ARD-Film

„Zürich-Krimi“: Kohlund spielt einen Anwalt unter Islamisten

Der „Zürich-Krimi“ bleibt sich treu: Auch der dritte Fall ist komplex erzählt. Christian Kohlund überzeugt in der Rolle als Anwalt.

Rechtsanwalt Thomas Borchert (Christian Kohlund, links) fragt Imam Sheik Ibrahim Al-Khatib (Neil Malik Abdullah, Mitte), was er über den jungen Kunststudenten Julian Stolz weiß.

Rechtsanwalt Thomas Borchert (Christian Kohlund, links) fragt Imam Sheik Ibrahim Al-Khatib (Neil Malik Abdullah, Mitte), was er über den jungen Kunststudenten Julian Stolz weiß.

Foto: ARD Degeto/Roland Suso Richter

Essen. Die Donnerstags-Krimis der ARD haben zwar internationale Schauplätze wie Athen, Bozen oder Tel Aviv, ihr Ruf ist aber nicht immer der Beste. Wie sie gelingen können, haben die beiden bisherigen „Zürich-Krimis“ bewiesen. Regisseur Roland Suso Richter und Drehbuchautor Wolf Jakoby haben die Reihe fest im Griff. Jetzt geht es forsch weiter mit dem dritten Fall „Borchert und die mörderische Gier“.

Es beginnt mit Julian Stolz (Justus Czaja), einem jungen Mann auf wilder Motorradfahrt, der sich von unterwegs in der Kanzlei Borchert ankündigt. Er spricht von schrecklichen Taten, die er offensichtlich ausplaudern möchte. Doch der Kunststudent kommt nie bei den Anwälten an. Er hat einen schweren Unfall und landet in der Klinik im Koma.

Vielseitiger Schauspieler, kinoerfahrener Regisseur

Schon bald wird klar, dass dies ein gezieltes Attentat war, dass man diesen Julian mundtot machen wollte. Nach und nach zieht die Geschichte immer weitere Kreise. Zum Beispiel stellt sich heraus, dass Julian nicht nur ein Interesse für Orientalistik entwickelt hatte, sondern auch Kontakte zu Islamisten pflegte.

Vielleicht funktionieren Richters Filme deshalb so gut, weil der Regisseur Erfahrung mit Kinofilmen gesammelt hat. „14 Tage lebenslänglich“ ist noch in guter Erinnerung, selbst international hat er mit dem Thriller „The I Inside – Im Auge des Todes“ schon gearbeitet. Für den Thrill sorgt hier vor allem die Filmmusik, für die Stimmung die kühlen Bilder, vorwiegend in Blaugrau. In diesem Umfeld nimmt Richter sich Zeit, um sich die Geschichte entwickeln zu lassen.

Eine Geschichte, die Borchert (Christian Kohlund) ganz persönlich nimmt: Vor genau zehn Jahren ist auch sein Sohn ums Leben gekommen, woraufhin sich seine Frau umbrachte. Man kann sich über den Schweizer Schauspieler Kohlund nur wundern. Er, der immer als das Sinnbild des leichten Genres gegolten hat, der auch beim „Bergdocktor“ noch in Lohn und Brot steht, darf hier endlich mal ganz anders sein.

Für einen intensiven TV-Moment sorgt Julians Vater

Sehr gelassen geht er die Dinge an, ganz ruhig lässt er sich von seinem persönlichen Chauffeur Bürki durch Zürich fahren und hat dabei die besten Einfälle. Wir haben es also mit einem klassischen Krimi zu tun, in dem es immer gefährlich werden kann. Das muss auch Borchert erfahren, der letztlich nicht ganz ohne Blessuren davonkommt.

Seine sehr viel jüngere Partnerin Dominique (Ina Paule Klink, „Wilsberg“) lebt da lieber gefahrloser vom Büro aus. Der kälteste Moment in diesem Film gehört Julians Vater (Kai Wiesinger), der seinen Sohn erst kürzlich zum ersten Mal gesehen hat. „Sie haben mich gefragt“, sagt er zu Borchert, „was ich gefühlt habe bei meiner ersten Begegnung mit ihm. Nichts, ich habe nichts gespürt.“ Ein intensiver TV-Moment.

Fazit: Jakobys Drehbuch erzählt die Geschichte auf reizvoll verrätselte Weise. Dadurch erhält der Krimi ein hohes Maß an Komplexität.

• ARD, Donnerstag, 28. Februar, 20.15 Uhr

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