Gesellschaft

Geschäftsmodell Heirat: "Und das ist auch gut so"

Manche Frauen machen es sich einfach und suchen sich vermögenden Partner. Das ist genau richtig, sagt Autorin Sandra Weiss. Feminismus sei Käse.

Eine Hochzeitsfeier in Deutschland in den 50er-Jahren - manch einer wünscht sich diese eindeutige Zeit zurück.

Eine Hochzeitsfeier in Deutschland in den 50er-Jahren - manch einer wünscht sich diese eindeutige Zeit zurück.

Foto: imago stock&people / imago/Gerhard Leber

Berlin. Romantische Komödien aus den Neunzigern wie „Pretty Woman“, „Während Du schliefst“ – aktuell auch der Kino-Erfolg „Crazy Rich Asian“ handeln vom Märchen der Liebe und vom Traum der Klassenmobilität – für die Frau. Durch Charme bekommt das Mädchen aus einfachen Verhältnissen den wohlhabenden Kerl. In Zeiten von Gender-Pay-Gap und schlechter Altervorsorge kommen diese Filme allerdings fast wie Ratgeber oder Lebenshilfebücher daher.

Und nein, es ist nicht überliefert, was Melania Trump (48) am Traualtar gedacht hat. Ob sie mehr über die Schmetterlinge in ihrem Bauch oder ein für die Ewigkeit abgesichertes Leben im Luxus sinniert hat. Auch nicht, was Holly Madisons Überlegung war, als sie zu dem mittlerweile verstorbenen „Playboy“-Gründer Hugh Hefner auf seine Ranch zog.

Und da wäre auch noch das Model Nathalie Volk (21), das mit dem Otto-Erben Frank Otto (61) liiert ist. Verbindungen, denen keineswegs die Liebe abgesprochen werden soll, die aber im betriebswirtschaftlichen Sinne sicher als Beispiele für gewinnbringende Versorgungsmodelle genügen.

Ehe: Die Autorin Sandra Weiss plädiert dafür, aus Vernunftsgründen zu heiraten

„Und das ist auch gut so“, findet die Autorin und zweifache Mutter Sandra Weiss. Die Verfasserin mehrerer Sachbücher plädiert nämlich heute für die Vernunftehe und sagt: „Frauen, angelt euch einen reichen Kerl.“ Wie bitte? Nein, sie könne es ja erklären, sagt sie und lacht.

Sandra Weiss, 64-jährige pensionierte Hebamme aus Bonn, durfte als Kind keine Hosen tragen, genoss keine gute Ausbildung, heiratete damals in Frankfurt und bekam zwei Kinder. Mit Anfang 30 Jahren ließ sie sich dann scheiden und lebte fortan in einer Frauen-WG.

„Der Feminismus der 70- und 80er-Jahre hat uns so viel Freiheit versprochen. Und frei wollten wir auch sein“, erzählt sie unserer Redaktion. „Kinder, Küche, Karriere – uns wurde erklärt, dass wir alles alleine können. Und so waren wir uns auch immer zu schade, Geld von Männern anzunehmen.“

Großmutter hat ihr leben lang gearbeitet, zwei Kinder großgezogen und ist heute arm

Heute sei Weiss zwar glückliche Großmutter, aber einsam und arm. „Ich lebe von 600 Euro im Monat, musste jetzt Grundsicherung beantragen“, erzählt sie. Dabei habe sie ihr ganzes Leben gearbeitet und zwei Kinder großgezogen. „Ich habe meinen Sohn und meine Tochter versorgt und den Frauen wie Alice Schwarzer geglaubt“, sagt Weiss.

Sie hat ein Buch-Manifest mit dem Titel „Warum der Feminismus Käse ist und Frauen – nach wie vor – besser einen reichen Mann heiraten sollten“ herausgebracht. Der Titel sei zwar überspitzt, dennoch sei es ihr sehr ernst.

„Alle Frauen, die Kinder bekommen und eine Familie gründen wollen, müssen da mit Vernunft drangehen. Wir können nicht der Hauptversorger der Familie sein, Vollzeit arbeiten und alleine unsere Kinder großziehen“, erklärt Weiss. Und sie hat einen Punkt.

Junge Frau, alter Mann: Der Heiratsmarkt bezahlt besser als der Arbeitsmarkt

Denn obwohl unverheiratete Frauen heute die erste Generation sind, die nicht über das Feld „Kloster“ gehen müssen, um der Armut zu entkommen, hat sich an der allgemeinen Versorgungssituation wenig geändert.

„Der Heiratsmarkt bezahlt die Frauen immer noch besser als der Arbeitsmarkt“, sagt die Präsidentin des Wissenschaftszenturms Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger. Das Armutsrisiko von Kindern wird einer Studie zufolge maßgeblich davon bestimmt, ob ihre Mütter arbeiten, besagt auch eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Weitere Studien belegen, dass Frauen auch heutzutage für die Vernunftehe plädieren. Zwei von drei Frauen jedenfalls wünschen sich einen Mann, der deutlich mehr verdient als sie selbst. Das zeigt eine Umfrage der Commerzbank-Onlinetochter comdirect, die 1100 Frauen zu ihrem Verhältnis zu Geld befragt hat.

Gerade mal 36 Prozent der befragten Frauen fänden es demnach in Ordnung, wenn ihr Partner weniger Geld nach Hause brächte als sie selbst.

So lange nicht alle wirklich gleichberechtigt sind - ist der Feminismus nicht am Ziel

Ist also aller Feminismus aufgrund wirtschaftlicher Zwänge bislang nicht aufgegangen? Stevie Schmiedel von der bundesgeförderten Initiative Pinkstinks kann da beruhigen. „Wir dürfen nicht annehmen, dass eine Generation oder zwei des Feminismus reichen, um alle alten Strukturen hinwegzufegen“, erklärt die Gender-Forscherin.

Mütterarmut im Rentenalter sei immer noch ein ganz großes Thema. Darüber hinaus gebe es noch sehr viel Fortschrittsbedarf bei Gleichbezahlung und fairen Elternzeitregelungen. Aber es wird besser“, sagt Schmiedel. „Feminismus ist heute cool und in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Und Sandra Weiss kann dabei trotz aller Wut und Mahnungen immerhin stolz auf ihrer erwachsene Tochter sein, die offenbar von ihrer Mutter gelernt hat. Sie arbeitet, ihr Mann auch – und beide versorgen die Kinder.

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