Verbraucherschutz

Sexspielzeug im Test: Stiftung Warentest findet Schadstoffe

Stiftung Warentest hat in Sextoys einiges gefunden, was im Intimbereich nichts verloren hat. Was man über Dildo und Co. wissen sollte.

Sexspielzeug im Test: Gewinner und Verlierer – plus die heißesten Trends
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Berlin.  Die Stiftung Warentest hat Sexspielzeug auf Schadstoffe getestet und einiges gefunden, was im Intimbereich nichts verloren hat. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Note „Befriedigend“ ist auch in diesem Test nur Mittelmaß.

Es gibt aber auch einige „sehr gute“ Kandidaten. Wie die Geräte zum Höhepunkt führen und was Verbraucher sonst noch über Dildo, Vibrator und Co. wissen sollten.

Saugen, vibrieren, stoßen, pulsieren, massieren – wer gerade keinen Partner zur Hand hat, dem können Sexspielzeuge heute nahezu jeden Wunsch erfüllen. Wer zu zweit Neues ausprobieren will, braucht nicht mehr im Kamasutra blättern. Man klemmt sich neuartige Partnergeräte zwischen die Geschlechtsteile und lässt sich gemeinschaftlich beglücken.

Die Zeiten fleischfarbener Plastikungetüme sind dabei lange vorbei. Hippe Lustgeräte kommen mittlerweile als pastellfarbene Handschmeichler mit Ladekabel, Fernbedienung oder eingebauter Kamera daher.

Krebserregende Stoffe im getesteten Sexspielzeug

Manchmal sind es aber auch diese technischen Neuerungen, die zum Problem werden können. So gab der Ladekontakt des von Stiftung Warentest geprüften „Sync Couples“ der Marke We-Vibe – ein vibrierendes Gerät, das zu zweit genutzt werden soll – im Test so viel Nickel ab, dass es nach Angaben der Prüfer gar nicht hätte verkauft werden dürfen.

Nickel ist das häufigste Kontaktallergen.

  • Entwickelt sich eine Allergie, kann es zu Entzündungen,
  • Schwellungen,
  • Rötungen oder
  • Ekzemen kommen.

„The Realistic Cock“, ein Vibrator der Marke Doc Johnson, roch laut Test von Stiftung Warentest schon im Laden streng und war stark mit Phenol belastet. Der Stoff steht im Verdacht, Gendefekte zu verursachen.

Der Bade-Enten-förmige Auflege-Vibrator „I rub my duckie“ der Marke Big Teaze Toys sowie die Liebeskugeln „Joyballs Secret“ von Joydivision enthielten dagegen große Mengen sogenannter PAK (polyzyklischearomatische Kohlenwasserstoffe), von denen einige als krebserregend gelten. Alle vier Geräte erhielten die Note „mangelhaft“.

Diese Sexspielzeuge schnitten am besten ab

Als sauber und damit „sehr gut“ bewerteten die Tester unter anderem den „Ocean Mini Vibrator“ der Firma Fun Factory, den Vibrator „Space Rider 3000“ von You2Toys sowie den Vibrator „Siime“ von Svakom mit Kamera an der Spitze. Ob sich die Geräte bei der Anwendung als vergnüglich erwiesen, prüften die Verbraucherschützer nicht.

Dafür haben die Hersteller Probanden, die ihre Erfahrungen zu Protokoll geben. „Unsere Geräte werden Mithilfe von externen Nutzergruppen zwischen 20 und 200 Personen ausprobiert“, sagt etwa Simone Kalz, Leiterin der Produktentwicklung des Bremer Sextoy-Herstellers FunFactory.

„Diese testen Prototypen im Heimgebrauch und füllen dann Fragebogen aus. Das Sexspielzeug wird erst produziert, wenn 100 Prozent der Gruppe zufrieden sind.“ Der schwedische Sextoy-Entwickler Lelo verlässt sich auf Eigenexpertise. „Unsere Tester sind alle Vollzeitangestellte, ergänzt von wenigen ausgewählten Experten“, sagt Lelo-Marken-Chef Stu Nugent.

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Unternehmen hat Zweifel an Test-Ergebnissen

Auch Wow-Tech, das Unternehmen hinter den Marken „We-Vibe“ und „Womanizer“ setzt auf Probandentests. In Puncto Schadstoffe könnte es aber Nachholbedarf geben: Modelle beider Marken schnitten bei den Warentestern befriedigend bis mangelhaft ab.

„Unsere oberste Priorität ist die Sicherheit und Zufriedenheit unserer Kunden. Dazu zählen wir selbstverständlich auch die Schadstofffreiheit unserer Produkte“, kommentiert Tobias Zegenhagen, Leiter Forschung und Entwicklung bei Wow-Tech.

„Um dies sicherzustellen, werden alle unsere Produkte von unabhängigen Instituten auf gesetzlich festgelegte Werte für Schadstoffe getestet. Daher müssen wir die Testbedingungen und -ergebnisse von Stiftung Warentest jetzt zunächst prüfen.“

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Hersteller: Höhepunkt ist das oberste Ziel

Ob die Stimulationstechnik überzeuge, werde in mehrstufigen Verfahren geprüft: „In der Anfangsphase testen kleine Gruppen die Prototypen und man bespricht Stärken und Probleme im Eins-zu-Eins-Gespräch“, erklärt Zegenhagen. „In späteren Entwicklungsphasen testen dann größere Gruppen, bei einem aktuellen Produkt beispielsweise 140 Probanden.“

Der Orgasmus ist dabei stets das oberste Ziel, wie nahezu alle Hersteller auf ihren Internetseiten erklären. Ein wenig Verständnis der Anatomie ist dafür unverzichtbar. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt bei der Frau ist die Klitoris. In ihr laufen über 8000 empfindliche Nervenenden zusammen.

Kein Unterschied zwischen klitoralem und vaginalem Orgasmus

„Es wurde lange zwischen klitoralem und vaginalem Orgasmus unterschieden, mittlerweile weiß man, dass es diesen Unterschied nicht gibt“, erklärt Dr. Lisa Rustige, Assistenzärztin im Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

„Die Klitoris bildet ein umgedrehtes V, ihre Schenkel umschließen die Schwellkörper und den Scheideneingang“, so die Ärztin. Verschiedene Arten der Stimulation könnten so über die Klitoris zum Orgasmus führen. Besonders beliebt ist die leicht zugängliche Klitoriseichel, die die freiliegende Spitze des umgedrehten V bildet. Hier setzen zum Beispiel Vibratoren zum Auflegen an.

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Existenz des G-Punkts umstritten

Die Existenz der Gräfenberg-Zone, besser bekannt als G-Punkt, ist hingegen umstritten. Er soll etwa fünf Zentimeter hinter dem Scheideneingang liegen. „Einige Forscher vermuten, dass es sich dabei um versprengtes Prostata-Gewebe handelt, die Stimulation soll den Orgasmus intensivieren“, so Rustige, „erwiesen ist das aber nicht.“

Eindeutiger sind die Befunde beim Mann. „Durch das Bewegen der Vorhaut über die Eichel wird der Penis stimuliert“, erklärt die Ärztin. Auch bei den Herren laufen hier viele Nerven zusammen. Die Prostata gilt als G-Punkt der Männerwelt, „aber deren Stimulation wirkt vor allem verstärkend auf den Orgasmus“, so Rustige.

Hersteller setzten auf neue Stimulations-Systeme

Zwar sei ein Höhepunkt durchaus auch über die Prostatastimulation allein möglich. „Das geht über alle erogenen Zonen und sogar über die Phantasie allein. Aber der Reflexzyklus des Orgasmus wird in erster Linie über die Nervenfasern der Klitoris und des Penis angestoßen.“

Simple Vibratoren, die erogene Zonen durch Auflegen oder Einführen stimulieren, haben alle Hersteller im Angebot. Dabei wird ein Schwungkörper mithilfe eines Motors im Inneren der Geräte in Schwingung versetzt. Viele Anbieter aber setzen mittlerweile auch auf neue Stimulations-Systeme, die den Höhepunkt auf anderen Wegen herauskitzeln sollen.

So etwa die sogenannten Pulsatoren von Fun Factory. „Mit Spulen wird Strom erzeugt, durch den Magneten im Inneren der Geräte Hin und Her geschossen werden. So imitieren die Geräte die Stoßbewegung des Mannes und können zusätzlich vibrieren“, sagt Produktentwicklerin Simone Kalz. „Das Gerät wird eingeführt und funktioniert dann auch freihändig – bei Mann und Frau.“

Schalltechnologie soll alles zum Schwingen bringen

Beim schwedischen Konkurrenzunternehmen Lelo setzen die Entwickler auf Schalltechnologie für die Klitoris. „Eine Schall-Einlage unter dem Silikon bringt die Luft in dem Hohlraum des Gerätemundes – einer Silikonöffnung – zum Schwingen“, erklärt Stu Nugent.

„Daher überträgt das Gerät Empfindungen viel tiefer in die Klitoris und stimuliert die gesamte innere Struktur und nicht nur die Nervenenden der Oberfläche“. Das System basiere auf dem gleichen Prinzip, das von großen Musiklautsprechern für die Basswiedergabe verwendet werde.

Keine Orgasmus-Garantie

Ähnlich stimulieren auch Geräte der Marke „Womanizer” von Wow Tech. Das Unternehmen ließ sich die Technologie 2013 sogar unter dem Namen „Pleasure Air Technology“ patentieren. „Die Silikon-Öffnung des Gerätes wird durch Auflegen auf die Klitoris verschlossen. In diesem Hohlraum werden abwechselnd Unter- und Überdruck erzeugt“, sagt Wow-Tech- Entwickler Tobias Zegenhagen.

So stimuliert das Gerät die Klitoris und soll auf diese Weise einen Orgasmus herbeiführen, den ein Mensch nicht ohne weiteres nachahmen könne, so Zegenhagen. Vergleichbare Innovationen für Männerspielzeuge gebe es bisher kaum. „Die Nutzung von Vibratoren für die Prostata stellen für viele Männer ein Problem dar.“

Einige Neuentwicklungen von Fun Factory fokussieren auf den Penis. Intensive Orgasmen soll etwa ein Gerät liefern, das die Eichel vibrierend umschließt und so Oralsex nachahmt.

Eine Garantie für einen Orgasmus gebe es aber weder beim Sex noch bei Sexspielzeug, sagt Simone Kalz. „Das Kopfkino muss mitspielen. Ich kann mich nicht zwingen, einen Vibrator zu benutzen und auf bessere Zeiten hoffen“, so die Produktentwicklerin. „Jeder Körper reagiert an jedem Tag anders. Aber an guten Tagen kann so ein Orgasmus gigantisch sein.“