Verbot

Darum ist Bleigießen dieses Jahr an Silvester verboten

Silvester ohne Bleigießen: Die Deutschen müssen 2018 auf eine Silvestertradition verzichten. Wir erklären, warum das verboten ist.

Foto: imago stock&people / imago/DATA73

Berlin.  Leckeres Essen, ein paar Spiele, dann vielleicht noch Dinner for One gucken und um Mitternacht schnell ab auf die Straße zum Feuerwerk – so sieht das Silvester vieler Deutscher seit Jahren aus. Vieles am letzten Tag des Jahres ist Tradition – doch ein Brauch muss in diesem Jahr wegfallen: das Bleigießen.

Kleines Pfännchen mit einem Stück Blei über eine Kerze halten, warten bis das Blei flüssig geworden ist – und dann mit einem Schwung in eine Schüssel kaltes Wasser. Dort verformt sich das eben noch flüssige Schwermetall dann zu irgendetwas, aus dem man seine Zukunft für das neue Jahr lesen kann.

Eine sehr alte Tradition: Schon die Germanen und die Römer deuteten am Jahresende die Zukunft – dieser Brauch lebte im Bleigießen gewissermaßen weiter. Wenn auch (wahrscheinlich) komplizierter als früher: Denn das Herausklamüsern, um welche Art von Objekt es sich bei dem undefinierbaren Etwas handelt, ist stets kompliziert: Croissant, Säbel oder doch ein Gürteltier?

Bleigießen – neuer Grenzwert seit April 2018

An Silvester 2018 muss das muntere Rätselraten über das Schicksal im neuen Jahr jedoch entfallen – jedenfalls mit Blei. Grund dafür ist eine Entscheidung der Europäischen Union, die in ihrer Chemikalienverordnung einen neuen Grenzwert für Blei in Produkten festgelegt hat.

Der liegt seit April dieses Jahres bei 0,3 Prozent. Zum Vergleich: Laut Stiftung Warentest fanden sich in den Blei-Figuren bisher bis zu 71 Prozent des Schwermetalls. Bleigieß-Sets sind daher – zumindest offiziell – aus dem Handel verschwunden.

Diese Alternative gibt es zum Bleigießen

Wer bei Amazon das Suchwort „Bleigießen“ eingibt, findet nur noch Alternativen: etwa Wachs- und Zinngießen. Schon im vergangenen Jahr empfahl das Umweltbundesamt Wachs als Orakel. Denn auch dieser Stoff kann verflüssigt werden und erstarrt, sobald er in kaltes Wasser fällt – und das ganz ohne schädliche Dämpfe.

Beim Bleigießen sei das anders. Beim Erhitzen entstünden Oxide, die in die Raumluft verdampften. „Die umstehenden Personen können diese Dämpfe über die Atemwege aufnehmen. Auch beim Anfassen der Figuren gelangt das Blei an die Hände“, heißt es auf der Website der Behörde.

Gerade für Kinder sei das gefährlich. Schon geringe Mengen könnten die Entwicklung der Intelligenz beeinträchtigen.

Auch vor einer anderen Silvester-Tradition warnt das Bundesumweltamt. Feuerwerk setze gesundheitsschädlichen Feinstaub frei.

Auch aus diesem Grund diskutierten in diesem Jahr mehrere Städte über ein Böllerverbot, wie es etwa die Umwelthilfe fordert. Eine Mehrheit der Deutschen würde ein Verbot von Feuerwerk in Innenstädten begrüßen.

(cho)