Single-Mom-Kolumne

Warum die Antwort immer heißt: Uns geht es super, und euch?

Bekannte fragen unsere Autorin oft, wie es ihr und den Kindern geht. Vor der ehrlichen Antwort schadet ein großer Schluck Wein nicht.

Single Mom Kolumne Caroline Rosales

Single Mom Kolumne Caroline Rosales

Foto: Werner / Rosales

Berlin. Jeder, der Schul- oder Kindergarten-Kinder hat, kennt die Situation: „Hast du noch Zeit für eine Tasse Kaffee? Komm‘ doch kurz rein!“ Und schon sitzt die eigene zerstreute Wenigkeit da, voller Ehrfurcht vor der perfekten Küche (Marke Bulthaup, Schnitttulpen auf dem Tisch) der Gastgeberin. Sie hat nur eine Ausrede gesucht – aus dem Kaffee ist ein Rotwein geworden.

„Ist vom Weingut meines Bruders aus der Pfalz“, erläutert die gastfreundliche Gelegenheitstrinkerin. Die Kinder sind nach nebenan zum Spielen verschwunden. Zwischen „zu viel Tannin mit ein bisschen Stachelbeergeschmack“ dann die ganz unverbindliche Frage, wie es denn geht, auf welche die einzig valide Antwort „super“ ist. Dass wir nach Wien fahren, erzähle ich. „Mit deinem Freund und den Kindern?“ „Ja“, antworte ich, was spontan beklatscht wird.

„Wie schön, dass sich alle so gut verstehen“, wirft die Gastgeberin hinterher. „Ach, das war eigentlich aber auch von Anfang so“, gebe ich zurück. Thema erledigt. Doch während die Gastgeberin daraufhin von ihrem mega-harmonisch-geplanten Osterfest in der Uckermark erzählt, kommen mir (etwas beschwipst) die wahren Erinnerungen hoch.

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Wie das erste Treffen mit Freund und Kindern verlief

Wie der Mann in meinem Leben, mein Freund, das erste Mal unser Haus betrat. Bis drei Wochen nach unserem Kennenlernen hielt ich stand – das erste Treffen mit den eigenen Kindern ist doch traditionell ein sehr ernstes Ding, danach brach ich ein: „Komm zum Abendessen vorbei“, hörte ich mich sagen. Und so war es beschlossene Sache: Mein Freund und meine Kinder sollten sich kennenlernen.

Und er brachte Bücher mit. Als Gastgeschenk. Für jedes Kind eines. Mein damals vierjähriger Sohn nahm das Buch ohne „Danke“ zu sagen an, ließ es dann im Flur liegen und verschwand sofort in sein Zimmer. Als wollte er sagen: „Halte dich für nichts Besonderes, Mama hat viele Verehrer.“ Meine Tochter, damals zwei Jahre alt, setzte vielmehr auf die Kraft ihrer Stimme, um den Feind in die Flucht zu schlagen.

Blieb mein Freund in den nächsten Wochen über Nacht, stand das Mädchen, das schon als Baby durchschlief, um 2 Uhr morgens, 4 Uhr morgens und um halb fünf an meinem Bett, weil es „Durst“ hatte. Blieben wir zu viert bei ihm zu Hause, wurde es wenig besser. Doch er blieb cool, als seine weiße Badezimmerwand plötzlich mit Buntstiften bemalt, der Joghurt auf dem sauteuren Sofa umgekippt, die Knete in jeder Ritze des Parketts festgetreten war.

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Auch andere reisen mit Problemen

Und bis heute frage ich mich, wie er das mit uns mitmacht. Keine Minute, in der nicht gezankt, gerufen, ermahnt und gestritten wird – es sei denn es läuft gerade die „Jim Knopf“-DVD. Aber was soll ich meiner Bekannten, der Gastgeberin schon sagen, dass der ganze Trip nach Wien für mich als Mutter, Freundin und Friedensstifterin ein Lehrstück in Diplomatie wird? Die Kinder stehen morgens früh (6.50 Uhr) auf, die Erwachsenen versuchen, sich noch eine Weile (bis 7.15 Uhr) tot zu stellen. Dann wird der lustige Bummel durch die Museen, durch die Stadt anfangen. Schnürsenkel werden offen sein. Lila, die Max gehauen hat oder umgekehrt.

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Im Restaurant fällt ein Glas Fanta vom Tisch und ein Essen schmeckt „voll eklig“, bis einer der Erwachsenen dem vorbeilaufenden Kellner „die Rechnung, bitte“ zuruft. Auch bei meiner Bekannten wird vermutlich gar nichts glatt gehen. Drei Stunden fährt sie in die Uckermark – der Hund, die vier Kinder, die Vorräte fürs Ferienhaus. Und hatte ich schon erwähnt, dass ihr Mann wohl einen Tag später nachkommt? Herrlich, dann könne sie ja schon mal in Ruhe auspacken. „Nö, nö, das stört mich gar nicht“, sagt sie und nimmt einen großen Schluck Wein. Und dann treffen sich unsere Blicke. „Echt gut, der Wein“, sage ich ihr. Und sie antwortet: „Nimm die Flasche ruhig mit, mein Bruder bringt nächste Woche neue mit.“ (Caroline Rosales)