Prozess

Sexueller Missbrauch: R. Kelly beteuert seine Unschuld

In zehn Fällen wird dem Sänger R. Kelly inzwischen sexueller Missbrauch vorgeworfen. In seinem ersten Interview verteidigte er sich.

R. Kelly hat sich in Chicago den Behörgen gestellt.

R. Kelly hat sich in Chicago den Behörgen gestellt.

Foto: Victor Hilitski / dpa

Chicago.  Gegen den Sänger R. Kelly gab es in der Vergangenheit immer wieder Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs und Belästigung Minderjähriger. Inzwischen steht der R&B-Sänger deswegen vor Gericht.

In seinem ersten Fernsehinterview seit der Anklage hat R. Kelly nun seine Unschuld beteuert. In einem am Dienstag (Ortszeit) vorab veröffentlichten Ausschnitt des Gesprächs für die Sendung „CBS This Morning“ nannte der verärgert wirkende R. Kelly die Vorwürfe, minderjährige Mädchen missbraucht zu haben, „nicht wahr“.

„Egal, ob sie alte Gerüchte, neue Gerüchte oder zukünftige Gerüchte sind.“ Auf die Frage, ob er Mädchen gegen ihren Willen festgehalten habe, erklärte R. Kelly unter Tränen: „Das bin nicht ich! Ich kämpfe um mein verdammtes Leben!“

R. Kelly war am 22. Februar wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen angeklagt worden. Die Fälle stammen aus den Jahren 1998 bis 2010 und drehen sich um vier teils minderjährige Opfer, wie Chicagos Staatsanwältin Kim Foxx erklärte. Drei der Opfer waren zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Missbrauchs jünger als 17 Jahre.

Die „Chicago Tribune“ berichtete unter Berufung auf Gerichtsdokumente, dass gegen den 52-jährigen Sänger ein Haftbefehl vorliege. Der Sänger stellt sich freiwillig den Behörden.

Allerdings bestritt er die Taten. Medienberichten zufolge erschien er zum Prozessauftakt in Chicago in orangefarbener Häftlingsuniform im Gerichtssaal. Er hatte das Wochenende im Gefängnis verbracht. Die Kaution wurde auf eine Million Dollar festgesetzt, das sind 880.000 Euro – offenbar zu viel für Kelly, um auf Kaution freizukommen.

Kellys Anwalt Steve Greenberg sagte zu den Vorwürfen, dass Kelly ein „Rockstar“ sei und „keinen nicht-einvernehmlichen Sex haben muss“.

Einige Tage zuvor war laut Anwalt Michael Avenatti ein neues, 45 Minuten langes Video aufgetaucht, das den R&B-Sänger beim Sex mit einem minderjährigen Mädchen zeigen soll. „Nach fortlaufendem sexuellen Missbrauch und sexuellen Übergriffen gegen minderjährige Mädchen über 25 Jahre ist der Tag der Abrechnung für R. Kelly gekommen“, schrieb Avenatti am Freitag bei Twitter bevor die Staatsanwaltschaft die Anklage verkündete. „Es ist vorbei.“

TV-Dokumentation hatte neue Vorwürfe gegen R. Kelly hervorgebracht

Gegen R. Kelly („I Believe I Can Fly“) waren Anfang Januar in einer TV-Dokumentation Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erhoben worden. Diese reichen bis in die 90er Jahre zurück. Kelly hat die Vorwürfe mehrfach abgestritten. Sein Anwalt Steve Greenberg kommentierte die Anklage vorerst nicht. Zuvor hatte er erklärt, dass Kelly „abstreitet, illegale Handlungen jeglicher Art“ vorgenommen zu haben.

Am Donnerstag hatten zwei weitere Frauen Kelly in New York beschuldigt, sie missbraucht zu haben. Die heute 39 und 40 Jahre alten Frauen sollen zum Zeitpunkt der Übergriffe 15 und 16 Jahre alt gewesen sein. Sie erklärten, den Sänger bei einem Konzert kennengelernt zu haben. Spätestens seit diesen Aussagen war klar: Alte und neue Missbrauchsvorwürfe holen R. Kelly ein.

Welche Rolle das neu aufgetauchte Video bei der Anklage spielen wird, ist unklar. Avenatti ist einer der prominentesten Anwälte der USA und vertrat zuletzt die frühere Porno-Darstellerin Stormy Daniels bei ihrer Verleumdungsklage nach einer behaupteten Affäre mit Präsident Donald Trump. Wie er an das neue Video gelangte und wen er im Rahmen der Vorwürfe gegen R. Kelly vertritt, sagte Avenatti nicht. Unklar ist auch, ob auf mögliche Opfer Druck ausgeübt wurde. Wollte R. Kelly ein mutmaßliches Opfer zum Schweigen bringen?

Die ersten Vorwürfe gegen R. Kelly wurden vor 20 Jahren bekannt, verurteilt worden ist der dreifache Grammy-Gewinner bisher nicht. Eine Ehe mit der mittlerweile verstorbenen Sängerin Aaliyah, die zum Zeitpunkt des Eheschlusses minderjährig war, wurde annulliert. 2002 wurde Kelly im Zusammenhang mit einem Sex-Video wegen des Verdachts auf Kinderpornografie festgenommen. 2008 wurden aber alle Vorwürfe gegen ihn fallengelassen.