Ermittlungen

Anschlag mit Auto in NRW: Verletzten-Zahl steigt auf acht

Ein Mann hat in Bottrop und Essen in der Silvesternacht Fußgänger mit seinem Auto gejagt. Mindestens acht Menschen wurden verletzt.

Bottrop-Innenstadt am Dienstag: Polizisten laufen über den Berliner Platz, auf dem ein Autofahrer in der Nacht zuvor absichtlich in eine Menschengruppe gefahren war.

Bottrop-Innenstadt am Dienstag: Polizisten laufen über den Berliner Platz, auf dem ein Autofahrer in der Nacht zuvor absichtlich in eine Menschengruppe gefahren war.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Recklinghausen/Essen/Berlin.  Ein 50-jähriger Mann hat in der Silvesternacht in Bottrop und Essen mehrere Menschen mit seinem Auto gejagt und versucht, sie zu rammen. Der Innenminister Nordrhein-Westfalens, Herbert Reul, erklärte, der Fahrer hatte die „klare Absicht, Ausländer zu töten“. Gegen den Fahrer wurde Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes erlassen.

Die Polizei korrigierte die Zahl der Verletzten am Mittwochmorgen nach oben. Demnach seinen acht Menschen bei der Attacke verletzt worden. Eine Frau schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Bislang war die Polizei von fünf Verletzten ausgegangen.

Die Ermittler gehen derzeit von einem gezielten Anschlag mit fremdenfeindlichen Motiv aus. Die Ermittlungen zu Hintergründen und Hergang der Tat dauern aber noch an.

Innenminister: „Wir stehen zusammen gegen rechte Gewalt“

Der Essener steuerte laut ersten Erkenntnissen kurz nach Mitternacht zunächst in Bottrop auf eine Person zu, ehe er im Innenstadtbereich auf eine Menschengruppe zufuhr, die gerade mit Böllern und Raketen das neue Jahr begrüßte. Laut Polizei sind unter den Verletzten syrische und afghanische Staatsangehörige.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wandte sich via Twitter an die Bürger: „An diesem Neujahrstag gilt der Vorsatz für 2019 klarer denn je: Wir stehen zusammen gegen rechte Gewalt. Den Kampf gegen den Hass auf andere Menschen werden wir mit allen Mitteln des Rechtsstaats engagiert fortsetzen.“

Fremdenfeindliche Aussagen bei Festnahme

Nach den Angriffen in Bottrop soll der Fahrer nach Essen weitergefahren sein und auch dort mehrmals versucht haben, Menschen anzufahren. Dabei gab es einen Verletzten. Ein weiterer Versuch scheiterte. Warum, ist noch nicht klar.

„Vielleicht sind Leute weggerannt, vielleicht hat das aus anderen Gründen nicht funktioniert. All das zu klären, ist jetzt unsere Aufgabe“, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstagnachmittag. Es müssten jetzt Zeugen befragt werden.

In Essen konnte der Mann schließlich festgenommen werden. Er habe sich bei der Festnahme fremdenfeindlich geäußert, so die Ermittler. Nach „Spiegel“-Informationen soll der 50-Jährige in seiner Vernehmung gesagt haben, die vielen Ausländer seien ein Problem für Deutschland, das er lösen wolle. Demnach soll er nach ersten Erkenntnissen der Ermittler eine schizophrene Erkrankung haben.

Fahrer war der Polizei nicht bekannt

Der Mann sei in der Vergangenheit mindestens einmal in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen werden, berichtete das Nachrichtenmagazin.

Schon zuvor hatten die Ermittler angegeben, dass sie „erste Informationen über eine psychische Erkrankung des Fahrers“ hätten. Der mutmaßliche Täter stamme aus Essen und sei bei der Polizei bislang nicht in Erscheinung getreten, hieß es.

Kein Hinweis auf rechtsextreme Verbindungen

Hinweise darauf, dass der Autofahrer Kontakte in die rechtsextreme Szene hat, haben die Sicherheitsbehörden nicht. Bislang habe die Polizei keinen Ansatzpunkt gefunden, „dass dieser Mann irgendwelche Verbindungen hat oder dass er selber in irgendwelchen rechtsradikalen Kreisen sich bewegt“, sagte Reul am Mittwoch dem Sender WDR5.

Es scheine, dass der mutmaßliche Täter „aus einer persönlichen Betroffenheit und Unmut heraus dann Hass auf Fremde entwickelt hat“. Allerdings bräuchten die polizeilichen Ermittlungen noch Zeit.

Bei Twitter bat das Polizeipräsidium Münster darum, keine Bilder der Tat ins Netz zu stellen:

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) äußerte sich am Dienstagabend entsetzt über die Tat. „Meine Gedanken sind jetzt bei den Betroffenen und ihren Angehörigen. Ich wünsche allen eine hoffentlich schnelle und vollständige Genesung“, sagte Kufen laut einer Mitteilung der Stadt.

Laut WAZ hat Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler wegen der Vorfälle das für Neujahr geplante Eröffnungskonzert zur Feier des 100. Stadtgeburtstages abgesagt. Die bereits aufgebaute Bühne stand unmittelbar neben der Absperrung, hinter der die Polizei am Dienstag noch ermittelte.

„Das können wir nicht machen: Die junge Frau kämpft um ihr Leben und wir machen hier Party“, sagte Tischler der Zeitung. „Heute ist uns nicht zum Feiern zumute.“

(ba/dpa)

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