Staatsbürgerschaft

US-Justiz will gegen chinesischen Gebärtourismus vorgehen

Sie heißen „Anker-Babys“: Kinder, die in den USA zur Welt kommen, damit sie Staatsbürger werden. Die US-Justiz will dagegen vorgehen.

Ultraschalluntersuchung bei einer Schwangeren (Archivbild).

Ultraschalluntersuchung bei einer Schwangeren (Archivbild).

Foto: imago stock&people / imago/blickwinkel

Washington.  Frauen der aufsteigenden Mittelschicht in China , die bei den im Großraum Los Angeles ansässigen Reisebüros „Star Baby Care“, „You Win USA Vacation Services“ oder „Happy Baby USA“ anrufen, sind nicht an günstigen Tickets für Disneyland oder die Filmstudios von Hollywood interessiert. Sie wollen niederkommen. In den USA. Damit ihre Kinder die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangen.

Was nach Berechnungen einwanderungskritischer Verbände im Jahr allein zu rund 35.000 „neuen“ Amerikanerinnen und Amerikaner mit Wurzeln im Riesenreich in Fernost führt. Zum ersten Mal hat die Justiz in Kalifornien jetzt dem dort besonders florierenden Gebär-Tourismus Grenzen gesetzt.

Visa-Betrug, Geldwäsche und Diebstahl

Mit Dongyuan Li, Michael Wei Yueh Liu und Jing Dong wurden drei Top-Funktionäre der besagten Firmen festgenommen. 20 weitere Personen wurden angeklagt. Die Vorwürfe: Geldwäsche, Steuerbetrug, Identitäts-Diebstahl und - ganz zentral - Verstöße gegen die Einwanderungsgsetze; sprich: Visa-Betrug.

Nach der Ankunft an der US-Westküste erwartete die Kundinnen in Gegenden wie Rowland Heights bei L.A die komplette Infrastruktur sogenannter „Entbindungs-Hotels“. Damit sind gediegene Appartement-Häuser mit angemieteten Wohnungen gemeint, die vor und nach der Geburt als Domizil für Mutter, Kind und Anhang dienen. Plus Rundumversorgung mit Ärzten, Kindermädchen, und, zur Zerstreuung, Ausflügen in Einkaufszentren oder nach Beverly Hills.

Geld-zurück-Garantie, falls etwas schief läuft

Einen Monat nach der Niederkunft reisen Mutter und Kind mit allen nötigen Papieren wieder in die Heimat. Kostenpunkt für das ganze Paket: bis zu 100.000 Dollar. „USA Happy Baby“ bot seiner Klientel eine Geld-zurück-Garantie an; falls sie bei der Einreise auffliegen und abgewiesen werden.

Die Motivation der Mütter in spe: „Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren sind“, sagt der 14. Zusatzartikel der Verfassung, „sind Bürger der Vereinigten Staaten.“ Und damit befugt, später an öffentlichen Schulen und Universitäten zu studieren oder ohne Visum ein Arbeitsverhältnis aufzunehmen. Gut situierte Chinesen, sagen Experten in Kalifornien, „wappnen sich so gegen etwaige Umbrüche in der Heimat; politisch wie wirtschaftlich“. Haben die Kinder erst den US-Pass, können sie später als Erwachsene die Einbürgerung von Familienmitgliedern vorantreiben.

Gegen diese „Ketten-Immigration“ durch „Anker-Babys“ hatte sich erst im vergangenen Herbst massiv Präsident Donald Trump ausgesprochen. Seiner Ankündigung, das Recht auf automatische Staatsbürgerschaft von Kindern, die in den USA geboren werden, per Dekret auszuhebeln, folgten allerdings bisher keine Taten.

Maternity Hotels wurden geschlossen

Auch im aktuellen Fall hält sich der Optimismus der Behörden, das Tun der rund 300 einschlägigen Anbieter allein in Kalifornien wirklich einschränken zu können, in Grenzen. Den Anklagen gegen die drei Veranstalter, von denen einer pro Jahr rund 1,5 Millionen Dollar mit seinem Service einnimmt, ging eine Großrazzia voraus, bei denen mehrere „maternity hotels“ gefilzt und geschlossen wurden.

Begründung: Gewerbliche Geburtshilfe in Wohngebieten sei verboten. Das war 2015. Danach kam jahrelange Kleinarbeit. Vor allem Übersetzungen vom Chinesischen ins Englische, Vernehmungen, Hilfsersuchen an Behörden in China. Alles andere als ein Kinderspiel.