Spanien

Nach Julen wieder Toter in einem Schacht: 45-Jähriger stirbt

Zwei Tage nach Julens Bergung haben Polizisten einen weiteren Toten entdeckt. In einem anderen Schacht fanden sie einen 45-Jährigen.

Julen tot geborgen

Der zweijährige war Mitte Januar in einen über 100 Meter tiefen Schacht gestürzt. Bergungsteams hatten Wochenland um seine Rettung gerungen.

Julen tot geborgen

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Totalán/Málaga.  Wieder ein schockierender Fund in Spanien: Die Bergung des in einen Brunnenschacht gestürzten Julen war erst zwei Tage her, da haben Polizisten am Montag eine neue Leiche gefunden.

Wie das Portal „Malaga hoy“ unter Berufung auf die Behörden berichtet, habe man am Morgen einen 45-Jährigen tot aus einem Schacht bei Villanueva del Trabuco gezogen.

Demnach soll der Mann am Sonntagabend mit seinem Hund spazieren gegangen, aber nicht nach Hause zurückgekehrt sein. Rettungskräften hätten daraufhin nach ihm gesucht und ihm schließlich im Inneren eines Brunnenschachts entdeckt.

Mann wollte offenbar seinen Hund retten

Auf Fotos vom Fundort ist zu sehen, dass der Schacht mit einer etwa einen Meter hohen Betonumrandung gesichert ist. Auch soll sich der Mann gut in der Gegend ausgekannt haben.

Die Ermittler vermuten daher, dass zunächst sein Hund in den Schacht gestürzt sein könnte und er das Tier habe retten wollen. Auch der Hund war tot im Brunnenschacht gefunden worden.

45-Jähriger tot aus Schacht geborgen – das Wichtigste:

  • Kurz nach Julens Bergung fanden Polizisten eine zweite Leiche
  • Aus einem anderen Schacht bargen sie einen 45-Jährigen
  • Der Mann wollte offenbar seinen Hund retten
  • Dabei starb er – vermutlich an Unterkühlung

Todesursache womöglich Unterkühlung

Laut „Informativos Telecinco“ wird davon ausgegangen, dass der 45-Jährige an Unterkühlung starb. Der Brunnen sei acht Meter tief und mit Wasser gefüllt gewesen. Erstem Anschein nach habe er mithilfe der Hundeleine versucht, wieder hinauszuklettern.

Villanueva del Trabuco liegt etwa 60 Kilometer nördlich von Totalán, wo der zweijährige Julen ebenfalls in einen Schacht gefallen war und nur noch tot geborgen werden konnte. Laut „El Mundo“ soll es rund eine Million solcher Brunnenschächte in Spanien geben.

Brunnenschächte in Spanien oft illegal gebohrt

Viele dieser Brunnen werden illegal gebohrt – eine Vermutung, die auch im Fall Julen geäußert wurde. Schon vor Tagen war bekannt geworden, dass die Polizei wegen des Brunnenschachtes ermittelt – ob er überhaupt dort hätte sein dürfen.

Laut der spanischen Zeitung „El Mundo“ zielen die Ermittlungen derzeit vor allem auf einen Farmbesitzer und einen Landwirt ab. Mehrere lokale Medien berichten, ihnen drohten mehrere Jahre Haft, da der Schachte illegal sei, der Brunnen nie genehmigt war. „El Mundo“ zitiert dazu Richterin Maria Elena Sancho – eine Baugenehmigung fehle demnach.

Julen stürzte 71 Meter in die Tiefe – und starb kurz darauf

Das Drama um Julen schockierte die Welt. Der Zweijährige stürzte „im freien Fall“ 71 Meter tief , bevor eine Erdschicht seinen Körper stoppte. Offenbar löste sich dabei auch Gestein, das von oben auf den Jungen herabfiel und die Kopfverletzungen verursachte.

Dem Obduktionsergebnis zufolge starb Julen an einem Schädel-Hirn-Trauma. Darüber hinaus erlitt er laut dem Obduktionsbericht mehrere weitere Traumata. Auch die Frage nach dem Todeszeitpunkt ist geklärt: Der Zweijährige starb noch an dem Tag, als er in den Brunnenschacht stürzte.

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma beschreibt man in der Medizin Schädelverletzungen, die durch äußere Gewalteinwirkung zustande kommen. Von einem Traumata spricht man im Allgemeinen, wenn Gewebe verletzt oder verwundet ist.

Julen tot aus Brunnen-Schacht geborgen – das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Zweijähriger war in Spanien in einen 107 Meter tiefen Brunnenschacht gefallen
  • Rettungskräfte suchten tagelang verzweifelt nach dem Kind
  • Es war bei einem Familienausflug verschwunden
  • Helfer fanden in dem Schacht zunächst Haare des Jungen
  • Spezialisten arbeiteten an einem Rettungsschacht
  • Rettungskräfte mussten den Schacht hinuntersteigen
  • Es wurden Ermittlungen eingeleitet
  • Der Brunnenschacht war offenbar gar nicht gesichert – und nicht genehmigt
  • Die Eltern haben bereits ein Kind verloren
  • Schließlich bargen die Rettungskräfte den Zweijährigen tot
  • In Spanien herrscht große Trauer
  • Julen starb an schweren Hirn- und mehreren anderen Verletzungen
  • Zwei Tage später fanden Polizisten einen toten Mann – ebenfalls in einem Schacht

Beerdigung von Julen in Malaga

Am frühen Sonntagnachmittag wurde Julen im Viertel El Palo der andalusischen Stadt Málaga unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Tränen und weiße Blumen hätten die Beerdigungszeremonie geprägt, schrieben Medien.

Die Feier war für 13.30 Uhr auf dem Friedhof von El Palo, Málaga geplant. Hunderte Menschen versammelten sich am Mittag vor dem Friedhof, um Abschied von dem Zweijährigen zu nehmen.

Julen tot geborgen

Der zweijährige war Mitte Januar in einen über 100 Meter tiefen Schacht gestürzt. Bergungsteams hatten Wochenland um seine Rettung gerungen.
Julen tot geborgen

Julens Bruder starb an Herzversagen

Die Familie des Jungen hatte darum gebeten, die Privatsphäre der Familie zu respektieren. Der Stadtrat von Málaga hat drei Tage offizielle Trauer erklärt.

Die Eltern des Kindes ist es ein schwerer Schlag: 2017 hatten sie bereits einen Sohn verloren: Damals starb Julens älterer Bruder Oliver bei einem Strandspaziergang mit drei Jahren an Herzversagen.

Rettungskräfte entdeckten Julen nach tagelanger Suche

Um 2.21 Uhr am Samstagmorgen hatten Rettungskräfte nach tagelanger Suche den Zweijährigen in einem Brunnenschacht entdeckt. Zwölfeinhalb Tage hatten Hunderte Einsatzkräfte unermüdlich gearbeitet, um den Jungen auf dem schwer zugänglichen Hügel Cerro de la Corona in Totalán unweit von Málaga zu finden.

Der Kleine war bei einem Ausflug mit seiner Familie in das Loch gefallen. Bei Kameraaufnahmen war im Schacht eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt worden, die Julen bei sich hatte, später waren Haare des Jungen gefunden worden.

Bergung von Julen dauerte Tage

Hunderte Einsatzkräfte hatten unermüdlich gearbeitet, um den zweijährigen Jungen zu finden. Er galt in einem 107 Meter tiefen Brunnenschacht als verschollen. Der Unglücksort am Hügel Cerro de la Corona nahe der Küstenstadt Málaga war nur schwer zugänglich.

Die Arbeit der Bergungskräfte wurde mehrfach kritisiert. Zu schlecht, zu langsam, hatte es geheißen. Dem trat die Feuerwehr entschieden entgegen.

„Nichts wurde dem Zufall Überlassen. Eine vergleichbare Aktion hat es noch nie gegeben“, hatte der Präsident des Feuerwehrverbandes von Málaga, Francisco Delgado Bonilla betont. Man habe „eine sehr anspruchsvolle Arbeit, für die man eigentlich Monate braucht, in Tagen geschafft“.

Mikrosprengung durchgeführt

Die Gesteinsbedingungen hatten die Arbeiten erschwert. „Wir haben dieselben Probleme vorgefunden wie an den vergangenen Tagen: Extrem harter Felsen“, hatte Polizeisprecher Jorge Martín noch am Freitag vor Journalisten gesagt.

Weil das Loch nur einen Durchmesser von 25 bis 30 Zentimetern hat, hatten die Retter entschieden, einen parallelen Schacht auszuheben, um zu Julen vorzudringen. Er wurde in einer Tiefe von 70 bis 80 Metern vermutet.

Ermittlungen eingeleitet

Auch die spanische Justiz schaltete sich in den Fall ein. Am Gericht in Málaga ist laut der Zeitung „El Pais“ ein Verfahren eröffnet worden. Wie der Fernsehsender RTVE erfahren hat, habe es nämlich keine Genehmigung für einen mehr als 100 Meter tiefen Brunnen gegeben.

Zudem wurde angeprangert, dass es keine Absicherung des Loches gegeben habe. Es sei lediglich mit Steinen abgedeckt worden. „El Pais“ berichtet unter Berufung auf einen Brunnenbauer, dass sich der Ort bei einem weiteren Besuch verändert habe. Die Absicherung mit Steinen sei weg gewesen.

„Mondscheinlöcher“ im Fokus

Dass sich ein solches Unglück wiederholen könnte, ist nicht ausgeschlossen: Schließlich gibt es in Spanien zahlreiche illegale Löcher, die man auch „Mondscheinlöcher“ nennt. Nach Schätzung der Umweltorganisation Greenpeace gibt es im ganzen Land über eine Million davon.

„El Mundo“ schrieb, in Wirklichkeit seien es viel mehr. Und „diejenigen Bohrungen, die nicht zum Erfolg führen, werden mehr schlecht als recht zugedeckt“.

Seit Jahren regnet es in Spanien aufgrund des Klimawandels zu wenig. Flüsse trocknen aus, vor allem im Süden und im Landesinneren gibt es immer mehr steinwüstenähnliche Landschaften.

Besitzer von Grundstücken und Fincas beauftragen deshalb sogenannte „Poceros“, erfahrene „Löchergräber“ mit Bohrungen, die oft in Nacht- und Nebelaktionen nachts nur bei Mondbeleuchtung gegraben werden. Im Volksmund heißen diese Schächte deshalb „Mondscheinlöcher“. (dpa/cho/ses/bkö/sdo/ac/moi/les)

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