Impfschutz

Ultimatum läuft ab: Ohne Masern-Impfung kein Unterricht

An einer Schule in Hildesheim sind Masernfälle bekanntgeworden. Wer nicht geimpft ist, darf nicht mehr kommen. Ein streitbares Thema.

Diese vier Impfungen sind für Erwachsene wichtig

Impfungen: Vor diesen Krankheiten muss man sich schützen.

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Berlin.  Die Fronten im Streit um Impfungen sind verhärtet. Die Befürworter sehen eine Notwendigkeit, um gesundheitliche Risiken einzudämmen. Die Gegner einen gefährlichen Eingriff, vor allem bei Kindern. In einer Hildesheimer Schule gilt nun: Wer nicht geimpft ist, darf nicht rein.

Das hat einen ernsten Hintergrund: An einer Schule in der niedersächsischen Stadt hatte es einen Masernausbruch gegeben. Die Behörden griffen daraufhin zu harten Maßnahmen: Am Freitag mussten alle Schüler ihre Impfpässe mitbringen – wer keinen Schutz aufweisen konnte, musste wieder gehen.

Bis zu diesem Montagnachmittag haben nun die verbliebenen 190 Schüler und Lehrer, die am Freitag keinen Impfschutz mit einer Blutuntersuchung beim Arzt nachweisen konnten, die Möglichkeit, ihren Pass nachzureichen.

Ungeimpfte Kinder dürfen sonst nach Angaben des Landkreises Hildesheim zu ihrem eigenen Schutz zwei Wochen lang nicht den Unterricht besuchen.

Impf-Zwang an Schule: Laut Behörden standardisiertes Prüfungsverfahren

Wie der Landkreis betonte, handele es sich um ein standardisiertes Prüfungsverfahren, wie es bei einem Masernausbruch in einer Gemeinschaftseinrichtung vorgesehen ist. Auch ohne eine Impfpflicht in Deutschland gehe es darum, eine weitere Ausbreitung der hochansteckenden und für ungeimpfte Menschen gefährlichen Krankheit zu verhindern. Die Schule gab eine Mitteilung dazu aus.

Insgesamt konnten 510 Schüler und Lehrer einen Impfschutz bereits am Freitag vorzeigen, das waren 73 Prozent der Betroffenen.

Zwar ist die Zahl der Masernfälle in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts zuletzt von 929 Fällen 2017 auf 543 Fälle im vergangenen Jahr zurückgegangen. Doch in Europa musste das Ziel, die Masern bis 2020 auszurotten, kassiert werden.

Zahl der Erkrankungen an Masern steigt – Impfen wird unpopulärer

Die Zahl der Masernerkrankungen in der Region vervielfachte sich von 5273 im Jahr 2016 auf 23.927 im Folgejahr. Die Rückkehr vermeidbarer Krankheiten in Europa sei „ein Weckruf“ und verlange „rasches Handeln“, forderte die Weltgesundheitsorganisation WHO. WHO: Impfgegner sind auch eine Gefahr für die globale Gesundheit.

Gleichzeitig sei eine gewisse Impfmüdigkeit in Deutschland zu bemerken, beklagen Experten. Eltern seien schlicht nachlässig. Oder bezweifeln den Sinn. Eine dritte Gruppe ist kritisch gegenüber Impfungen im Allgemeinen.

Politiker rufen zum Impfen auf

Niedersachsen Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) riet allen Menschen, ihren Impfstatus zu überprüfen und bei Bedarf Impfungen nachzuholen. „Die aktuell aufgetretenen Masernfälle in Niedersachsen zeigen die große Bedeutung eines ausreichenden Impfschutzes in der Bevölkerung“, sagte sie.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) appellierte an die Eltern: „Wer auf den Impfschutz verzichtet, gefährdet seine Kinder und die Kinder anderer.“ Masern sind sehr ansteckend für nicht geimpfte Personen.

In Niedersachsen erkrankten seit Jahresbeginn 26 Menschen an Masern – 17 davon aus dem Kreis Hildesheim.

Masern sorgen für Fieber, Husten, Entzündungen

Das Virus wird als Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen. Eine Infektion verursacht hohes Fieber, Husten, Entzündung der Augenbindehaut und Hautausschlag. Die Krankheit kann schwerwiegend verlaufen. Als lebensbedrohliche Komplikation kann eine Gehirnentzündung auftreten.

In Essen hatte eine private Kita kürzlich beschlossen, Kinder ohne gewisse Impfungen nicht mehr aufzunehmen. Diese Kita nimmt nur geimpfte Kinder auf. Ein Modell mit Zukunft? Kita-Platz nur gegen Impfung? Eine große Mehrheit ist dafür.

Jens Spahn spielt mit dem Gedanken, das Gesundheitswesen zu verändern. Impfung aus der Apotheke? Das ist der Plan des Ministeriums.

(ses/dpa)