ARD-Krimi

Franken-„Tatort“: Anwalt richtet Menschen im Stundentakt hin

| Lesedauer: 3 Minuten
Arnold Hohmann
Die Kommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) suchen im strömenden Regen auf einem Waldgrundstück nach Hinweisen.

Die Kommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) suchen im strömenden Regen auf einem Waldgrundstück nach Hinweisen.

Foto: Hendrik Heiden / BR

Ein Amok laufender Anwalt hält die fränkischen „Tatort“-Ermittler Ringelhahn und Voss in Atem. Selten war die Krimi-Reihe so spannend.

Essen.  Der Mann auf der Toilette (Thorsten Merten) ist ein Rechtsanwalt, dem es augenscheinlich nicht gut geht. Er schwitzt, atmet schwer und müsste eigentlich längst im Sitzungssaal anwesend sein. Als er ihn schließlich betritt, hat er eine Pistole in der Hand, zerrt den Richter von seinem Platz und erschießt ihn, nach kurzem Zögern, um genau 14 Uhr. Eine knappe Stunde später betritt er die Bayreuther Universität, schießt zunächst eine Laborantin an, zerrt sie über die Flure zu einer ganz bestimmten Stelle, um sie dort, genau um 15 Uhr, ebenfalls zu töten.

Einen solch atemlosen Einstieg in einen „Tatort“ hat man wohl selten gesehen. Alles an „Ein Tag wie jeder andere“ wird auf Tempo gespielt, ist weniger ein Krimi, mehr schon ein tadelloser Thriller.

Dreharbeiten im Festspielhaus von Bayreuth sind selten

Das Ermittler-Gespann aus Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), das diesem Töten fassungslos gegenübersteht, muss damit rechnen, dass um 16 Uhr ein weiterer Toter zu beklagen sein könnte. Allerdings hat man inzwischen mit dem wenig seriösen Fabrikanten Koch (Jürgen Tarrach) ein potenzielles drittes Opfer ausgemacht.

Das aber sitzt in diesem Moment im Bayreuther Festspielhaus. Dort drehen zu können, sei nicht alltäglich, betont Produzent Jakob Claussen: „Unser ,Tatort‘ ist erst der dritte Spielfilm, dem diese Ehre zuteil wurde.“

Ermittler geraten erstmals aneinander

Regisseur Sebastian Marka und sein Drehbuchautor Erol Yesilkaya, die bereits sechs „Tatort“-Filme zusammen kreiert haben, meiden hier alle Standards eines Durchschnitts-Krimis und gehen aufregende neue Pfade. Mal konfrontieren sie den Zuschauer mitten im Film mit einem möglichen Ende, obwohl das eigentliche Drama des Ganzen noch bevorsteht. Mal gibt es klug eingestreute kurze Rückblenden.

Neben all dem zeigen die beiden Autoren auch noch, wie subtil sie mit ihren beiden Ermittlern umgehen können. Natürlich ist das Geschehen auch an Felix Voss und Paula Ringelhahn nicht spurlos vorbeigegangen. Sie tragen ihr eigenes Drama aus, indem sie zum ersten Mal aneinandergeraten.

Die letzten 15 „Tatort“-Minuten sind herausragend

Die sonst so besonnen wirkende Ringelhahn leidet im Laufe des Films darunter, einen Menschen erschossen zu haben, will aber vor allem deswegen nun Methoden ergreifen, die sie als Polizeibeamtin niemals benutzen dürfte. Voss erkennt seine sonst so nette Kollegin kaum wieder und beharrt auf seinem Amtseid. „Auch richtige Arschlöcher haben Rechte“, erinnert er sie.

Man muss vorsichtig sein, will man von diesem herausragenden Film erzählen. Zu schnell hat man zu viel verraten. Nur so viel sei gesagt: Die 15 Minuten gegen Ende mit ihrer ganzen Raffinesse und ihrem finsteren Ort sind vielleicht das Spannendste, das wir in diesem Jahr zu sehen bekommen.

Fazit: Ein Rechtsanwalt richtet Menschen im Stundenrhythmus hin. Aber ihn zu stellen macht die Dinge noch viel komplizierter. Ein „Tatort“, der vibriert.

ARD, Sonntag, 24. Februar, 20.15 Uhr

( BR )

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