Interview

„Charité“-Star Jannik Schümann ist auch nicht frei von Neid

Der Darsteller der ARD-Serie „Charité“ Jannik Schümann gibt zu, auch Neid-Gefühle zu haben. Im Interview sagt er, wie er damit umgeht.

In der ARD-Serie “Charité“ spielt Jannik Schümann (hinten) die Rolle des Otto Marquardt, der seinem Schwager Artur Waldhausen (Artjom Gilz, Mitte) und  hochschwangere Schwester Anni (Mala Emde) ins Krankenhaus begleitet.

In der ARD-Serie “Charité“ spielt Jannik Schümann (hinten) die Rolle des Otto Marquardt, der seinem Schwager Artur Waldhausen (Artjom Gilz, Mitte) und hochschwangere Schwester Anni (Mala Emde) ins Krankenhaus begleitet.

Foto: Julie Vrabelova / dpa

Berlin.  Und Hollywood wird plötzlich zur Möglichkeit: Der gebürtige Hamburger Jannik Schümann hat mit Keira Knightley das internationale Historiendrama „The Aftermath“ abgedreht. Derzeit aber ist der 27-jährige ehemalige Musicaldarsteller und jetzige Teilzeit-Student dienstags um 20.15 Uhr in der zweiten Staffel der ARD-Serie „Charité“ zu sehen. Zwar wurde er schon einmal zum „schönsten Mann Berlins“ gewählt, doch seien solche Titel nicht unbedingt hilfreich für die Karriere, erklärt er im Gespräch.

In der Serie spielen Sie einen Medizinstudenten, abseits der Fiktion studieren Sie an der Berliner Humboldt-Universität Anglistik und Medienwissenschaften. Bleiben Sie Ihrer Wahl weiterhin treu oder haben Sie die Naturwissenschaften neugierig gemacht?

Jannik Schümann: In der Schule habe ich immer versucht, die Naturwissenschaften loszuwerden. Physik und Chemie habe ich sehr schnell abgewählt. Meine Faszination dafür hält sich also in Grenzen. Trotzdem war es natürlich sehr spannend zu sehen, wie Amputationen und andere anatomische Eingriffe beim Dreh umgesetzt werden. Um eine Operation an meinem Bauch zu filmen, musste zum Beispiel ein Abdruck meines Oberkörpers gemacht werden.

Dafür lag ich eine Stunde lang auf dem Boden, während das Silikon auf mir hart wurde. Anhand des Abdrucks konnte mein Bauch exakt nachgebildet werden – mit jedem Leberfleck an derselben Stelle. An diesen Schichten wird dann beim Dreh rumgeschnitten, während ich darunter liege und zum Glück gar nichts spüre.

Sie gehören zu den Künstlern der jüngeren Generation, die in sozialen Netzwerken immer wieder zu Demonstrationen aufrufen und politische Kommentare einstreuen. Wo sehen Sie Möglichkeiten und Grenzen von Prominenten, die ihre Haltung artikulieren wollen?

Es ist nicht unsere Aufgabe, auf Instagram nur jedes neue Shampoo zu bewerben. Wir haben eine große Anzahl von Menschen, die unsere Profile verfolgen, und das bringt auch die Verantwortung mit sich, diese Plattform sinnvoll zu nutzen. Und wenn ich meine Reichweite dafür einsetzen kann, Aufmerksamkeit für wichtige politische Statements zu schaffen, dann sehe ich da erst mal keine Grenzen.

Im Rahmen des „Charité“-Drehs haben Sie vier Monate lang in Prag gedreht und gelebt. Wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung?

Ich habe in der Zeit mit den Kollegen in einem Apartmenthotel gewohnt, jeder von uns hatte eine etwa 50 Quadratmeter große Wohnung. Links von mir wohnte Artjom Giltz, rechts von mir wohnte Mala Emde. Über mir war Luise Wolfram und unter mir Jacob Matschenz und Frida-Lovisa Hamann. Das hat sich wie eine riesige WG angefühlt. Wir sind auch mal in Unterhose oder im Pyjama in das Zimmer des anderen rübergelaufen und haben am Abend zusammen Filme geschaut. Nach wenigen Tagen sind wir zusammengewachsen und haben schnell herausgefunden, dass wir dieselben Vorstellungen von Leben haben.

2018 war ein erfolgreiches Jahr für Sie: Sie haben einen Kinofilm in Portugal gedreht und einen in Südafrika und werden bald an der Seite von Keira Knightley in „The Aftermath“ zu sehen sein. Merken Sie, dass viele Kollegen neidisch auf Sie sind?

Nein, das spüre ich nicht, zumindest nicht offen. Durch die vielen Streamingportale gibt es sehr viele Kollegen, die in den letzten Jahren genauso viele tolle internationale Angebote bekommen haben. Ich überlege gerade, ob ich mal neidisch war ...

Man ist ja nie ganz frei davon.

Das stimmt. Aber sobald ich mal ganz kurz neidisch bin, verurteile ich mich immer sofort und denke: Mensch, Jannik, es ist doch alles gut bei dir. Dann konzentriere ich mich wieder darauf, dass gönnen können viel schöner ist.

Sie wurden von einem lokalen Szenemagazin zum „schönsten Mann Berlins gewählt“. Nervt es Sie manchmal, so oft auf Ihr Aussehen reduziert zu werden?

Ja, weil es mir öfter schon Nachteile gebracht hat. Aber zuerst möchte ich anmerken, dass ich natürlich ein ganz anderes Selbstbild habe. Ich finde mich gar nicht so wahnsinnig gut aussehend. Aber 2017 habe ich hintereinander eine ganze Reihe von Absagen bekommen mit der Begründung, dass ich zu schön für die Rolle sei. Man würde mir nicht glauben, leiden zu können. Weil mit einem Aussehen wie dem meinen könne das Leben ja nicht so hart sein. Ich fand wirklich schade, dass man mir damals diese Rollen nicht zugetraut hat.

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