm, er sei von gestern: „Ein lederbejackter Macho, der Alfa Romeo fährt, mit rauer Stimme markige Sprüche raushaut und immer knapp bei Kasse ist.“

Doch Gärtner macht trotz der Abgesänge einfach weiter, dreht jedes Jahr aufs Neue einen Matula-Film und denkt nicht wirklich ans Aufhören. Wie tickt der Mann hinter der Rolle?

Claus Theo Gärnter ist anders als Matula

Claus Theo Gärtner hat ein Café nahe dem Berliner Ku’damm als Treffpunkt vorgeschlagen – dort lebt er mit seiner 39-jährigen dritten Ehefrau, wenn sie nicht gerade in ihrer Zweitwohnung in Basel sind. Ein suchender Blick durch den Raum. Es ist Vormittag, an den Tischen drängen sich die Leute. Wo ist er? Gärtner ist nicht zu sehen, aber seine sonore Stimme sticht aus dem allgemeinen Gemurmel heraus.

Er sieht etwas anders aus, als man ihn aus den Filmen kennt. „Wenn ich nicht erkannt werden will, lasse ich mir einen Bart stehen und setze mir eine Kappe auf“, erzählt Gärtner später, während er ein Käsebrötchen und einen Kaffee bestellt – soll ja nicht jeder sofort merken, dass da eine TV-Legende am Nachbartisch sitzt.

Klar, Matula ist nicht Gärtner, das betont der Schauspieler immer wieder. Er käme privat nie auf die Idee, sich zu prügeln, versichert er. Und ein Macho sei er ganz und gar nicht. Andererseits ist er durch die Sahara getourt und durch Indien, hat die ganze Welt gesehen und kann viele Anekdoten von den Kneipentresen dieser Republik erzählen. Nicht nur Matula, auch der Mensch Gärtner ist also eine spannende Figur. „Alles, was Matula ist, hat er von mir“, beteuert er.

Gärtner gab nach drei Jahren Pause Comeback als Matula

Es gab eine Zeit, da mochte der gebürtige Berliner nicht länger Matula sein. Er hatte das Gefühl, „dass ich feststecke“: Alle wollten ihn nur als Ermittler sehen, doch nach 300 Folgen war er müde. Gärtner freute sich auf die Rente, wollte hin und wieder eine Theaterrolle übernehmen, reisen und an manchen Tagen einfach nichts tun. So vergingen drei Jahre, dann rief sein alter Sender an und machte ihm das Comeback schmackhaft.

Drei Filme sind seitdem entstanden. „Ich wurde reaktiviert vom ZDF“, sagt Gärtner und schiebt hinterher: „Ich will nicht sagen: überredet.“ Die Leute wollten eben wissen, wie der Frankfurter Detektiv seinen Lebensabend verbringt. Gärtner ist klar geworden: „Es ist die Rolle meines Lebens.“

Nach dem Käsebrötchen im Café bietet er an, den Besuch noch zum Bahnhof zu fahren. Er steuert seinen Kombi durch die Stadt, die rechte Hand am Steuer, in der linken eine Zigarette, das Radio spielt Klassik. Gärtner kennt jeden Berliner Winkel. Dort drüben, sagt er und zeigt auf eine Häuserzeile, sei seine erste eigene Bude gewesen – drei Jungs teilten sich ein Zimmer, im Winter hätten sie einen Schrank verfeuert, weil es so kalt war.

Gärtner hat kaum noch Verbindungen ins Ruhrgebiet

Verbindet ihn gar nichts mehr mit dem Ruhrgebiet, wohin er als Kind mit seinen Eltern zog, bevor er als junger Mann in seine Geburtsstadt zurückkehrte? „Mit 15 bin ich weg aus Oberhausen“, erinnert sich Gärtner. „Ich habe da zwar noch einige Freunde. Aber seit meine Mutter nicht mehr lebt, bin ich nicht mehr oft da.“

Lieber verreist er mit seiner Frau – und verwandelt sich ab und zu in Matula. Das nächste Mal, sagt er, dürfe der Dreh aber gerne im Sommer stattfinden.

• Diie aktuelle Folge „Matula“ finden Sie in der ZDF-Mediathek.