Kältewelle

Kältewelle in den USA: Temperaturen steigen um fast 50 Grad

Die Kältewelle in Teilen der USA hält weiter an. Sie erreicht nun auch die Ostküste. Landesweit starben bereits mehr als 20 Menschen.

Eisige Temperaturen mit rekordverdächtigen Minuswerten hatten weite Teile der USA im Griff. Die Kältewelle erreicht jetzt die Ostküste.

Eisige Temperaturen mit rekordverdächtigen Minuswerten hatten weite Teile der USA im Griff. Die Kältewelle erreicht jetzt die Ostküste.

Foto: Peter Pereira / dpa

Chicago.  Mindestens 21 Kältetote, viele Unfälle, ein teils verzweifelter Kampf gegen die Kälte: Die USA sind von extremen Tieftemperaturen getroffen worden.

Nun geht es endlich bergauf – zumindest im Mittleren Westen. Gleichzeitig wird es an der Ostküste kühler: Der Nationale Wetterdienst (NWS) hat Warnungen für Boston rausgegeben. In den anderen Regionen, in denen Temperaturen von bis zu minus 40 Grad geherrscht haben, gibt es nun ein Kontrastprogramm.

Am Samstag soll es im mittleren Westen der USA 15 Grad werden. Das sind Temperaturunterschiede von fast 50 Grad.

Die Kältewelle in Kürze:

  • Seit etwa einer Woche herrschen im Mittleren Westen extreme Tieftemperaturen
  • Donnerstag gab es teilweise von unter minues 30 Grad – zum Beispiel in Chicago
  • Drei Bundesstaaten hatten den Katastrophenfall ausgerufen
  • Nun sind Werte um die zehn Grad zu erwarten
  • US-Präsident Donald Trump leugnet den Klimawandel – auch, wenn Experten gute Gründe anführen

Kälte in den USA - Polarwirbel verantwortlich

Ein Polarwirbel hatte für den extremen Kälteinbruch von Temperaturen bis minus 40 Grad gesorgt. In Zukunft könnte es dazu sogar häufiger kommen, sagen Forscher.

Dieser Wirbel entsteht im Winter über dem Nordpol. Weil dort kein Sonnenlicht die Luftschicht der Erde erwärmt, sammelt sich kalte Luft an. Der Luftdruck ist tief. So entstehen stärkere Winde, die aus dem Westen wehen. Die nennt man Polarwirbel.

Der Wirbel bleibt normalerweise über der Arktis, sagen die Experten. Doch es kann passieren, dass sich Teile lösen und Richtung Süden wandern. Das ist gerade der Fall. Deshalb ist es in Teilen der USA und auch in Kanada gerade so kalt.

Kälte in den USA weiter lebensgefährlich

Klimaforscher rechnen in den kommenden Jahren mit häufigeren Kälteausbrüchen als Folge der Schwäche des Polarwirbels. „Von Zeit zu Zeit kann die arktische Luft, die normalerweise wie eingezäunt auf dem Pol festsitzt, dort ausbrechen und auf die angrenzenden Kontinente wandern“, sagte der Leiter des Bereichs Erdsystemanalyse beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Prof. Stefan Rahmstorf, der Deutschen Presse-Agentur.

Das passiere vor allem, wenn der sogenannte Polarwirbel schwach sei, zusammenbreche, sich umdrehe oder - wie jetzt - in zwei Teile zerbreche.

Der National Weather Service sagt für den Mittleren Westen und den Norden der USA weiterhin lebensgefährliche Kälte voraus. Klirrender Frost verbunden mit teils auffrischendem Wind führe zu Bedingungen, die anfälligen Menschen Probleme bereiten könnten.

Kälte in den USA - schon 21 Tote

Am Donnerstag waren stellenweise Temperaturen von deutlich unter minus 30 Grad Celsius gemessen worden. Schulen blieben geschlossen, Postboten konnten keine Briefe mehr zustellen. Auch Flugzeuge konnten nicht fliegen oder hoben verspätet ab, weil sie vereist waren.

Mindestens drei Bundesstaaten riefen den Katastrophenfall aus. Einwohner sollten idealerweise Zuhause bleiben, sich mindestens aber vor der Kälte umfassend schützen.

In Chicago war es kälter als in der Antarktis

In der Millionenmetropole Chicago im Bundesstaat Illinois – im Winter ohnehin immer eisig – wurden in den vergangenen Tagen Temperaturen von unter minus 30 Grad gemessen. Das ist kälter als in Teilen der Antarktis. Die Behörden richteten mehr als 60 Wärmestuben für Wohnungslose ein.

Die gefühlten Temperaturen – in den USA spricht man von „Windchill“-Werten – liegen oft deutlich tiefer als die gemessenen. Der „Windchill-Effekt“ beschreibt die Abkühlung der Haut bei erhöhter Windgeschwindigkeit.

Zum Mittleren Westen der USA gehören diese Bundesstaaten:

  • Illinois,
  • Indiana,
  • Iowa,
  • Kansas,
  • Michigan,
  • Minnesota,
  • Missouri,
  • Nebraska,
  • North Dakota,
  • Ohio,
  • South Dakota
  • Wisconsin

Bis Sonntag müssen die Amerikaner einen starken Kreislauf beweisen. Dann sollen die Temperaturen vielerorts um mehr als 30 Grad Celsius klettern und fast 20 Grad Celsius plus erreichen.

So eisig wie in den USA ist es in Deutschland derzeit zwar nicht. Doch auch bei uns bleibt es kalt. Das sind wichtige Fragen zum Umgang mit Frost.

Hund und Besitzer aus See gerettet

Beinahe hätten die eisigen Temperaturen auch für den Tod eines Hundes und seines Herrchen gesorgt. Wie ABC berichtet, sei ein Welpe bei -15 Grad weggelaufen und in einen See gefallen. Sein Besitzer habe den Hund retten wollen, sei dabei aber selbst hineingefallen.

Zeugen reagierten sekundenschnell, bildeten eine Menschenkette und zogen den Mann aus dem Wasser. Auch der Hund sei gerettet worden. Das Fell des Tieres sei gefroren gewesen, heißt es.

Im Carroll County in Indiana starb örtlichen Medien zufolge ein Zebra auf einer Privatfarm in der Kälte. Die Tageszeitung „USA Today“ warnte Haustierbesitzer, ihre „pelzigen Freunde“ möglichst drinnen zu behalten oder sie, etwa beim Gassigehen, ebenfalls warm anzuziehen. „Wenn es zu kalt für dich ist, ist es zu kalt für sie.“

US-Präsident Trump macht Witze über Klimawandel

US-Präsident Donald Trump leugnet die Existenz des Klimawandels – und machte sich denn auch schon auf Twitter lustig: „In den nächsten Tagen soll es noch kälter werden. Menschen können draußen kaum Minuten überstehen. Was zur Hölle ist nur mit der Erderwärmung los? Komm schnell zurück, wir brauchen dich“, twitterte der Regierungschef, der das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hat.

Das wiederum bewegte viele Meteorologen, öffentlich zu erklären, dass Wetter nicht das gleiche wie Klima ist – und warum die Erderwärmung tatsächlich der Grund sein könnte, dass Polarwirbel in niedrigere Breiten gelangen.

So wird das Wetter in den nächsten Tagen in Chicago

  • Freitag: - 6 Grad
  • Samstag: 4 Grad
  • Sonntag: 7 Grad

Meteorologe Jörg Kachelmann schreibt auf Twitter, dass man trotz der niedrigen Temperaturen nicht von einer Rekordkälte sprechen könne. Auch sei das Wetter nicht dem Klimawandel zuzuordnen – wenngleich er betont:

„Es gibt eine Klimaerwärmung und einen menschlichen Anteil daran. Unwissenschaftlichkeit ist, das zu verneinen, aber auch zu vergessen, dass es trotzdem und unabhängig davon Wetterereignisse in alle Richtungen gibt, die ihm nicht gebetsmühlenartig zugeordnet werden können.“

Darüber hinaus sei die derzeitige Kälteperiode nur sehr kurz. Bereits am Samstag sollen die Temperaturen wieder den Gefrierpunkt übersteigen.

Tipps zum Umgang mit Kälte:

(bekö/ses/sdo/dpa)