Ermittlungen

Anschlag in Utrecht: Zahl der Todesopfer steigt auf vier

Nach den Schüssen im niederländischen Utrecht ist ein weiteres Opfer gestorben. Der Hauptverdächtige hatte die Tat bereits gestanden.

Eine Blume liegt zum Gedenken an die Opfer des Attentats von Utrecht in der Nähe der Straßenbahnschienen. Ein viertes Opfer der Schießerei starb nun im Krankenhaus.

Eine Blume liegt zum Gedenken an die Opfer des Attentats von Utrecht in der Nähe der Straßenbahnschienen. Ein viertes Opfer der Schießerei starb nun im Krankenhaus.

Foto: Piroschka Van De Wouw / Reuters

Utrecht. Wegen des Anschlags in Utrecht ist ein weiterer Mensch ums Leben gekommen. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, erlag ein 74-Jähriger Mann am Donnerstag in der Klinik seinen schweren Verletzungen. Eine 20-Jährige liegt noch im Krankenhaus, eine 21-Jährige konnte die Klinik verlassen. Damit ist die Zahl der Todesopfer auf vier gestiegen.

In der niederländischen Stadt waren am vergangenen Montag Schüsse in einer Straßenbahn gefallen. Der Verdächtige hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Tat gestanden. Der 37-Jährige räumte demnach ein, alleine gehandelt zu haben. Weitere Details über die Vernehmungen gab die Staatsanwaltschaft nicht bekannt, weil die Ermittlungen noch laufen, hieß es weiter.

Utrecht: Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

Am Freitag wurde auch bekannt, dass ein weiterer Verdächtiger – ein 40-jähriger Mann – wieder freigelassen wurde. Zum Zeitpunkt der Festnahme hatte sich der Hauptverdächtige im Haus des 40-Jährigen aufgehalten. Laut den Ermittlern gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass der 40-Jährige dem Angreifer bei dem Terroranschlag geholfen habe.

Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, Anklage gegen den Verdächtigen erheben zu wollen. Wie es in der Mitteilung hieß, soll sich der 37-jährige Hauptverdächtige wegen mehrfachen Mordes, Totschlag mit terroristischem Motiv und terroristischer Bedrohung verantworten.

Utrecht: Weitere Festnahme am Dienstag

Ein Brief, den die Ermittler im Fluchtauto gefunden haben, deutete auf ein Terror-Motiv hin – ebenso die Art der Tatausführung. Die bisherigen Ermittlungen hätten keine Hinweise auf irgendeine Beziehung zwischen dem Hauptverdächtigen und den Opfern ergeben – zuvor war über eine Beziehungstat spekuliert worden.

So erlebte ein Niederländer in Berlin den Anschlag in seiner Heimatstadt: Utrecht: Schüsse in meiner Heimatstadt

Der mutmaßliche Täter ist polizeibekannt. „Wir wissen relativ viel über ihn“, sagte Rutker Jeuken vom Innenministerium über den derzeit Inhaftierten. Dieser habe nach Medienberichten ein langes Vorstrafenregister, im Dezember 2013 wurde er wegen versuchten Mords verurteilt, vor zwei Wochen begann eine Verhandlung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs.

Der Verdächtige ist polizeibekannt – das sind bisherige Taten und Vorwürfe

2012: Einbruch in einen Lastwagen

Dezember 2013: Verurteilung wegen versuchten Mordes – T. hatte mit einer Schusswaffe auf ein Wohnhaus geschossen

Mai 2014: Ladendiebstahl in Utrecht

Oktober 2014: Anspucken und Bedrohen eines Polizeibeamten

November 2014: Trunkenheit am Steuer

Oktober 2015: Zerstörung einer Polizeizelle

Juli 2017: Vergewaltigungsvorwurf. Der erste Verhandlungstag in diesem Fall war vor zwei Wochen

Einem Bericht von RTV Utrecht zufolge hat der Gesuchte Ende 2013 schon einmal in der Nähe des jetzigen Tatorts eine Schusswaffe abgefeuert.

Eine Google-Maps-Karte zeigt, wo die Schüsse fielen:

Utrecht: Schüsse fielen in der Tram

Der Vorfall ereignete sich gegen 10.45 Uhr im Westen der viertgrößten niederländischen Stadt. Die Polizei sperrte den Bereich der Straßenbahn-Haltestelle 24 Oktoberplein ab. Augenzeugen berichteten niederländischen Medien, ein Täter habe eine Waffe in einer Tram gezogen und auf Menschen geschossen.

Laut Polizei war kurz vor den Schüssen ein roter Renault Clio gestohlen worden, der später an anderer Stelle in der Stadt leer zurückgelassen wurde. Es könnte sich um das Fluchtauto handeln. Zuvor hatten Zeugen berichtet, ein Täter sei zu Fuß geflohen.

Über die Festnahme berichtete die Polizei bei Twitter. Die Behörde bestätigte dort, dass es sich um den Mann handele, nach dem gefahndet worden sei.

Ministerpräsident und Königshaus verurteilen Anschlag in Utrecht

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sprach in einer ersten Redaktion auf einer Pressekonferenz von einem Anschlag. Zur Anzahl der Verletzten oder möglichen Todesfällen äußerte er sich nicht. „Wenn es sich um einen Terroranschlag handelt, ist nur eine Antwort angebracht“, sagte Rutte. „Unsere Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sind stärker als Gewalt. Wir werden der Intoleranz nicht weichen. Niemals.“

Hintergrund: Schüsse in Straßenbahn in Utrecht – was wir bisher wissen

Auch das niederländische Königshaus reagierte auf den Vorfall in Utrecht. König Willem-Alexander und Königin Máxima zeigten sich tief betroffen und verurteilten den Angriff. „Lasst uns gemeinsam für eine Gesellschaft stehen, in der sich die Menschen sicher fühlen können und in der Freiheit und Toleranz herrschen.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich solidarisch mit den Opfern gezeigt. „In Sorge und Solidarität denken wir in diesen Stunden an die Menschen in #Utrecht“, ließ sie Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag auf Twitter schreiben.

Erstmals höchste Terrorwarnstufe in Niederlanden – die Maßnahmen

• Der niederländische Anti-Terror-Dienst NCTV hatte die Terrorwarnstufe für die Provinz Utrecht nach dem Anschlag auf Stufe 5 erhöht. Es war das erste Mal, dass diese höchste Bedrohungsstufe in den Niederlanden ausgerufen wurde.

• Die Polizei befand sich Montag in Utrecht im Streik. Dieser wurde aufgehoben.

• Teile der Autobahn 12 wurden gesperrt.

• Auch die Bundespolizei kontrollierte nach dem Vorfall an Straßen und in Zügen an der deutschen Grenze. Die Beamten seien dafür über das normale Maß hinaus bewaffnet worden. Auch Fahrzeuge wurden bei Verdacht untersucht.

• Nach dem Vorfall wurde auch die Polizeipräsenz in Den Haag und Rotterdam verstärkt.

• In Rotterdam hat die Polizei Bahnhöfe und Moscheen extra gesichert. Die Sicherheit am Flughafen Schiphol wurde ebenfalls erhöht. Vergangene Woche wurden 49 Menschen in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Utrecht Menschen durch Schüsse verletzt wurden. In den letzten Jahren beschäftigte der sogenannte „26Koper“-Fall die Polizei. Dabei starben mehrere Menschen mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen. (cvdv/cho/seb)